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Hückeswagen
Zuhörerin bändelt im Programm mit Comedian an

Hückeswagen. Die auf den ersten Blick etwas abwegige Connection Schweiz-Köln-Hückeswagen funktionierte am Freitagabend prächtig - und das zum wiederholten Mal. Denn Alain Frei, Exil-Schweizer mit Wohnsitz Köln, ist ein gerne gesehener Gast in der Schloss-Stadt und trat, nach seinem bemerkenswerten Auftritt mit seinem ersten Solo-Bühnenprogramm "Neutral war gestern" im vergangenen Jahr, erneut im Kultur-Haus Zach auf. Von Wolfgang Weitzdörfer

Sein neues Programm beschäftigte sich einmal mehr mit Klischees und damit, wie diese ausgehebelt werden können. "Alle Menschen sind gleich. . .anders"präsentierte er rund 60 Zuhörern, und die waren das wohl denkbar beste Publikum, das sich ein Kabarettist wünschen kann: begeisterungsfähig, schlagfertig und mit ordentlich Dampf auf dem Lachkessel ausgestattet.

Da war es natürlich nur das Sahnehäubchen auf der Gute-Laune-Torte, dass Frei die Spontaneität selbst gepachtet zu haben schien und sich auf der Bühne vor der Freitreppe einfach pudelwohl fühlte. An einem Punkt im Programm etwa klingelte sein Handywecker. Ob als Teil der Show oder nicht sei dahingestellt. Wenig später versemmelte Frei einen Gag und kalauerte: "Hoffentlich klingelt mein Handy noch einmal." Woraufhin eine Zuhörerin ihre Chance witterte und wissen wollte: "Wie ist denn Deine Nummer?" Da war selbst der Erstplatzierte zahlreicher Kleinkunst- und Comedy-Preise erst einmal sprachlos. Es war diese Vertrautheit mit dem Publikum, die beinahe so aussah, als würde man sich vor und auf der Bühne schon seit Jahren kennen, die den Abend letztlich zu einem Erfolg werden ließ.

Stand-Up-Comedy funktioniert im Prinzip wie kontinuierliches Witzeerzählen. Da steht einer auf einer Bühne und haut einen nach dem anderen raus, mit entsprechend hoher Frequenz kommt dabei aber auch der eine oder andere Rohrkrepierer heraus. Kaum so bei Alain Frei. Dessen Trefferquote war enorm hoch, die Nummern dabei teilweise bitterböse. Und das wirkte umso nachhaltiger, weil der Mittdreißiger doch wie der nette Schwiegersohn wirkte.

Sein Alter war auch für einen inhaltlichen Wechsel verantwortlich, den Freis Kollegin Monika Gruber in ihrem vorletzten Programm verstärkt aufgegriffen hatte: der Neffe. Jener war immer wieder Pointengeber. Was prima war, schließlich ist Kinderwitz, von Erwachsenen dargeboten, oft kaum zu schlagen. Und auch wenn Frei selbst in seine eigene Kindheit abtauchte, um etwa als Fünfjähriger sein Ekelgefühl beim nächtlichen Ausflug ins Freibad kennenzulernen, war das ein Schenkelklopfer par excellence.

Da war es dann auch nicht schlimm, dass sich doch der eine oder andere flache Jux einschlich. Etwa der, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau der sei, "dass Frauen immer schön aussehen, egal was sie machen. Auch beim Sex. Männer dagegen sehen dabei aus, als würde ihnen gerade schlecht. Das ist auch der Grund, warum Frauen beim Sex die Augen schließen." Machte nichts: Es gab genügend Hochwertiges zum Lachen.

Quelle: RP
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