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Hünxe
Der Kapitän verlässt das Gemeindeschiff

Hünxe: Der Kapitän verlässt das Gemeindeschiff
Hünxe. Nach 53 Jahren im Dienst der Gemeinde verabschiedet sich Hünxes Bürgermeister Hermann Hansen in den Ruhestand. Auf der Feier im Ratssaal gab es für ihn viele lobende Worte von langjährigen Weggefährten. Von Florian Langhoff

Selten zuvor hatte man so viele Menschen im Saal des Hünxer Rathauses gesehen. Zum Abschied von Bürgermeister Hermann Hansen waren zahlreiche Gäste gekommen, die Klaus Stratenwerth, der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters in der Verwaltung, begrüßte. Direkt hatte er auch den ersten Lacher des Abends auf seiner Seite, als er via Beamer ein besonderes Schriftstück präsentierte: Den Lebenslauf von Hermann Hansen, von diesem selbst geschrieben aus dem Jahre 1961, in dem er sich bei der Gemeinde beworben hatte.

"Du hast mir erzählt, du wolltest lieber zur Handelsschule oder zur Sparkasse", erzählte Stratenwerth. "Letztere hat dich durch deine Amtszeit begleitet. In letzter Zeit vermutlich mehr, als dir lieb war." Dann gab es auf der Leinwand Fotos von Hansens ersten Betriebsausflügen zu sehen. Im Anzug ging es damals noch auf Tour. Der scheidende Bürgermeister und seine Mitazubis hätten auf den Fotografien auch sehr gut als Beat-Band durchgehen können. Wieder Lacher im Saal.

Es folgten viele lobende Worte für den scheidenden Rathaus-Chef und selbstverständlich auch einige lustige Anekdoten. "Ich würde deine Vorgehensweise im Amt als Dialog mit festen Vorgaben beschreiben", sagte Landrat Dr. Ansgar Müller und lobte Hansens Leistung im Bürgermeisteramt. Gleiches tat auch sein Schermbecker Amtskollege Mike Rexforth, der als Sprecher für die Bürgermeister des Kreises auftrat - eine Aufgabe, die sonst Hermann Hansen zugefallen wäre. "Aber du kannst dich natürlich nicht selbst verabschieden", sagte Rexforth und betonte: "Du hast nie die Freude an der Politik verloren. Sie war dein Leben." Und genau so war es: Hansen hat sich in Hünxe stets auch als Vermittler zwischen der Verwaltung und den politischen Kräften verstanden.

Für Letztere sprach Heike Kohlhase, die den Bürgermeister immer gern kritisiert hatte und im Wahlkampf auch mal gegen ihn angetreten war. "Ich glaube, ich werde Sie vermissen", sagte sie zum Ende ihrer Rede, in der sie von manchmal emotionalen Diskussionen während der Ratssitzungen berichtet hatte. Kämmerer Hans-Joachim Giersch lobte das Talent seines Chefs für den Umgang mit der Politik ebenfalls auf besondere Art und Weise: "Du konntest die Politiker konsensfähig reden", sagte der Herr über Hünxes Finanzen.

Martin Duscha, lange Zeit Pfarrer in Hünxe und mittlerweile Superintendent im Ruhestand, sprach über das gesellschaftliche Engagement von Hermann Hansen und auch dessen menschliche Seiten. "Auf Sie war nicht nur Verlass, Ihnen konnte ich auch vertrauen", lobte Duscha den scheidenden Bürgermeister. Von Heinz Rühl, dem Vorsitzenden des Hünxer Heimatvereins, gab es ebenfalls Lob für Hansens Engagement für die Vereinsarbeit in der Gemeinde. "Es ist meine Pflicht als Bürgermeister", hätte Hermann Hansen oft gesagt, wenn er sich in der ein oder anderen Art eingesetzt hatte. Oft auch in Gesprächen, die "von seiner Seite oft sehr lang waren", wie Heinz Rühl scherzhaft betonte.

Bernard Plat, Bürgermeister von Hünxes französischer Partnerstadt Rochecorbon, redete lieber zu seinem Amtskollegen als über ihn. "Du weißt, Du hast immer einen Raum in meinem Haus. Und auch wenn jetzt der offizielle Charakter deiner Besuche wegfällt - Freundschaft und Brüderlichkeit bleiben."

Schließlich gab es für den scheidenden Bürgermeister auch noch einige besondere Geschenke. "Als wir für die Verwaltung Tablets angeschafft haben, haben wir es durchgesetzt, dass Hermann Hansen keins bekommt", sagte Klaus Stratenwerth.

Dann übergab er dem künftigen Ruheständler aber nicht das langersehnte Arbeitsgerät, sondern etwas "mit gleicher Bildschirmdiagonale": einen der ersten Laptops, den die Gemeinde Mitte der 90er-Jahre angeschafft hatte. Dazu eine rote Jacke des Modelabels Helly Hansen. "Da steht wenigstens ganz groß dein Name drauf", scherzte Stratenwerth.

Zum Schluss bedankte sich Hermann Hansen selbst bei seiner "Mannschaft auf dem Schiff der Gemeinde Hünxe" und versprach seiner Ehefrau Klaudia, etwas von der im Amt versäumten Zeit jetzt im Ruhestand zu Hause nachzuholen. Dann gab es Musik. "Ali & the Gators" unterhielten die Gäste mit deftigem Skiffle.

Quelle: RP
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