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Hünxe
Ein Flüchtling erzählt seine Geschichte

Hünxe. Auch Hussm Alissa macht am kommenden Sonntag beim Bunten Fest in Drevenack mit. Der 24-jährige Syrer lebt in Hünxe. Von Peter Neier

Beim Bunten Fest am kommenden Sonntag in Drevenack kann man auch ihn kennenlernen: Flüchtling Hussm Alissa ist nur eines von vielen Beispielen für gelungene Integration in der Gemeinde Hünxe. Hussm ist 24 Jahre alt und kommt aus Syrien. In Damaskus, der Hauptstadt Syriens, hat er bis Ende des letzten Jahres mit seiner Familie zusammen gelebt. Im Oktober ist er schließlich nach Deutschland gekommen, alleine, denn für seine Familie ist es bis heute schwer, Syrien zu verlassen. Seine Mutter arbeitet dort als Lehrerin, sein Vater ist Rechtsanwalt. Auch Hussms Geschwister sind in Damaskus geblieben, einer der Brüder ist ebenfalls Rechtsanwalt, arbeitet zusätzlich als Professor an einer Universität, sein anderer Bruder ist als Ingenieur tätig.

Hussm hatte im Gegensatz zu seiner Familie keine andere Wahl, als seine Heimat zu verlassen, er wurde bedroht. Fanatiker wollten, dass er sich ihnen anschließt und für sie kämpft, obwohl es gegen seinen Glauben ist. Also floh er mit dem Flugzeug in die Türkei, von da aus ging es nach Griechenland weiter mit dem Schiff. Eine sehr harte Reise, denn die Polizei sowie die türkische Regierung waren die meiste Zeit hinter ihm und vielen anderen Flüchtlingen her. Sie mussten sich ins Gebüsch legen, um nicht entdeckt zu werden, Frauen und Kinder weinten die ganze Zeit.

Mit einem kleinen aufblasbaren Boot, das für 20 Menschen gedacht war, ging es jedoch mit über 50 Flüchtlingen auf nach Griechenland. "Es war ziemlich voll, ich danke Gott, dass wir es sicher bis auf die andere Seite geschafft haben", so Hussm über die nervenaufreibende Reise. In Griechenland warteten bereits norwegische Rettungsschwimmer auf die Flüchtlinge, um ihnen zu helfen. Von dort aus ging es weiter mit Schiffen, Bussen, Zügen und zu Fuß. Der schwierigste Teil seiner Reise lag zu dem Zeitpunkt allerdings noch vor ihm: In Slowenien war das Leid sehr groß, viele Menschen froren und hatten Hunger, doch ihnen wurde nicht erlaubt, sich etwas zu Essen zu kaufen oder sich frei zu bewegen, denn die Armee war überall.

Als Hussm die Grenzen Österreichs erreichte, hatte er es fast geschafft, das war das Ende des Leidens. Er kam trotz aller Gefahren, die seine Flucht mit sich brachte, nach rund einem Monat in Deutschland an und hat derzeit das Glück, in einer Privatwohnung in Hünxe untergekommen zu sein. Ob er eines Tages wieder nach Syrien zurückkehrt, kann sich Hussm aktuell nicht vorstellen. Er würde lieber in Deutschland bleiben und in Bochum ein Jurastudium beginnen, da er in Syrien sein letztes Semester an einer Rechtswissenschaftlichen Fakultät nicht abschließen konnte.

Von dem "Bunten Fest" erhofft er sich "einen guten Einfluss auf die Menschen", denn in Syrien machte er schlechte Erfahrungen und hatte Probleme aufgrund seines christlichen Glaubens, da ein Großteil der syrischen Bevölkerung Muslime sind und der konservative, streng ausgelegte Islam unter der Bevölkerung mit den Jahren immer mehr an Einfluss gewann.

Von Deutschland hingegen hat Hussm einen positiven Eindruck: "Hier haben die meisten Menschen kein Problem mit kulturellen Unterschieden."

Das "Bunte Fest" wird als Integrationsfest am Sonntag, 18. September, ab 15 Uhr rund um die Otto-Pankok-Grundschule in Drevenack, Buschweg 5, gefeiert. Die Band "Hochkant" mit Bürgermeister Dirk Buschmann am Schlagzeug präsentiert als Premiere die Hünxer Hymne. Livemusik kommt von den "Stonefaces", es gibt eine Luftballonaktion und Leckeres vom Grill.

Quelle: RP
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