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Hünxe
Förster Herbrecht - 30 Jahre im selben Revier

Hünxe: Förster Herbrecht - 30 Jahre im selben Revier
Revierförster Michael Herbrecht ist jeden Tag im Wald unterwegs. FOTO: Heiko Kempken
Hünxe. Der 58-Jährige wohnt im Forsthaus in Hünxe und bewirtschaftet 2000 Hektar Staatsforst in acht Kommunen. Seine Arbeit hat sich geändert.

Seit der Reform 2008 und weiterem Flächenankauf in den Folgejahren reicht sein Revier inzwischen von Wesel bis Ratingen, umfasst acht Kommunen und hat die stolze Größe von rund 2000 Hektar. Der Forstbetriebsbezirk (FFB) Dinslaken hat seinen Sitz im historischen Forsthaus Schwarze Heide in Hünxe. Dort arbeitet Revierförster Michael Herbrecht - und feiert jetzt sein 30-jähriges "Revierjubiläum".

Am 2. November 1985 trat er seinen Dienst im heutigen Revier an. "Bisher ist es noch keinem Revierförster in Dinslaken vergönnt gewesen, so lange auf einer Stelle zu verbleiben", sagt der 58-Jährige. Ein so großes Revier sei nur zu führen, "wenn man sich auf seine Helfer blind verlassen kann". Herbrecht dankt den früheren Forstwirtschaftsmeistern, Forstwirten und Waldarbeitern, dem Forstamt, den Kollegen, Unternehmern, und den Kunden, mit deren Hilfe erst eine kostengünstige Waldpflege ermöglicht wird, die ehrenamtlichen Helfer, Waldjugendgruppen Hünxe und Oberhausen, die biologischen Stationen und Naturschutz-Verbände.

Ein ganz besonderer Dank gebühre seiner Familie, "die oft darunter litt, dass mein Beruf auch mein erstes Hobby ist". Egal, ob es galt, unangemeldete Kunden zu informieren, einen Wildunfall aufzunehmen, kranke Azubis, Eulen und Igel zu versorgen, ein verwaistes Kitz großzuziehen, das Essen aufzuwärmen. Nachdem immer mehr Familienmitglieder das Forsthaus verlassen haben, "ist es deutlich ruhiger geworden".

Mit der Reviergröße und Bewirtschaftung des Staatsforstes wuchsen für Herbrecht die Aufgaben, "aber leider nicht das Personal und die Finanzmittel". Denn Staatsforst bedeute eine intensive und regelmäßig wiederkehrende Waldpflege. "Daher stieg der Anteil meiner Büroarbeiten drastisch zu Lasten der Kontrollgänge und mancher liebgewordenen Arbeit wie Waldführungen", berichtet er. "Nicht selten bin ich auch noch weit nach Mitternacht am Schreibtisch erreichbar."

Kaum ein Bereich in seinem Betätigungsfeld dominiere so stark wie der Holzeinschlag, "der Licht an den Boden lässt". Diverse Orkane hätten zwar zu einem Holzpreisverfall geführt, "gaben aber Raum für einen Neuanfang auf vielen Teilflächen, die sich die Natur schnell zurückeroberte". Für eine Naturverjüngung seien in den letzten 30 Jahren 117 Kulturen angelegt worden. Herbrecht nennt 192 198 Stück gepflanzte Bäume. Für Ausgleichspflanzungen nach Eingriffen in die Natur biete der FFB Dinslaken Flächen an. Zehn Naturschutzgebiete und drei Naturwaldzellen seien so entstanden.

Seine Begeisterung für den Wald gibt der Revierförster an viele Auszubildenden weiter, bald kommt der 104. in sein Revier. Zu Herbrechts Aufgaben gehört auch die Amtshilfe für die Polizei bei Wildunfällen. Zu insgesamt 548 sei er in 30 Jahren gerufen worden, der Schwerpunkt lag mit 402 Unfällen beim Rehwild.

Eine "permanente Gefahr" bei der Bewirtschaftung der Wälder seien lebensgefährliche Hinterlassenschaften aus den Weltkriegen. Zwischen 1990 und 2003 seien im Hünxer Wald 677 Bomben und 5538 Granaten gefunden worden.

Der 58-Jährige liebt den Umgang mit den Menschen ("mein Lieblingsfeld"). Hoch motivierte Ehrenamtler würden ihm dabei helfen. In den letzten 30 Jahren kamen 383 Führungen und Vorträge zusammen, 9178 Menschen von Kindergärten über Grundschulen, Leistungskurse Biologie, Vereine bis hin zu Seniorenheimen wurden über die Schönheit, aber auch die Sorgen des Waldes informiert.

Herbrecht benutzt den Begriff Freizeit eher mit Vorsicht. Nachdem die Ehrenämter in der Feuerwehrführung ausgelaufen sind, widmet er sich wieder mehr dem Segel- und Motorfliegen. "So genieße ich den Blick auf die Niederrheinischen Wälder ganz besonders."

(P.N.)
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