| 00.00 Uhr

Hünxe
Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte

Hünxe: Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte
Beide Daumen hoch - ein mehr als zufriedener Walter Extra nach seinem gestrigen öffentlichen Erstflug. FOTO: Martin Büttner
Hünxe. Der Hünxer Flugzeugbauer Walter Extra absolvierte gestern den öffentlichen Jungfernflug mit seiner Propeller-Kunstflugmaschine Extra 330 LE, angetrieben von einem Elektromotor, den Siemens entwickelt hat. Von Heinz Schild

Kaum hatte das Flugzeug von der Startbahn des Flugplatzes Schwarze Heide abgehoben, zog Walter Extra die Maschine im Steilflug nach oben. Er drehte einige Runden, flog Rollen und auch einen Looping bevor er dann nach einigen Minuten das Flugzeug Extra 330 LE sicher landete. Die umstehenden Beobachter applaudierten kräftig. Der 62-jährige Pilot, Firmengründer und Namensgeber des in Hünxe ansässigen Flugzeugbauunternehmens Extra, war mit dem öffentlichen Erstflug der ausschließlich von einem rund 50 Kilogramm schweren und 260 Kilowatt Dauerleistung liefernden Elektromotors angetriebenen "Extra 33 LE" vollends zufrieden. "Das Flugzeug fliegt super, der Flug war wie erhofft: völlig unaufgeregt", stellt Extra fest und sprach von einem denkwürdigen Tag, einem Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte. Dem von Siemens neu entwickelten elektrischen Antriebssystem sagte er eine "ganz große Zukunft" voraus und bescheinigte dem Siemens-Konzern, mit der Neuentwicklung für einem Technlogieschub und Innovationssprung zu sorgen, wie er nur alle 20 bis 30 Jahre vorkomme,

Damit sprach der Flugzeugbauer und mehrfache Kunstflug-Weltmeister auch Dr. Frank Anton, Leiter der Electric Aircraft Forschung bei Siemens, aus dem Herzen. Denn erstmals flog gestern ein Elektroflugzeug in der Leistungsklasse von einem Viertel Megawatt. Wie Anton ausführte, leistet der von Siemens entwickelte Motor fünf Mal so viel wie vergleichbare Antriebe. "Die Welt wird elektrisch, nicht nur zu Wasser und an Land, sondern auch in der Luft", sagte Anton. Er betonte, dass die europäischen Emissionsziele, die bis zum Jahr 2050 eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 75 Prozent (verglichen mit den Werten des Jahres 2000) vorsehen, sich nur durch eine teilweise Elektrifizierung der Flugzeug-Antriebe erreichen ließen.

Bei seinem gestrigen öffentlichen Jungfernflug erreiche Walter Extra mit seinem Flieger eine Höhe von bis zu 1000 Metern. Die Maschine kann rund 220 Knoten (also etwa 400 Stundenkilometer) schnell fliegen. Den Strom bezieht der Motor aus zwei jeweils rund 150 Kilogramm schweren Batterien. Nach Beendigung des Fluges zeigten die Akkusysteme noch einen Ladestand von knapp 50 Prozent. "Die Maschine fliegt sich mit dem neuen Elektromotor vom Handling und vom Gefühl her wie mit einem normalen Benzinmotor ausgerüstet", sagte Extra. Allerdings ist das Elektroflugzeug wesentlich leiser als Maschinen, die mit einem Benzinmotor ausgestattet sind. Nach dem gestrigen Jungfernflug wird der neue Antrieb nun weiterhin auf Herz und Nieren unter Belastung getestet und weiterentwickelt. Das Kunstflugzeug Extra 300 LE wurde ausgewählt, weil es sich besonders dafür eignet, die Komponenten an ihre Grenzen zu bringen. Der neue Motor erreicht seine Leistung bei einer Drehzahl von 2500 Umdrehungen pro Minute und treibt den Flugzeugpropeller direkt, also ohne ein Getriebe, an. Siemens ist nach Aussage von Dr. Frank Anton entschlossen, diesen Weg weiter zu gehen und größere Antriebe für die Luftfahrt zu entwickeln. Zu diesem Zweck ist der Konzern eine Kooperation mit der Airbus-Gruppe eingegangen, um hybrid-elektrische Antriebe zu entwickeln. Deren technische Machbarkeit soll bis zum Jahr 2020 nachgewiesen werden. Als realistisch wird es angesehen, dass in Zukunft Regionalflugzeuge verkehren, die von einem hybrid-elektrischen Motor angetrieben werden, bis zu 100 Passagiere befördern und eine Reichweite von rund 1000 Kilometer haben. Dieses Ziel soll bis 2030 erreicht werden. "Siemens ist entschlossen, die hybrid-elektrischen Antriebe für Flugzeuge zu einem Geschäftsbereich zu entwickeln", erklärte Dr. Anton.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hünxe: Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.