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Hünxe
Mit dem Fahrrad auf großer Pilgerreise

Hünxe: Mit dem Fahrrad auf großer Pilgerreise
Am Ziel: Gustav Sommer vor der Kathedrale in Orleans. FOTO: GS
Hünxe. Auf den Spuren der Jakobspilger: Gustav Sommer fuhr 1500 Kilometer von Hünxe bis nach Orleans in Frankreich. Von Heinz Schild

40 Tage dauerte die Pilgerfahrt von Gustav Sommer. Er startete zu Hause in Hünxe, sein Ziel war Orleans in Frankreich. Die rund 1500 Kilometer lange Strecke auf den Spuren der Jakobspilger legte er mit dem Fahrrad zurück. Gern denkt der heute 64-Jährige an seine Fahrt, die er Mitte des vergangenen Jahres unternahm und die für ihn die Erfüllung eines langgehegten Traumes darstellte. Und er berichtet von seinen Erlebnissen während der Reise. Er erzählt von den Menschen, denen er begegnete und mit denen er ins Gespräch kam. Von der Schönheit der Landschaft, der Dörfer und Städte am Wegesrand, und er berichtet von den Strapazen, die wohl einfach dazugehören, wenn man solch eine Tour mit dem Fahrrad antritt. Für den Hünxer war es eine persönliche Herausforderung, der er sich gestellt und die er gemeistert hat. "Es war einfach großartig, eine wunderbare Pilgerfahrt", schwärmt Gustav Sommer.

Der Keim für das Vorhaben wurde in ihm zehn Jahre vor der Tour gepflanzt. Damals nahm Gemeindepfarrer Helmut Joppien ein Sabbatjahr und radelte mit dem Fahrrad von Drevenack bis Taizé in Frankreich. Die weitere Strecke bis nach Santiago de Compostela legte der Geistliche zu Fuß zurück. Gustav Sommer war davon ganz begeistert. "Ich fand es einfach klasse, was unser Pfarrer machte. Er war während dieser Zeit seiner Pilgerreise total frei und hatte viel Zeit zum Innehalten."

Genau das war es, was sich Gustav Sommer auch wünschte: Zeit für sich zu haben, einfach mal loszulassen. Doch das ging zu jener Zeit nicht. Der Diplom-Ingenieur war selbstständig und Chef der IT-Firma Sommersoft in Voerde. Damals sei er ein Workaholic gewesen, im Hamsterrad gefangen, sagt er von sich. Selbst eine Pilgerreise anzutreten, das wurde dann sein Lebenstraum. Doch es vergingen noch zehn Jahre, bis er sein Vorhaben in die Tat umsetzte. Möglich wurde dies, als die Nachfolge im Betrieb geklärt war und er aus der Firma ausscheiden konnte.

Zuerst dachte Gustav Sommer daran, zu Fuß zu gehen. Doch der Mann mit fast 200 Kilogramm Gewicht erkannte bald, dass er es auf Schusters Rappen nicht schaffen würde. Also entschied er sich fürs Fahrrad als Fortbewegungsmittel, ging ins Fitnessstudio und bereitete sich auch körperlich auf seine Reise vor. Er unternahm Tagesradtouren von 30 bis 50 Kilometern Länge. Am heimischen Computer plante er frühzeitig die Route.

Gut vorbereitet trat er diese dann an einem Sonntag auf einem Trekking-Rad mit 30 Gängen und Kettenschaltung an. In den Satteltaschen hatte er 18 Kilogramm Gepäck, weitere zwei an der Lenkerstange. Das Abenteuer konnte beginnen. Gustav Sommer radelte zunächst den Rhein hinauf bis Koblenz. Dann ging es an der Mosel entlang über Trier nach Schengen in Luxemburg. Er folgte der Mosel bis Toul, fuhr in Frankreich durch Lothringen, die Champagne, es ging die Loire entlang bis er dann sein Ziel erreichte: Orleans. Er hatte sich vorgenommen, jeden Tag rund 50 Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen. Einmal schaffte er lediglich zehn, an einem anderen Tag legte er 98 Kilometer zurück. Während der gesamten Dauer seiner Reise führte er Internet-Tagebuch und hielt Kontakt zu seiner Frau Waltraud, die daheim geblieben war.

Seine Pilgerreise ist für Gustav Sommer mit unvergesslichen Erinnerungen und Begegnungen mit Menschen verbunden. Das erste schöne Erlebnis war für ihn, als er mit dem Rad die Domplatte in Köln erreichte und es aus eigener Kraft geschafft hatte, dort anzukommen. Er erinnert sich an so manches Gespräch, das er mit Menschen führte, die ihn als Pilger erkannten und sich für seine Geschichte interessierten. Gustav Sommer bezeichnet sich als Christ, ist kein Heiligenverehrer, wie er selbst sagt. Ihm ist der spirituelle Aspekt seiner Pilgerreise wichtig. "Da wirst du von Leuten angesprochen, die sich für dich interessieren. Du sprichst deren Sprache zwar nicht, aber du versteht sie trotzdem. Da machst du auf deiner Reise einen Umweg - der sich dann als gute Fügung erweist."

Innezuhalten und sich mit anderen Menschen auszutauschen, das war Sommer während seiner Reise stets wichtig. Die Rückreise mit dem Fahrrad und dem Zug führte den Hünxer über Paris, Trier und Koblenz. Planmäßig erreichte er nach 40 Tagen "gesund, unverletzt, glücklich und dankbar" sein Zuhause am Bensumskamp in Hünxe.

Für dieses Jahr hat er sich vorgenommen, erneut eine längere Pilgereise anzutreten. Diesmal gemeinsam mit seiner Frau, 50 Tage soll die Tour mit dem Fahrrad andauern. Im französischen Orleans, wo seine Reise im vergangenen Jahr endete, wollen die Eheleute Sommer diesmal starten und dann nach Santiago de Compostela in Spanien pilgern.

Termin: "Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Jakobspilger", Multimedia-Diashow von Gustav Sommer, Donnerstag, 7. April, 18 bis 20.30 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus Drevenack, Kirchstraße 10, Drevenack

Quelle: RP
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