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Hünxe/Schermbeck
Nottenkämper-Prokurist steht wieder vor Gericht

Hünxe/Schermbeck. Es geht nicht nur illegal deponierte um Ölpellets. Ingo L. ist auch wegen Bestechung angeklagt.

Knapp 14 Tage nach der Festnahme des ehemaligen Prokuristen der Firma Hermann Nottenkämper OHG wurde gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Bochum das Strafverfahren gegen Ingo L. wieder aufgenommen. Das Verfahren war zu den Akten gelegt worden, nachdem L. im August 2017 bei einem Folgetermin nicht vor Gericht erschienen war und sein Verteidiger vom Brief des Angeklagten mit der Ankündigung seines Suizids berichtet hatte. L. wurde gestern von zwei Mitarbeitern der Justizvollzugsanstalt Bochum zur Strafkammer gebracht. Dort verlas der Staatsanwalt zunächst 45 Minuten lang die Anklageschrift aus dem Jahre 2016 und aktualisierte anschließend diese Klage.

L. soll von 2010 bis 2015 in Bochum und an anderen Orten gegen Gesetze verstoßen haben. Ihm wird vorgeworfen, dass zwischen April 2010 und 2013 rund 30.000 Tonnen Ölpellets, die mit anderen Stoffen vermischt wurden, "unter planvoller Umgehung des Umweltrechtes" auf dem damals als Abgrabung geführten Mühlenberg der Firma Nottenkämper im Gahlen-Gartroper Grenzbereich deponiert wurden. Dort war er vom 14. Juli 2008 bis zum 10. Juli 2014 Prokurist.

Ölpellets waren nicht das einzige Material, das L. illegal in der Abgrabung Nottenkämper deponiert haben soll, ohne dass dies bemerkt wurde. Über eine zweite Lieferkette soll es ihm gelungen sein, als gleichzeitig fungierender Alleingesellschafter der in Oberhausen auf dem ehemaligen Nottenkämper-Gelände ansässigen Firma Waste Consulting GmbH etwa 35.000 Tonnen Kronocarb auf dem Gahlener Mühlenberg zu deponieren, die die Firma Possehl-Kehrmann geliefert hatte. Auch diesen zweiten illegalen Lieferstrang soll L. an der gesamten Führung der Firma Nottenkämper vorbei auf deren Gelände deponiert haben. Dem Kreis Wesel soll bei seinen Kontrollen nichts aufgefallen sein. Aufgeführt wurde vom Staatsanwalt auch ein im August 2013 geschlossener Vertrag mit einer Hamburger Firma, der L. die Ablagerung von Eisensilikat zu einem ermäßigten Preis ermöglicht haben soll, um mit dem "Rabatt" Schadenersatzansprüche dieser Firma gegen ihn auszugleichen. Angeklagt ist L. auch wegen mehrfacher Bestechungen, wegen betrügerischer Abrechnungen und wegen jahrelanger Hinterziehung von Umsatz-, Körperschafts- und Gewerbesteuern, die er an das Finanzamt in Duisburg hätte zahlen müssen. Hinzu kommen Verstöße gegen das Arbeitsrecht, da L., so der Staatsanwalt, die "Gefährdung der Arbeitnehmer bewusst in Kauf genommen" habe, indem er sie bei hoher Staubentwicklung in einer Halle arbeiten ließ. Der Staatsanwalt sprach von "vorsätzlich begangenen rechtswidrigen Taten".

Fortsetzung des Prozesses: 6. März

(hs)
 
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