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Hünxe
Schlosskonzert mit festlicher Barockmusik

Hünxe: Schlosskonzert mit festlicher Barockmusik
Torben Klaes, Yoshimi Wittermann, Daphne Oltheten, Ketil Haugsand und Yuko Inoue (von links) boten Barockmusik vom Allerfeinsten FOTO: Markus Joosten
Hünxe. Premiere in Gartrop: Das Klavier-Festival Ruhr gestaltete einen festlichen Abend mit Ketil Haugsand. Von Bettina Schack

Wer sagt eigentlich. dass in einem Weihnachtskonzert "Stille Nacht" als vorletztes Lied vor dem gemeinsam gesungenen "O du fröhliche" stehen muss? Vor dem ersten Satz der ersten Triosonate des Abends schlägt Ketil Haugsand die Saiten seines Cembalos an, damit Yoshimi Wittermann (Traversflöte) und Torben Klaes (Viola da Gamba) ihre Instrumente stimmen können. Als dann Daphne Oltheten mit ihrer Violine an der Reihe ist, spielt er eben jenes Lied in G-Dur.

Aus praktischen Gründen, die Grund- und Ecktöne der Melodie sind die, nach denen die Saiten der Violine gestimmt sind. Und natürlich auch, um das Publikum mit einzustimmen: auf die Weihnachtliche Barockmusik in der Alten Rentei von Schloss Gartrop, dem ersten Weihnachtskonzert der Stiftung Klavier-Festival Ruhr überhaupt.

"Liebes Publikum, kommt die Weihnachtsstimmung" fragt der aus Norwegen stammende und international als Solist, Kammermusiker und Dirigent tätige Professor für Cembalo an der Hochschule für Musik Köln in einem charmanten Mix aus skandinavischen Akzent und kölschem Dialekt.

Sie kam an diesem vierten Advent auf Schloss Gartrop, wo die Lichterketten in den Bäumen glänzten und im Schloss Gartrop wie neben der Bühne in der Alten Rentei große Weihnachtbäume wie aus dem "Nussknacker" herbeigezaubert für ein festlich-nostalgisches Ambiente sorgten.

Wer jetzt nur noch die Pastorale aus Corellis Weihnachts-Concerto grosso vermisste, brauchte nur noch auf den zweiten Teil des Konzerts warten, aber nicht vor Vorfreude ungeduldig werden. Die Musiker - der namhafte Cembalist und die jungen Musikern, die sich in seiner Hochschulklasse auf Alte Musik spezialisiert haben - verwöhnten das Publikum im ausverkauften Saal mit Kammermusik vom Feinsten: Triosonaten von Bach und Telemann, ebenso dessen Concerto Nr. 2.

Yoshimi Wittermann hat zwar erst im Februar dieses Jahres ihr Masterstudium in Traversflöte abgeschlossen, ist aber bereits eine gefragte Solistin. Weshalb, dass stellte sie in Gartrop eindrucksvoll unter Beweis: ihr feiner Ton und ihre Präzision auch in den rasantesten Passagen sind makellos.

Die siebensaitige Viola da Gamba kam im Laufe des Barocks aus der Mode, Haugsand spielt Antoine Forquerays reich verzierte "Pièces de Viole mises" in der Transkription für Cembalo. Wie die kleinen Steinchen eines Mosaiks fügen sich die einzelnen, in winzigen Notenwerten gespielten Töne zu melodischen Wendungen zusammen und bleiben doch für sich wahrnehmbar. Was auf dem Cembalo zumindest leicht klingt, muss aus der Viola da Gamba Ton für Ton herausgegriffen und mit dem Bogen gestrichen werden. Torben Klaes meistert die virtuosen Passagen in den Werken von Telemann mit Bravour. Besonders reizvoll im dritten Satz des Concertos: das "Duell" zwischen Wittermanns Traversflöte und Daphne Olthetens Barockvioline.

Zwei Generationen stehen auf der Bühne. Aber es ist der "68-einhalb-jährige" Haugsand, der an diesem Sonntag der Debütant ist. Mit der Sonata II in A-Dur op. 18/5 spielt er zum ersten Mal in einem Konzert Cembalo vierhändig. Seine "bessere Hälfte" in den Oberstimmen: Yuko Inoue, die dem eigentlich statischen Cembalo den Ausdruck entlockt, der den "Londoner Bachs" zu einem der wichtigen Wegbereiter für Mozart machte.

Zum Schluss des von Haugsand humorig moderierten Weihnachtskonzerts kommt nicht der Weihnachtsmann, sondern Harlekin Jean-Philipp Rameau lässt den "kleinen Teufel" Purzelbäume durch alle Stimmen schlagen, zeigt aber im ironisch-selbstbewusst "La Rameau" betitelten dritten Satz, das er selbst das tollste Zirkuspferd in seiner eigenen Manege ist.

Der abschließende Applaus des Publikums sollte zur Zugabe verpflichten.

Aber da lässt Haugsand keine Zweifel, dass hier ein Weihnachtskonzert gegeben wurde. Und so erlebt das Publikum des Klavier-Festivals sein eigenes Debüt: Haugsand lässt es lächelnd "O du fröhliche" singen.

Quelle: RP
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