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Hünxe
Terror trübt die Freude an der EM

Hünxe. Silvie-Anne Valambert und Reinhard Pohle erleben die Fußballeuropameisterschaft mit gemischten Gefühlen. Die in Drevenack lebende Französin und ihr Partner hoffen auf ein friedliches Fußballfest mit Frankreich als Sieger. Von Susanne Zimmermann

Wenn am Montagmorgen die EM friedlich zu Ende gegangen ist, dann atmet in einem schmucken Backsteinhäuschen im Drevenacker Dorfkern jemand auf. Silvie-Anne Valambert und ihr Partner Reinhard Pohle. "Frankreich ist Gastgeber", sagt die Französin (52), die seit 22 Jahren in Deutschland lebt. "Ich möchte, dass unsere Gäste aus ganz Europa wieder gesund nach Hause kommen." Flammende Fußballfans sind beide im Grunde nicht, aber sie werden das Spiel heute Abend gucken.

Die Terroranschläge von Paris haben Narben hinterlassen. Valambert sieht die EM mit gemischten Gefühlen, ein bisschen Angst sitzt immer mit vor dem Fernseher. Zeigen darf man sie nicht. "Wir waren nach den Attentaten sofort wieder in Paris. Franzosen sind hartnäckig", sagt sie. Das "Empfangskomitee mit Gewehr", wie sie das Polizeiaufgebot beschreibt, sei zugleich beunruhigend und beruhigend gewesen. Auf dem Place de la République werden noch immer frische Blumen abgelegt, Tag für Tag, "dort kommen einem die Tränen", beschreibt der 64-Jährige die tiefen Emotionen.

Nicht nur der Terror treibt die Menschen um, auch Hollandes Arbeitsmarktreformen, "die Franzosen sind auf den Barrikaden". Während des Fußballfestes sind Demonstrationen verboten worden. "Dans le four ou dans le moulin - im Backofen oder in der Mühle sagt man bei uns", sagt Silvie. Die Polizei könne eben nicht gleichzeitig die Stadien schützen und Demonstrationen begleiten.

Hollande tut ihr leid, "er ist ein armer Tropf". Reformen müssten sein, aber immer wenn er etwas anpacke, spüre er Gegenwind, "die Franzosen möchten keine Veränderungen". Reinhard Pohle schmunzelt. "Sie tickt wie eine Deutsche", sagt er. Und die temperamentvolle Silvie gibt zu: "Heute? Morgen? Egal! Diese Unzuverlässigkeit, damit komme ich nicht mehr zurecht." Das Paar kann ein Lied davon singen, in Silvies Dingdener Bistro Café Crème bietet sie ausschließlich französische Lebensmittel an. Die Beschaffung ist mitunter abenteuerlich - trotz langer Vorbestellungen. "Von einem Esel machst Du eben kein Rennpferd..."

Zurück zum Fußball. "Nach den Massenschlägereien am Anfang ist es jetzt so, dass die Fans miteinander ein großes Fest feiern", meint Reinhard Pohle und er findet das schön. Deutschland und Frankreich, "das ist die Geschichte einer langen Freundschaft", sagt sie. "Kohl und Mitterand, Angela und verschiedene Präsidenten. Die Franzosen verehren Angela Merkel." Silvies Mama ist Bayern-Fan, in Frankreich sagt man "vivre la Mannschaft", und meint die Equipe Tricolore.

In einem ist sich das Paar einig: Es wäre schön, wenn Gastgeber Frankreich den Titel holt. Sie haben um eine Kugel Eis gewettet: Sie tippt 2:1 für ihr Heimatland, er setzt auf Verlängerung und Elfmeterschießen. Was auch immer kommt: "Wenn das letzte Spiel gespielt ist und nichts geschehen ist, sind wir froh," sagt die sympathische Französin, die manchmal wie eine Deutsche tickt.

Quelle: RP
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