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Jüchen
Afrikaner erschüttert über "Kaiserbüffel"

Jüchen: Afrikaner erschüttert über "Kaiserbüffel"
Gedenken an den Völkermord in Namibia: Nachkommen der Herero versammelten sich 2015 am Rand der Omaheke-Wüste, um an den Beginn des Völkermordes durch die Deutschen vor mehr als 100 Jahren zu erinnern. Gedenken an den Völkermord in Namibia: Nachkommen der Herero versammelten sich 2015 am Rand der Omaheke-Wüste, um an den Beginn des Völkermordes durch die Deutschen vor mehr als 100 Jahren zu erinnern. FOTO: Jürgen Bätz/dpa
Jüchen. Ein südafrikanischer Pfarrer und Mitglied im Bündnis "Völkermord verjährt nicht" fordert den Schützenzug "Kaiserbüffel" zum zweiten Mal auf, die Uniformen abzulegen, die den Genozid an 80.000 Herero symbolisieren. Von Gundhild Tillmanns

Weite Kreise zieht der erste Auftritt des Schützenzuges "Kaiserbüffel" in den Uniformen der Schutztruppen der ehemaligen Kolonie Deutsch-SüdwestAfrika beim Schützenfest in Bedburdyck-Stessen. In einem offenen Brief fordert jetzt der südafrikanisch-stämmige evangelische Pfarrer Dr. Ben Khumalo-Seegelken aus Oldenburg die "Kaiserbüffel" bereits zum zweiten Mal nach 2009 auf, diese Uniformen nicht mehr zu tragen: "Der Name, den Ihr Schützenzug führt, und die Uniform, die er trägt, erwecken nicht nur bei mir den Eindruck, dass Ihr Schützenzug die Truppen der Kolonialmacht im damaligen Deutsch-Südwestafrika verherrlicht, und den von ihnen verübten Völkermord ebenso", schreibt der vor Jahren auch in Grevenbroich tätige Theologe, der nach eigenen Angaben im Bündnis "Völkermord verjährt nicht" erfolgreich dafür mitgekämpft hat, dass sich die Bundesrepublik Deutschland für den an 80.000 Herero und Nama verübten Genozid bei einem Besuch der Entwicklungshilfeministerin in Namibia reumütig entschuldigt hat. Die "Kaiserbüffel" hatten sich bereits 2005 in Gierath gegründet und waren dort ebenfalls in den Schutztruppenuniformen bei den Schützenfesten mitgezogen. Jetzt in Bedburdyck gab es erstmalig aus der Bevölkerung Proteste. Daraufhin hat der Schützenzug zwar seine Internetseite und seinen Facebook-Auftritt gelöscht. Der Zug-Chef hatte aber gegenüber unserer Redaktion erklärt, die "Kaiserbüffel" würden die Uniformen auch weiterhin tragen: Man verherrliche damit nicht den Völkermord, sondern trage sie zur Mahnung.

Mit dieser Argumentation hat Ben Khumalo große Probleme: "Ich hatte auf Einsicht gehofft, und dass der Schützenzug nach meinem ersten Brief die problematischen Uniformen stillschweigend abgelegt hätte", sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Er sei erschüttert, als er von Bekannten aus dem Rheinland über das erneute Auftreten der "Kaiserbüffel" in der Kleidung der Kolonialtruppen, die sich in ihrer Bedeutung einfach nicht von dem Völkermord trennen ließen, erfahren habe: "Ich bin ein Mann, der sich viel im Internet bewegt", sagt der 66-Jährige, der 1975 wegen seines Widerstandes gegen die Apartheid sein Geburtsland Südafrika verlassen musste. Er wurde 1980 in Deutschland eingebürgert, studierte unter anderem evangelische Theologie und ist seit 1886 Pfarrer, auch mit Lehrauftrag an Hochschulen.

Im Internet und auf sonstige Weise verfolge er sehr wachsam den Umgang mit der Kolonialgeschichte. Mit offenen Briefen, Appellen, seiner Mitarbeit im Bündnis "Völkermord verjährt nicht" versuche er das Bewusstsein für einen selbstkritischen Umgang mit der deutschen Geschichte zu sensibilisieren, sagt der Pfarrer. Für ihn sei der erneute Aufmarsch der "Kaiserbüffel" trotz seiner deutlichen Hinweise aus dem Jahr 2009 auch eine persönliche Enttäuschung: "Ich dachte, der Schützenzug hätte damals aus meinen Erklärungen etwas dazu gelernt." Nun beendet er seinen erneuten Appell an die "Kaiserbüffel" mit den Worten: "Ich hoffe auf Einsicht."

Auf die Anfrage zu einer neuerlichen Stellungnahme antwortete der Zug-Chef der "Kaiserbüffel" nicht.

Quelle: NGZ
 
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