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Jüchen
Auf den Spuren eines grausigen Mordes

Jüchen: Auf den Spuren eines grausigen Mordes
Gemeindearchivar Axel Bayer blättert vor dem Behrenstein in Unterlagen, die die Geschichte des Mordes und des Gedenksteines im Friedhofs-Park erzählen. Der Stein stand bis Mitte der 1970er Jahre an der Rheydter Straße. FOTO: anja tinter
Jüchen. Am Hochneukircher Friedhof erinnert ein massiver Stein an den qualvollen Tod des Hofbesitzers Theodor von Behr im Jahr 1744. Mysteriös: Der Mörder konnte nie gestellt werden. Eine Spurensuche mit Gemeindearchivar Axel Bayer. Von Christian Kandzorra

Der Herbst bringt Kälte ins Land. Auch an diesem Morgen ist es frisch in Hochneukirch. Tau macht das Gras feucht; jedes Ausatmen ist sichtbar, weil die warme Luft sofort kondensiert. Der Tag beginnt rau. Und dennoch: Zwischen den Ästen der Sträucher und Bäume am Friedhofs-Park blinzelt plötzlich die Sonne hindurch. Das hat etwas Magisches und etwas Mysteriöses zugleich. So in etwa muss auch der 1. Dezember 1744 begonnen haben. Ein Dienstag, an dem die Welt in Hochneukirch aber ganz und gar nicht in Ordnung war. Denn der kleine Ort, der damals noch Neukirchen hieß, erwachte aus einer schaurigen Nacht.

Irgendwo an einer Abzweigung der heutigen Rheydter Straße, die nach Jüchen führte, passierte ein grauenvoller Mord. "Anders als beim gespenstischen Spuk im Haus Katz handelt es sich bei diesem Mord nicht um eine Sage, sondern um etwas, das tatsächlich passiert ist", sagt Gemeindearchivar Axel Bayer. Am späten Abend des 30. November, dem Gedenktag des heiligen Andreas, soll der 30 Jahre alte Hofbesitzer Theodor von Behr dort im volltrunkenen Zustand von einem Mann namens Arnold Tonneßen aus Anhoven und vier Landstreichern zusammengeschlagen und getötet worden sein.

Die Bluttat jährt sich in einigen Tagen zum 271. Mal. Was viele nicht wissen: Bis heute erinnert ein gut 2,50 Meter hoher Gedenkstein an den qualvollen Tod Theodor von Behrs, der sogenannte Behrenstein. Der steht etwas versteckt zwischen Sträuchern im Altenpark, direkt neben dem Hochneukircher Friedhof.

Seine Oberfläche fühlt sich rau an, die Rillen sind vermoost und vorne rostet ein kleines weißes Gitter vor sich hin, das offenbar einmal eine Heiligenfigur schützen sollte. Den geheimnisvollen Stein, der keine Inschrift trägt, soll die Schwester des Ermordeten, Anna Amalia von Hartmanni (geborene Behr), zum Gedenken an die Bluttat aufgestellt haben. Denn - und das macht die gesamte Geschichte mysteriös - der Mörder Arnold Tonneßen, der bei der Tat vom Schuster Nikolaus Görgens aus Mönchengladbach beobachtet worden sein soll, war kurz vor seiner Verurteilung am 6. Dezember 1744 geflohen und untergetaucht. "Offenbar hat man ihn nie stellen können", erzählt Axel Bayer, der diese Fassung der Geschichte für die wahrscheinlichere hält.

Eine andere Version erzählt das genaue Gegenteil: Theodor von Behr soll Arnold Tonneßen an der Rheydter Straße ermordet haben. "Doch warum sollte man einem Mörder ein Denkmal setzen?", fragt Axel Bayer. Der Gemeindearchivar ist überzeugt, dass der wohlhabende Hofbesitzer damals einem Raubmord zum Opfer fiel. "Dafür spricht auch, dass Landstreicher daran beteiligt gewesen sein sollen." Von Behr sei zu dieser Zeit einer von nur zwei Hofbesitzern in Neukirchen und daher im Ort eine bedeutende Persönlichkeit gewesen.

Teile des Behrenhofes (zwischenzeitlich auch "Bärengut" genannt) an der Hochstraße existierten übrigens noch bis in die 1980er Jahre, ehe sie einigen Neubauten wichen. Später entstand dort die Textilfabrik Lindgens und Busch. Die Straße "Am Behrenhof" gibt es noch heute.

Quelle: NGZ
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