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Jüchen
Auf der Suche nach dem Aussichtspunkt

Jüchen: Auf der Suche nach dem Aussichtspunkt
Diese staunenden Besucher haben den Aussichtspunkt gefunden. Es gibt eine neue Beschilderung über die Holzer Straße zum Skywalk. FOTO: Anja Tinter
Jüchen. Zum neuen Skywalk-Aussichtspunkt über den Tagebau sind zwar zusätzliche Hinweisschilder angebracht worden. Ein Praxistest zeigt aber, dass trotzdem nicht alle die Attraktion auf dem Jüchener Gemeindegebiet auch finden. Von Kurt Lehmkuhl

Es ist sicherlich nur eine Momentaufnahme am Skywalk, dieser Stahlkonstruktion, die sich am Aussichtspunkt Jackerath in den Tagebau Garzweiler II erstreckt: "Phänomenal" findet der junge Familienvater aus Düsseldorf den Ausblick in den mehrstufig abwärtsstrebenden Tagebau. Für seine Ehefrau ist "das Loch erschreckend". "Muss die Umweltzerstörung sein?", fragt die Niederländerin und erfährt von ihrem Begleiter, dass der Strom doch irgendwoher kommen muss.

Der Aussichtspunkt Jackerath am Autobahnkreuz, der irrtümlich oft dem Stadtgebiet von Erkelenz zugeordnet wird, ist der südlichste Punkt der Gemeinde Jüchen und durchaus zu einer Touristenattraktion geworden, die bequem über die A 61/A 44 zu erreichen ist. Der Skywalk als architektonisches Aushängeschild des Aussichtspunkts, dessen Parkplatz stets gut gefüllt scheint, eröffnet einen weiten Blick auf das mächtige Abbaugebiet und lässt bei den Besuchern immer wieder Fragen über den Sinn des Tagebaugeschehensaufkommen.

Doch manch einen überkommen auf dem leicht schwankenden Aussichtspunkt auch romantische Gefühle, wie die Liebesschlösser zeigen, die am Geländer angebracht sind. Aber nicht jeder Aussichtspunkt ist von Dauer, wie an anderer Stelle am Tagebau Garzweiler auf Jüchener Gebiet zu erleben ist. Bei Hochneukirch beispielsweise wanderte der Aussichtspunkt mit den Abraumbaggern. Jetzt befindet sich der zweite Aussichtspunkt am nördlichen Rand der Grube des Tagebaus Garzweiler in Höhe von Hochneukirch. Von dort schaut man auf den Nordflügel des Tagebaus. Die besondere Attraktivität des Aussichtspunktes zieht viele auswärtige Besucher nach Hochneukirch. Nicht ohne Komplikationen, wie die Gemeindeverwaltung Jüchen erfahren hat. Das ist besonders leicht der Fall, wenn Schaulustige von einem Aussichtspunkt zum anderen fahren wollen. Da kann die Autofahrt für der Ortsunkundigen schnell zur Rundfahrt durch das Jüchener Gemeindegebiet führen.

In der Vergangenheit erreichten die Verwaltung immer wieder Hinweise, dass auswärtige Autofahrer sich bei der Suche im Ort verirrt haben und nicht mehr wussten, wie sie aus Aldenhoven, Bissen oder Bedburdyck wieder hinauskommen können. Die eine offizielle Zufahrt zum Aussichtspunkt war nur auf Umwegen über die Landstraße 277/Kreisstraße 19 in Mönchengladbach-Wanlo möglich. Aber jetzt soll alles besser werden und Irrfahrten der Vergangenheit angehören. "In Kooperation mit RWE Power und Straßen.NRW konnte nun eine ausgeschilderte Zufahrt zum Aussichtspunkt über die Landstraße 19, Holzer Straße, eingerichtet und ausgeschildert werden", berichtet Gemeindesprecher Norbert Wolf. Und er ist überzeugt: "Mit der klaren Ausschilderung werden künftig Irrfahrten in Hochneukirch vermieden, und auch die Verkehrsbelastung wird reduziert."

Darüber hinaus bestehe für Fahrradfahrer die Möglichkeit, den Wirtschaftsweg über die Talstraße zu nutzen, fügt Wolf hinzu. Vom Aussichtspunkt in Richtung Talstraße seien Durchfahrtsverbotsschilder für Kraftfahrzeuge aufgestellt worden. Eine Abfahrt vom Aussichtspunkt sei nun sowohl über die bereits bekannte Zuwegung von Wanlo als auch über die Holzer Straße möglich, berichtet der Gemeindesprecher weiter.

Doch was in der Theorie so klar erscheint, das hat zumindest dem ersten Praxistest nicht standgehalten. Ein Ehepaar aus den Niederlanden, das vom Aussichtspunkt Jackerath zum Aussichtspunkt Hochneukirch wollte, gab seine Suche irgendwann auf. Es drehte ab und fuhr wieder enttäuscht zurück in Richtung Heimat.

Quelle: NGZ
 
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