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Jüchen
Beim Abriss des Rederhofes soll Baufirma auf "alte Mauern" achten

Jüchen. Der Denkmalschutz geht davon aus, dass der heutige Hof erst Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Eine Bodenuntersuchung gab es aber nicht. Von Gundhild Tillmanns

Darf der Rederhof in Bedburdyck wirklich abgerissen werden? Sind noch Fundamente oder sonstige Bauteile aus dem Jahr 800, als der Hof erstmalig urkundlich erwähnt wurde, erhalten? Hat vor der amtlichen Abrissverfügung wegen Baufälligkeit einer Prospektion durch den Denkmalschutz stattgefunden? - Diesen und weiteren Fragen mehr gehen jetzt die Denkmalschützer des Landschaftsverbandes (LVR) sowie der Kreisverwaltung auf Anfrage unserer Redaktion nach. Wie gestern berichtet, ist mit dem Abbruch eines der ältesten Gehöfte der Region, des auf das Jahr 800 datierten Rederhofes in Bedburdyck, begonnen worden.

Der Hof gehört, wie berichtet, einer 92-Jährigen, die im Pflegeheim lebt und unter Betreuung steht. Die Besitzerin soll notariell verfügt haben, dass der Rederhof nicht vor ihrem Tode abgerissen werden darf. Auch gestern antwortete der Betreuer der Dame nicht auf die wiederholte schriftliche Anfrage unserer Redaktion. Die Gemeinde Jüchen hat gestern nach Auskunft ihres Sprechers Norbert Wolf den Denkmalschutz beim Landschaftsverband um Prüfung des Sachverhaltes gebeten. Mitgeteilt wurde der Gemeinde vom LVR: Bei Durchsicht der Planbestände und Publikation, gehe man davon aus, dass der heutige Hof substanziell zwischen 1830 und 1865 errichtet worden sei. Denn auf der sogenannten Tranchot-Karte (ab 1801) sei dort keine Hofstelle kartiert. Erst auf der Preußischen Uraufnahme (1830 bis 1865) sei eine Hofstelle verzeichnet worden. Bei den diesen Vermessungen handelt es sich laut LVR um die ersten Landesvermessungen durch Ingenieure, die zwar nicht so exakt seien, wie die heutigen Vermessungen, aber dennoch zuverlässige Quellen darstellten, ob ein Grundstück bebaut gewesen sei. Die Gebäude an der Gierather Straße 19 bis 21 seien aber erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet worden.

"Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass sich die Bezeichnung des Rederhofes tradiert hat und gegebenenfalls im 19. Jahrhundert die ursprüngliche Hofstelle abgebrochen und auf einem leicht versetzt liegenden Grundstück ein Neubau errichtet wurde. Wie aus der Publikation ersichtlich ist, wechselten die Eigentums- und Pachtverhältnisse recht häufig", schreibt der LVR auf Nachfrage übrigens auch der Kreisverwaltung. Eine Innenbesichtigung habe aber in der Regel nicht stattgefunden, räumte der LVR gegenüber der Gemeinde Jüchen ein.

Vom zuständigen Fachamt des Kreises hieß es gestern auf Nachfrage: Da die Hofanlage nicht unter Denkmalschutz stehe, seien im Vorfeld der Abriss-Verfügung auch keine Bodenuntersuchungen erfolgt. Die ausführende Firma sei aber darauf hingewiesen worden, bei auftretenden Bodenanomalien oder nicht zum Objekt gehörenden Gegenständen oder Mauern die Untere und Obere Denkmalbehörde (Gemeinde und Kreis) einzuschalten.

Quelle: NGZ
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