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Jüchen
Brandschutz-Tipps auch in 20 Sprachen

Jüchen: Brandschutz-Tipps auch in 20 Sprachen
Ingenieur Marcus Hons bei Schloss Dyck: Historische Gebäude stellen besondere Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz. FOTO: L. Berns
Jüchen. Bereits bei der Planung öffentlicher Gebäude wird Brandamtmann Marcus Hons hinzugezogen, um Rettungswege zu beurteilen und Sicherheitsmaßnahmen auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen. Von Susanne Niemöhlmann

Was haben Schloss Dyck, eine riesige Logistikhalle am Regioparkring und die Notunterkunft für Flüchtlinge gemeinsam? Sie unterliegen der Aufsicht von Marcus Hons - zumindest beim Brandschutz. Der 48-jährige Ingenieur ist seit Jahresbeginn bei der Brandschutzdienststelle des Rhein-Kreises Neuss. In dieser Funktion nahm er auch den ehemaligen Supermarkt an der Odenkirchener Straße unter die Lupe, bevor der in eine Flüchtlingsunterkunft umgewandelt wurde. Mit dem Zollstock vermaß Marcus Hons die Breite der Tür und der Mittelgänge, ordnete hier die Kennzeichnung mit fluoreszierendem Band an und legte dort den Standort der Feldbetten fest. Er hängte die Brandschutzordnung in rund 20 Sprachen auf, klärte, wie die Bewohner im Ernstfall geweckt werden. Und sorgte für den Einbau besonders abgesicherter Steckdosenleisten. "Für die Menschen sind ihre Handys sehr wichtig. Die müssen aufgeladen werden - möglichst nicht mit Verlängerungskabeln oder selbstgebauten Mehrfachsteckern, denn die sind Zündquellen", erklärt Hons, der hanebüchene Beispiele für brandgefährliche Buchsen "Marke Eigenbau" kennt.

Mehrmals in der Woche ist der Neusser in den kleineren kreisangehörigen Gemeinden unterwegs, die über keine eigene hauptamtliche Feuerwehr verfügen. Für sie übernimmt er den vorbeugenden Brandschutz. Das ist selten gefährlich. Vielmehr besteht der Arbeitsalltag des Brandamtmanns mit Büro in Grevenbroich vor allem aus Aktenstudium. Hons wird bereits während des Baugenehmigungsverfahrens für öffentliche Gebäude oder Gewerbeimmobilien hinzugezogen und um seine Stellungnahme gebeten. Sein Auftrag: nicht in erster Linie Brände verhüten, sondern die Voraussetzungen für die Selbstrettung der Menschen schaffen.

"Das ist besonders wichtig bei Versammlungsstätten wie Theatern", erklärt Hons, "je besser der vorbeugende Brandschutz war, desto weniger muss der abwehrende Brandschutz, sprich: die Feuerwehr, tätig werden." Und in der Vorbeugung hat der Brandschutz-Ingenieur einiges zu tun: Gibt es einen zweiten Ausgang? Wie lang sind die Rauchabschnitte, also die Entfernung zwischen den Brandschutztüren? Sind die Flure "brandlastfrei"? Mehrmals wöchentlich fährt er raus, um sich vor Ort ein genaues Bild von der Situation zu machen. Historische Gebäude wie Schloss Dyck sind eine besondere Herausforderung. Hier verbergen sich beispielsweise hochmoderne Brandschutztüren hinter einer eigens angefertigten, antiken Optik. Gelegentlich macht sich Hons auch ein wenig unbeliebt: Wenn er in einem Schulgebäude wiederholt einen Keil unter einer Brandschutztür entfernt. "Soll diese dauerhaft aufgehalten werden, gibt es dafür technische Lösungen, die die Tür dann im Brandfall automatisch schließen", erläutert der Beamte, der manchmal sehr bewusst Uniform trägt. Auch mit dem ästhetischen Empfinden von Architekten sind Brandschutz-Vorschriften nicht immer problemlos zu vereinbaren. "Wenn ich darauf hinweise, dass irgendwo unbedingt noch eine Tür eingeplant werden muss, trifft das nicht immer auf Gegenliebe", hat Hons erfahren. Ganz anders bei der Notunterkunft für Flüchtlinge in Jüchen. Als er hier eine rückwärtige Tür als zweiten Rettungsweg verlangte, sorgten die Handwerker des Bauhofs innerhalb weniger Tage für deren Einbau.

Quelle: NGZ
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