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Jüchen
Bundestag soll Kleiderkammer helfen

Jüchen: Bundestag soll Kleiderkammer helfen
Flüchtlinge stehen jeden Donnerstag Schlange vor der Kleiderkammer der Malteser in Jüchen. Sie benötigen nach langen Wegen zu Fuß dringend Schuhe. Aber die werden kaum gespendet. FOTO: Lothar Berns
Jüchen. Ernst Pietschner hat jetzt eine Petition an den Bundestag gestartet, um auf die Sachspendenprobleme wegen der Steuergesetze aufmerksam zu machen. FDP-Chef Lindner und das Team von Minister Gabriel haben geantwortet. Von Gundhild Tillmanns

Wegwerfen ist für deutsche Unternehmen billiger als spenden: Das bekommt die Kleiderkammer der Malteser in Jüchen schmerzlich zu spüren. Seitdem immer mehr Flüchtlinge auch nach Jüchen kommen, nimmt der Ansturm auf die Kleiderkammer entsprechend zu. Es fehlt aber vor allem an Schuhen. Wie unsere Zeitung berichtete, kommen die Flüchtlinge teilweise nur auf Strümpfen an. Es fehlt ihnen an allem. Die Malteser hatten deshalb den Notstand ausgerufen und auf die Problematik der Steuergesetzgebung aufmerksam gemacht, die ihnen quasi den Spendenzufluss abschneidet: Denn soziale Sachspenden werden mit Umsatzsteuer trotz Spendenbescheinigung immer noch mit zwei Dritteln der Umsatzsteuer belegt. Die meisten Unternehmen vernichten ihre Ware eher, weil dies für sie billiger ist, als sie zum Beispiel der Kleiderklammer in Jüchen zu spenden.

Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer für die Kleiderkammer Jüchen: "Sofort, nachdem der Artikel über uns in der NGZ gestanden hat, kam am nächsten Tag ein Lkw mit Kleiderspenden bei uns vorgefahren", freut sich Ernst Pietschner, der für die Sachspendenakquise zuständig ist. Es gebe zum Glück auch noch Unternehmen, die trotz der für sie ungünstigen Steuergesetzgebung weiter spenden. "Aber das sind Einzelfälle", bedauert der Malteser-Helfer, der nun auf eine politische Lösung und möglichst viele Unterzeichner für seine Petition hofft.

Denn die Jüchener Malteser versuchen weiterhin den "Kampf gegen Windmühlen". Sie suchen politische Fürsprecher und starten eine Petition. Pietschner hat mittlerweile NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans, NRW-CDU-Chef Armin Laschet, den FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner und die SPD-Bundestagsfraktion angeschrieben. Geantwortet hat Lindner, der "das komplizierte Steuergesetz", so seine Einschätzung, für soziale Sachspenden prüfen lassen will. Antwort gab es auch vom sogenannten Team Gabriel: Im Auftrag des SPD-Parteivorsitzenden teilt das Team dem Jüchener mit, man habe die Ausführungen mit Interesse gelesen und zur Kenntnis genommen: "Wir werden Ihre Anregungen daher in zukünftige Diskussionen einbeziehen", erhielt Pietschner "freundliche Grüße aus dem Willy-Brandt-Haus". Zu dieser Kurzantwort hat Pietschner dem Minister mitgeteilt, er werde nicht ruhen, seine Möglichkeiten der politischen Wirkung zu nutzen. Und er werde aufmerksam die Bearbeitung seiner Petition an den Deutschen Bundestag verfolgen. "Alle Parteien überschlagen sich zurzeit mit lobenden Aussagen über das Engagement von ehrenamtlichen Helfern. Wichtiger wären mir aber hauptamtliche Politiker, die uns beim Helfen helfen", fordert der Malteser-Mitarbeiter von der Bundesregierung.

Zu Pietschners Bittbriefen an Unternehmen der Region gehörte auch ein Schreiben an die Firma Zalando, die ein Auslieferungszentrum - hauptsächliche für Schuhe - nur wenige Kilometer von der Kleiderkammer Jüchen entfernt, in Mönchengladbach, betreibt. Schuhspenden werde es zwar nicht geben, bedauert Pietschner. Es sei die Rede davon gewesen, dass Zalando seine B- und C-Ausschussware an eine Verwertungsgesellschaft weiterleite. Allerdings sei avisiert worden, die Malteser-Kleiderkammer in Jüchen möglicherweise im Rahmen des sogenannten CSR-Projektes (Corporate Social Responsibility) zu unterstützen. Wie eine solche Unterstützung aussehen könne, sei nicht geklärt. Auch bei Zalando konnte dies auf Anfrage unserer Redaktion noch nicht konkretisiert werden.

Quelle: NGZ
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