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Jüchen
Das Ausmaß des Holocausts begreifen

Jüchen: Das Ausmaß des Holocausts begreifen
Nach dem Besuch in Auschwitz hatten die Schüler viele Eindrücke zu verarbeiten. In Essays und Statements schrieben sie ihre Gedanken zum Thema und zur Entstehung von Fremdenhass nieder. FOTO: Lothar Berns
Jüchen. 20 Schüler des Gymnasiums Jüchen haben in einer fünftägigen Gedenkstättenfahrt das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz besucht. Über ihr intensives Erlebnis berichteten sie gestern Abend in einer Lesung in der Schule. Von Elena Burbach

Kein anderer Ort wird mit dem Holocaust so in Verbindung gebracht wie das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. 20 Schüler des Gymnasiums Jüchen haben die damalige Vernichtungsstätte in Oswiecim in Polen besucht und sind mit neuen Erkenntnissen zurückgekehrt. Am Dienstag trugen die Gymnasiasten ihre Eindrücke in einer Infoveranstaltung vor.

Seit nun fünf Jahren bietet das Gymnasium die sogenannte "Gedenkstättenfahrt" nach Polen an. "Seitdem wurde sie immer mehr nachgefragt", sagt Thomas König, der die Fahrt nun zum dritten Mal begleitet hat. Dabei stehe der Ausflug nicht in einem direkten Zusammenhang mit dem Fach Geschichte, vielmehr sei der Holocaust ein Thema von allgemeiner Wichtigkeit, deswegen solle den Schülern leistungsübergreifend die Teilnahme angeboten werden.

Die 20 zufällig ausgewählten Schüler aus der Jahrgangsstufe "Q1" waren in Begleitung von König und dessen Kollegin Dorothee Carlsohn-Thönneßen nach Polen aufgebrochen. Nach einer 13-stündigen Fahrt ging es für die Schüler dann direkt mit der Besichtigung der letzten noch bestehenden Synagoge in Auschwitz los, erklärt Simon Schulte.

Während die Synagoge noch wie ein Museum aufgebaut ist, hatte das Stammlager, durch das die Schüler eine zweistündige Führung erhielten, weitaus mehr Einfluss auf die Gruppe. "Ich glaube, am meisten hat uns alle erschrocken, wie die Morde stattfanden", meint Moritz Bleck. "Wir wussten alle bereits von den Vergasungskammern, aber dass die Morde auch noch grausamer vollzogen wurden, war uns neu."

Auch die Ausstellung des Überlebenden Marian Kolodziej habe die Schüler sehr berührt, berichten sie. "Wir hatten gar keine Erwartung an die Ausstellung", erzählt Christoph Winter, doch die Zeichnungen mit denen der ehemalige Häftling seine Eindrücke festhielt, habe letztlich alle sehr beeindruckt.

Nicht nur körperlich sei die fünftägige Fahrt für die Schüler sehr anstrengend gewesen, sagt König, auch mental sei sie nicht leicht gewesen. Obwohl die Schüler in einer zusätzlichen Unterrichtsreihe bereits fünf Wochen vorher auf das Thema vorbereitet wurden, hatte der Besuch letztlich eine stärkere Wirkung auf die Gymnasiasten. An den Abenden fand deswegen in der Jugendherberge "Zentrum für Dialog und Gebet" ein Austausch über das Erlebte statt. Ergänzend wurden außerdem zwei Dokumentationen gezeigt.

Höhepunkt der Fahrt sei am dritten Tag die Besichtigung des Konzentrationslagers Auschwitz Birkenau gewesen. Das Vernichtungslager habe bei allen mental etwas verändert, sagt Lukas Höll. "Als ich auf dem Wachturm in Auschwitz stand und mich umgesehen habe, ist mir bewusst geworden, wie groß das Lager wirklich war", berichtet er In dem Moment habe er das Ausmaß des Holocausts begriffen.

Die Erlebnisse und Gedanken zu der Fahrt nach Auschwitz haben die Schüler in Essays festgehalten. "Viele konnten sich nicht vorstellen, dass sich Geschichte wiederholt", sagt Lehrer Thomas König. Dabei sei das Ziel der Lehrer gewesen, dass die Schüler eine Konsequenz für die Gegenwart aus dem Ausflug ziehen. Am Dienstag Abend wurden deswegen die Essays sowie Statements zu den Ursprüngen von Fremdenhass, im Rahmen der Infoveranstaltung "Womit beginnt Auschwitz?", vorgetragen. Mit einer Moderation der Schüler sowie einer Powerpointpräsentation wurden die Erlebnisse untermalt.

Quelle: NGZ
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