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Jüchen
Das sind die schönsten Schätze im Gemeindearchiv

Jüchen: Das sind die schönsten Schätze im Gemeindearchiv
Einer der Schätze aus dem Gemeindearchiv. FOTO: Berns Lothar
Jüchen. Auf rund 700 Regalmetern lager im Gemeindearchiv Jüchen Akten, Fotos und Bücher. Die ältesten Dokumente stammen aus der Zeit um 1800. Ein Besuch. Von Christian Kandzorra

Inmitten eines feinsäuberlich in Handschrift geschriebenen Textes prangt die Schlagzeile eines Zeitungsartikels von 1963: "Präsident Kennedy ermordet" lautet der Titel; auf der nächsten Seite ist ein Schwarz-Weiß-Foto des amerikanischen Präsidenten eingeklebt, der wenige Monate zuvor mit seinem legendären Satz "Ich bin ein Berliner" die Herzen der Deutschen in Ost und West erobert hat. Der Eintrag in der Aldenhovener Schulchronik belegt: Der Mordanschlag war damals großes Gesprächsthema in dem kleinen Dorf, das 1963 noch zur Gemeinde Bedburdyck gehörte.

Die Schulchronik zählt zu den interessantesten Schätzen, die im Gemeindearchiv Jüchen lagern. Rund 700 Regalmeter Akten, rund 800 Fotos und Bücher dokumentieren die Geschichte der Orte, die zur heutigen Gemeinde Jüchen zählen - das Archiv ist so etwas wie das Gedächtnis der Gemeinde.

Einen Überblick über all diese Dokumente hat Gemeindearchivar Axel Bayer: Der 53-Jährige arbeitet seit 15 Jahren in Jüchen und weiß, welche Schätze in den Regalen an der Steinstraße 9 schlummern. Die Schulchronik, die damals Lehrer der katholischen Volksschule Aldenhoven führten, ist nur eine von insgesamt 41 aus verschiedenen Orten, die Besucher des Archivs einsehen können. "Die Schulen waren bis 1968 dazu verpflichtet, solche Chroniken zu führen und darin auch das Dorfgeschehen zu dokumentieren", erklärt Bayer, der in Köln Geschichte studiert und dort auch promoviert hat. Die Schulchroniken seien heute vor allem bei Heimatforschern beliebt, weil sie oft sehr genau beschreiben, was die Menschen in den einzelnen Orten beschäftigte und schnell einen guten Überblick geben.

Die Chronik aus Aldenhoven zählt zu den jüngeren Archivalien. "Die ältesten Akten, die hier lagern, stammen aus der Zeit um 1800", erzählt Axel Bayer. Dies sei auf die Eroberung des Rheinlandes durch die Franzosen 1794 zurückzuführen, die die fünf Vorgänger-Bürgermeistereien der heutigen Gemeinde Jüchen (Jüchen, Hochneukirch, Garz-weiler, Bedburdyck und Kelzenberg) ins Leben gerufen hatten, die bei der Kommunalen Neugliederung 1975 in der heutigen Gemeinde Jüchen aufgingen. Aus allen Altgemeinden sind bis heute Unterlagen erhalten, nur wenige allerdings aus Bedburdyck. "Im Bedburdycker Rathaus ist in der Nacht zum 1. Mai 1953 ein Brand ausgebrochen, bei dem große Teile der Akten verloren gingen", erzählt der Gemeindearchivar, zu dessen Hauptaufgaben es auch zählt, nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen zu entscheiden, welche Akten einen Überlieferungswert haben und welche vernichtet werden können.

Zu den Schriftstücken, die ewig aufbewahrt werden, zählen Ratsprotokolle. Für die Nachwelt eher uninteressante Dokumente wie Urlaubslisten der Rathaus-Mitarbeiter hingegen würden nach der Aufbewahrungsfrist von zwei Jahren vernichtet. "Die Archivierungsquote liegt bei etwa einem bis zwei Prozent", sagt Bayer. Ein weiteres interessantes Archivstück: das sogenannte Eiserne Buch der früheren Gemeinde Jüchen, das zu Zeiten des Ersten Weltkriegs vom pensionierten Schulrektor Heinrich-Josef Thoma geführt wurde. "Dort wird detailliert über den Ausbruch des Krieges berichtet und darüber, wie die Gemeinde zu dieser Zeit verwaltet wurde. Außerdem sind darin die Soldaten aufgeführt, die in den Kriegsjahren ums Leben kamen."

Interessant: Das Archiv unterstützt nicht nur Autoren und Schüler bei der Recherche für ihre Projekte, indem es ihnen Unterlagen bereitstellt, sondern schafft auch Rechtssicherheit. "Es gab mal einen Fall, bei dem geklärt werden musste, wer die Kosten für einen Gehweg in Gierath tragen musste. Mit Hilfe alter Akten konnte das genau geklärt werden", erzählt Axel Bayer. Dessen Kollegin Christiane Skirde kümmert sich im Archiv um die sogenannte Erschließung der Akten und sorgt damit dafür, dass alle Archivalien zu bestimmten Themen leicht gefunden werden können.

Quelle: NGZ
 
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