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Jüchen
Den Schloss-Geheimnissen auf der Spur

Jüchen: Den Schloss-Geheimnissen auf der Spur
Krisztina Schön fotografiert die Schlossparkidylle von einer gewagten, der Öffentlichkeit sonst nicht zugängigen, Position am Wasser aus. FOTO: gundhild Tillmanns
Jüchen. Einen geschenkten Tag auf Schloss Dyck hatten Klaus und Krisztina Schön aus Kaarst-Büttgen bei der NGZ-Aktion gewonnen. Bei strahlendem Spätsommerwetter lösten sie ihren Gewinn jetzt ein. Sie wurden zu sonst verborgenen Orten im Schloss geführt und erfuhren die "Geheimnisse".

Mit dem Rennrad umrundet Klaus Schön aus Kaarst das imposante Schloss Dyck mit seinem Landschaftspark regelmäßig. Gerne besucht er auch mit Ehefrau Krisztina dort die Classic Days: Doch so wie an dem "geschenkten Tag", als Gewinner der NGZ-Aktion, haben die Schöns das Schloss und seine der Öffentlichkeit normalerweise verborgenen Geheimnisse und Besonderheiten noch nie erlebt.

Der sonnige Spätsommertag begann für die Beiden mit einem Menue auf der Terrasse des Park-Restaurants. Der Küchenchef zauberte für die Gewinner ein Dessert, das nicht auf der Karte steht: selbst gemachtes Eis von Kürbissen, die auf dem Dycker Feld wachsen. Schloss-Stiftungsvorsitzender Jens Spanjer führte Klaus und Krisztina Schön anschließend nicht nur auf den Schloss-Speicher, in die ehemalige Privatkapelle mit Fürstenloge, in den nur von außen am Burggraben entlang schwer zugängigen ehemaligen Eiskeller. Er stieg mit den Gewinnern auch zur Turmuhr mit ihrem historischen Uhrwerk auf. Und immer wieder gab es überaus interessierte Nachfragen zu beantworten. Besonderheit auch für die Gewinner des geschenkten Tages: Sie durften ausnahmsweise überall im Schloss fotografieren, was normalerweise nicht erlaubt ist.

Klaus und Krisztina Schön erkunden den restaurierten Dachstuhl des Schlosses. FOTO: Anja Tinter

Neuigkeiten erfuhren die Besucher von Spanjer über die Schloss-Gastronomie vor der Baustelle für das neue Restaurant mit Hotel in den ehemaligen Kutschenremisen und der vormaligen Reitbahn in der ersten Vorburg. Im Frühjahr 2017 rechnet Spanjer mit der Fertigstellung des 18-Betten-Hotels mit Restaurant. Der Küchenchef des Gartenrestaurants zieht dann mit seinem Team dorthin um. Der Nutzgarten auf dem Dycker Feld soll noch erweitert werden, damit es auch im neuen Restaurant künftig noch mehr Kreationen aus der eigenen Produktion, wie das Kürbiseis, geben wird. Restaurant und Hotel, die sich laut Spanjer auch für die vielen Hochzeiten auf Schloss Dyck anbieten, sollen dazu beitragen, dass sich Schloss Dyck wirtschaftlich selbst trägt: "Wir werden voraussichtlich in diesem Jahr zum ersten Mal mehr als 250.000 Besucher haben", prognostiziert Spanjer.

Es gibt allerdings auch Orte im Schloss, die verschlossen bleiben: Vier Gefängniszellen lassen sich nur noch an kleinen Schächten an der Außenmauer erkennen. Und auch der ehemalige Dienstbotentrakt sei nicht mehr zugängig, bedauert Spanjer: "Da hat man irgendwann mal die Treppe zugemauert." Während die Familie Spanjer mittlerweile die einzigen dauerhaften Bewohner auf Schloss Dyck sind - früher hatte auch der Hausmeister dort ein Domizil - hat aber die Adelsfamilie, der das Schloss einst gehörte, ein Dauerwohnrecht auf einer Etage. Auch die bleibt der Öffentlichkeit verschlossen.

Eiscreme aus Kürbissen aus dem schlosseigenen Garten kreierte der Küchenchef eigens für die Schöns. Ein seltener Ausblick von einem Speicherfenster auf die zweite Vorburg. Eiscreme aus Kürbissen aus dem schlosseigenen Garten kreierte der Küchenchef eigens für die Schöns. Ein seltener Ausblick von einem Speicherfenster auf die zweite Vorburg. FOTO: Tinter Anja

Umso spannender waren die Ein- und Ausblicke für die Gewinner beispielsweise vom Schlossspeicher, der sonst bei Führungen verschlossen bleibt. Die schweren Holzbalken sind laut Spanjer als Letztes bei der jahrelangen Gesamtsanierung des Schlosses an die Reihe gekommen. Stück für Stück mussten die verfaulten Holzteile durch neue ersetzt werden: Das forderte der Denkmalschutz. Auf dem Speicher des Hauptschlosses hängt auch die angerostete Haltevorrichtung für den schweren Kronleuchter. Der konnte vom Dachstuhl aus an schweren Metallketten, je nach festlichem Anlass, gehoben oder gesenkt werden.

Die Schöns staunten auch darüber, wie viel Stahl bei der Restaurierung der Schlossmauern und des Burggrabens zur Verankerung verwendet werden musste. Kaum vorstellbar auch die Erinnerung des Stiftungsvorsitzenden: "Wir haben zehn Jahre lang mit dem Denkmalschutz über die Farbe für die Fassade des Schlosses diskutiert. Wir wollten ein helleres Gelb, die Denkmalschützer ein dunkleres", erzählt Spanjer. Wie heute unschwer erkennbar, hat sich die "Partei" mit dem helleren Gelb durchgesetzt.

Hinter dem ansonsten verschlossenen Eisengitter geht es entlang des Burggrabens in den ehemaligen Eiskeller des Schlosses. FOTO: gt

"Ist denn das alte Mobiliar aus dem Schloss noch erhalten geblieben?", wollte Klaus Schön wissen. Das Meiste sei versteigert worden, antwortete Spanjer. "Federn gelassen" haben auch die einst repräsentative Bibliothek und Kunstsammlung der ehemaligen Schlossherren. Der Schloss-Archivar versucht seit einiger Zeit, die in alle Welt verstreuten Bücher zurückzuholen. Dass während des Zweiten Weltkrieges ein Großteil der Kunstschätze aus den Kölner Museen auf Schloss Dyck in Sicherheit gebracht worden ist, erstaunte die Besucher zu hören. Neu war für sie auch die Information, dass während des Krieges das Dycker Feld kurzzeitig als Flugplatz genutzt wurde.

Aber nicht nur für die Historie von Schloss Dyck interessierten sich Krisztina und Klaus Schön: "Wie viele feste Mitarbeiter gibt es hier?", fragten sie beispielsweise. Tatsächlich sei die Zahl der fest Angestellten mittlerweile auf 50 Personen angewachsen, informierte Spanjer. Er verhehlte nicht, dass sich "der Betrieb Schloss Dyck" bislang nur "äußerst knapp" selbst durch die Veranstaltungen, die das ganze Jahr über laufen, wirtschaftlich trage. Denn die Zeiten der großen Zuschüsse seien passé. "Wir müssen deshalb unsere Einnahmen erhöhen", sagte er auch mit Blick auf das Hotelprojekt.

Dem Park als einem ganz wichtigen Teil des "Gesamtkunstwerkes Schloss Dyck" widmeten sich die Gewinner des "geschenkten Tages" natürlich auch hinlänglich bei sonnig-lichtem Fotografierwetter. Neu war ihnen auch, dass Jens Spanjer selbst zunächst Landschaftsarchitekt war, bevor er nach Schloss Dyck kam. Mit Parkleiter Berthold Holzhöfer spreche er deshalb auch sehr viele Gestaltungsprojekte im Park ab, sagte Spanjer. Vorher habe er bei seinen Landschaftsgestaltungen immer nur das Resultat gesehen: "Seitdem ich auf Schloss Dyck bin, habe ich die optimale Möglichkeit, auch zu sehen, wie Landschaftsarchitektur funktioniert und von den Menschen angenommen wird."

Quelle: NGZ
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