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Jüchen
"Die Gesamtschule war wie ein Tsunami"

Nach anfänglicher Aufregung wurde bei einem Workshop ein Kompromiss mit den Eltern gefunden.

"Wir haben in Jüchen sehr kritische Eltern, aber das sehe ich positiv. Es zeigt, dass sich die Eltern noch um ihre Kinder kümmern und wollen, dass sie lernen", sagt Gesamtschulleiterin Susanne Schumacher. So habe sie auch die Kritik an den Lernbüros aufgenommen, für die schließlich nach dem Workshop mit Schulamtsleiterin Carola Schellhorn ein Kompromiss gefunden worden sei. "Jetzt ist auch weitgehend Ruhe eingekehrt. Aber anfangs war alles wie eine Revolution für uns. Die Einführung der Gesamtschule war in Jüchen wie ein Tsunami", verdeutlicht die Leiterin bildlich den damaligen Trubel.

Schließlich habe sie die Ängste der Eltern auch verstehen können. Denn im traditionellen Schulsystem hätten die Eltern den Eindruck gehabt, das von ihren Kindern in der Schule Erlernte kontrollieren zu können. Das sei zwar schon damals nur bedingt möglich gewesen, aber jetzt müssten die Eltern tatsächlich der Schule vertrauen, dass ihre Kinder dort gut ausgebildet werden. Das erfordere eben Umdenken und Vertrauen.

Bei den Kindern stellten die Lehrer aber bereits ganz andere Lernerfolge fest, weil sie durch das feste Gefüge der Bausteine tatsächlich weitaus mehr kontrolliert lernten als manche vielleicht zuvor. Im Lernbüro habe der Lehrer außerdem die Möglichkeit und die Zeit, die Kinder individuell zu fördern oder zu fordern. Schüler, die im Klassenverband eher untergehen oder abtauchen, weil sie etwas nicht verstehen, können im Lernbüro sofort Erläuterungen vom Lehrer oder auch von älteren Mitschülern abrufen, wie Schumacher schildert. "Und wenn die Lehrer merken, dass ein Kind schon weiter ist, dann kann er ihm noch weitergehendere, speziellere Aufgaben vorlegen, um das Kind individuell noch mehr zu fördern", erläutert die Gesamtschulleiterin das Konzept.

Insgesamt machten die Lernbüros die Heranwachsenden einfach fitter für die Zukunft, sind sich Schumacher und Abteilungsleiter Daniel Krohne einig. Während andere Gesamtschulen zum Beispiel erst nach der siebten Klasse mit den Lernbüros starteten, sei es aber besonders wichtig für die Entwicklung der Kinder, diese so früh wie möglich anzubieten, sagt Schumacher.

Denn sie weiß, dass Kinder bis zum zwölften Lebensjahr noch besonders leicht lernen, und dass möglichst vor Einsetzen der Pubertät geschaffene Grundlagen dann in der weiteren Schullaufbahn zumeist noch vorhalten.

(gt)
 
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