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Jüchen
Die Rattenfänger der Gemeinde

Jüchen. 86 Mal mussten im vergangenen Jahr die Kammerjäger in der Gemeinde Jüchen ausrücken, weil Bürger Rattenbefall gemeldet hatten. Einmal wöchentlich ist ein Schädlingsbekämpfer im Gemeindegebiet unterwegs. Das kostet die Gemeinde rund 2500 Euro jährlich. Von Nadine Fischer

Neulich saß Margret Granderath mit ihrem Enkel in der Küche. Plötzlich starrte der Junge aus dem Fenster in den Garten und rief: "Guck mal Oma, ist das ein Eichhörnchen?" Es war keins. Was der Enkel draußen im Beet hocken sah, war eine Ratte. "Ein richtig fettes Biest, das lief dann über den Zaun", sagt Margret Granderath. "Wenn ich daran denke, wird mir immer noch ganz komisch ", ergänzt die 79-Jährige. Sie meldete sich bei der Gemeinde, und die schickte ihr den Schädlingsbekämpfer Volker Guske nach Hochneukirch. Mit ihm steht Margret Granderath jetzt morgens um 8.15 Uhr im Garten. Von Nagern ist weit und breit nichts zu sehen.

Typhus und Gelbsucht

"Einmal pro Woche fahren wir in der Regel für die Gemeinde raus", erzählt Volker Guske. Sie hat mit der Firma Leeser und Will aus Mönchengladbach, deren Geschäftsführer Guske ist, einen Vertrag. Bürger, die auf ihren Grundstücken Ratten entdecken, können sich bei der Gemeinde melden. Die sendet dann nicht nur Volker Guske oder einen seiner Kollegen aus, sondern übernimmt auch die Kosten für die Schädlingsbekämpfung. 2009 erteilte die Gemeinde 86 Aufträge, 2010 waren es bis jetzt 27. Pro Jahr zahlt sie 2000 bis 2500 Euro an Leeser und Will. Unter anderem, weil durch Urin und Kot der Ratten Krankheiten wie Typhus und Gelbsucht übertragen werden können, schaltet sich die Gemeinde bei der Nagerbekämpfung ein.

"Ich ekel mich vor Ratten", sagt Margret Randerath. Schaudernd stellt sie sich vor, dass eins der Tiere durch die offene Terrassentür in ihre Küche rennen könnte. Insgesamt zwei Nager hat sie in ihrem Garten gesehen, "Ich hatte da einen Meisenknödel am Strauch hängen, davon haben die gefressen." Für Volker Guske ist das "ein klassischer Fall". "Die Leute hängen Meisenknödel so auf, dass Ratten dorthin klettern können. Das ist für sie Nahrung für einen Tag", sagt er. "Wenn sie einmal etwas zu Fressen gefunden haben, kommen sie immer wieder." Guske rät Margret Granderath, alle Knödel abzuhängen und auch die Körner aus dem Vogelhäuschen zu nehmen. "Das mache ich sofort", meint die Seniorin.

Dorthin, wo die Ratten zum ersten Mal auftauchten, stellt der Schädlingsbekämpfer eine schwarze Kunststoffbox mit zwei Löchern an den Seiten. "Vorsicht Rattengift" steht darauf. "Da drin sind Blutgerinnungshemmer", erklärt Guske. "Sie bewirken, dass die Ratten innerlich verbluten."

Keine Lebend-Fallen

Lebend-Fallen benutzt er nicht: "Dann setzt man die Ratte irgendwo aus, und später kommt sie doch wieder". Zwei bis drei Wochen soll Granderath die Giftbox stehen lassen und abwarten. Bleiben die Nager fern, kann sie den Kasten zwei bis drei Monate lagern und wenn nötig wieder rausstellen. Guske: "Wenn das nichts bringt, rufen Sie eben nochmal bei der Gemeinde an." Dann macht er sich zu den anderen drei Kunden in Jüchen auf.

Quelle: RP
 
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