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Jüchen
Ein Ehrenamtler, der niemals Nein sagte

Jüchen. 33 Jahre lang hat der heute 72-Jährige die Pfarrei St. Georg und den Friedhof ehrenamtlich begleitet.

Der 72-jährige Andreas Tillmann gehört zu den Menschen, die das Ehrenamt anziehen, wie die Motten das Licht: "Ich habe einen Sprachfehler. Ich kann nicht Nein sagen", gibt er zu. Nein gesagt hat er nun nach 33 Jahren als ehrenamtlicher Rendant der Pfarrgemeinde St. Georg in Neuenhoven zwar nicht. Aber Abschied hat er genommen, um der jüngeren Rendantin Gabi Netzer die Aufgabe zu überlassen. Gänzlich ruhig wird es der Aktivrentner und ehemalige Polizeihauptkommissar aber nicht angehen. Der CDU-Mann ist Ratsherr und Vorsitzender des Rechts- und Sozialausschusses sowie Mitglied im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss sowie im Umwelt- und Verkehrsauschuss.

Als Rendant konnte Tillmann viel bewegen: "Das Schönste, aber auch mit dem meisten Stress Verbundene, war in der Zeit die Renovierung der Kirche", blickt er zurück. Denn er musste nicht nur alle Bauarbeiten koordinieren und damals immerhin ein Volumen von einer halben Million D-Mark verwalten. Um den Bau auch zu beaufsichtigen, fuhr er so manches Mal abends noch von Münster, wo er zu der Zeit eine berufliche Weiterbildung absolvierte, eigens zur Baustelle nach Neuenhoven. Und das mit der Fortbildung klappte auch -"mit guten Noten", wie Tillmann verrät, der bei der Polizei in Grevenbroich, Neuss, Kaarst und in Korschenbroich in leitenden Funktionen tätig war.

Ein besonderes Herzensanliegen war und ist dem gebürtigen Schlicher aber das kleine Kapellchen mitten in dem 250-Seelen-Dörfchen. Auch das wurde in seiner Zeit als Gemeinderendant renoviert, vor allem aber bekam es ein automatisches Geläut: "Früher hatten zwei Frauen aus dem Dorf jeden Tag geläutet. Als die Frauen gestorben waren, gab es fünf Jahre lang kein Geläut mehr", berichtet Tillmann. Also wurde der sogenannte Mai-Club gegründet, der sich nun um die Pflege des Kapellchens kümmerte. Derweil war dem Mann, der nicht Nein sagen kann, auch noch die ehrenamtliche Verwaltung des Friedhofes der Pfarrgemeinde zugewachsen. "Wenn wir den Friedhof der Zivilgemeinde Jüchen überlassen hätten, dann wäre er aufgegeben worden", sagt er. So übernahm er auch die Friedhofsverwaltung, die er jetzt auch weitergibt. Sein Nachfolger ist Thomas Bernreuther. An eine besonders schöne Zeit erinnert sich Andreas Tillmann, als er von 1990 bis 1996 Dorfpräsident war und das Heimatfest modernisiert habe: "An den Samstagabenden war das Zelt immer rappelvoll", erzählt er und gibt zu: "Das Präsidentenamt war das Schönste, da gab es auch schon mal Applaus." Doch sämtliche Ehrenämter, inklusive der Anfänge im Kindergarten und in den Schulen, seien ihm nur durch das Verständnis seiner Ehefrau Bärbel möglich gewesen, betont Tillmann.

(gt)
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