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Jüchen
Eine neue Heimat für Schwerstkranke

Jüchen: Eine neue Heimat für Schwerstkranke
In diesem umgebauten Haus Am Zollbrett 1 in Wallrath zieht die neue Intensivpflege ein. Acht Patienten können sich einmieten und werden rund um die Uhr gepflegt. FOTO: L. berns
Jüchen. Die Intensivpflege in Wallrath stellte sich gestern den Dorfbewohnern mit einem Abend der offenen Tür vor. In der ehemaligen, umgebauten Schule können acht Pflegebedürftige jeden Alters einziehen. Die Intensivpflege ist kein Heim. Von Gundhild Tillmanns

Neue Nachbarn bekommen die etwa 200 Bewohner von Wallrath - und die stellten sich ihnen gestern mit einer Einladung in das umgebaute Haus Am Zollbrett 1 vor. Dort soll eine Wohngemeinschaft der Peltzer-Intensivpflege einziehen, die solche WGs bereits in anderen Städten betreibt. Acht Zimmer für Patienten stehen nun in Wallrath bereit. Gesucht werden noch ausgebildete Pflegefachkräfte für die Betreuung der Bewohner.

"Die Intensivpflege ist aber kein Heim. Die Bewohner sind Mieter", verdeutlichten Monika und Stefanie Peltzer sowie Guido Faßbender. Die drei Inhaber leiten ein 80-köpfiges Pflegeteam an den Standorten Viersen, Schwalmtal, Würselen und demnächst auch in Wallrath. 16 Patienten sind bislang in ihre WGs eingezogen, wenn die acht Bewohner in Jüchen hinzugekommen sind, wollen sie aber nicht weiter expandieren: "Wir wollen uns auf die Qualität der Pflege konzentrieren", sagt Faßbender.

Eines der Patientenzimmer zeigen Stefanie (v.l.) und Monika Peltzer sowie Guido Faßbender. FOTO: Berns Lothar

Denn Intensivpflege habe nicht nur rein gar nichts mit einem Altenheim zu tun, sie benötige auch einen ganz anderen Personalaufwand und spreche alle Altersgruppen an. Die jüngste Patientin sei eine 18-Jährige gewesen, derzeit seien die WG-Bewohner zwischen 25 und 90 Jahren. Menschen, die zum Beispiel einen schweren Verkehrsunfall oder eine Hirnblutung erlitten haben, können in der Intensivpflege unter vergleichbaren Bedingungen wie auf einer Intensivstation gepflegt und nach Möglichkeit wieder fit gemacht werden, autonom zu leben, beschreibt Faßbender das Ziel. Bei einem 45-jährigen komplett Gelähmten, der auch nicht mehr sprechen konnte, sei es sogar gelungen, den Mann so weit zu bringen, dass er wieder in seinen Beruf zurückkehren möchte. Wieder andere fänden in der WG ein neues Zuhause auf Dauer, weshalb sie auch alle als Neubürger beim Einwohnermeldeamt in Jüchen registriert werden sollen.

Das Haus, in das die Neu-Wallrather einziehen sollen, hat eine spannende Geschichte hinter sich. In den 1950er Jahren war es die Volksschule im Dorf. Nach deren Schließung hatte das Haus eine Reihe von Besitzern. Einer siedelte sogar eine echte Almhütte aus Italien mit Inhalt in das Anwesen um. Die Hütte ist geblieben und kann den künftigen Bewohnern und ihren Besuchern als zusätzliches Wohnzimmer dienen. Nicht geblieben ist das nachträglich eingebaute Schwimmbad in der ehemaligen Schule. Stattdessen wurden die acht Wohnräume mit jeweils einem großen barrierefreien Bad geschaffen. 600 Euro Kaltmiete müssen die Mieter aufbringen, Küche und Aufenthaltsräume stehen allen zur Verfügung. Die 1:1-Intensivpflege mit insgesamt sieben ausgebildeten Fachkräften, die sich in Tag-, Spät- und Nachtschicht abwechseln, wird laut Faßbender von den Krankenkassen finanziert. Das hellgelb angestrichene Haus am Ortseingang von Wallrath soll nun Verunglückten oder Schwersterkrankten eine neue Heimat und Lebensqualität geben.

Die Räume der Intensivpflege sind hell und einladend gestaltet worden. FOTO: Berns Lothar
Quelle: NGZ
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