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Jüchen
Eltern von Gesamtschule überzeugen

Jüchen: Eltern von Gesamtschule überzeugen
Sport könnte in der neuen Gesamtschule Jüchen sogar Abiturfach werden. Einen hohen Stellenwert nimmt das Fach, wie hier beim Fußballtraining mit Sportlehrer Henning Belnkle bereits ein. FOTO: salz
Jüchen. Bei Tagen der offenen Tür wird über das Konzept informiert. Sport könnte auch als Abiturfach angeboten werden. Von Susanne Niemöhlmann

Wie "verkauft" man etwas, das es so noch gar nicht gibt? Vor diesem Problem steht derzeit die Sekundarschule Jüchen, die mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 gerne Gesamtschule würde. Voraussetzung für die Umwandlung ist, dass die Schule Anfang des neuen Jahres mindestens 100 Anmeldungen aus dem Jüchener Gemeindegebiet erhält. Und darum müssen künftige Schüler und deren Eltern wissen, worauf sie sich einlassen.

Deshalb präsentiert die Schule an den Tagen der offenen Tür nicht nur die Gebäude an beiden Standorten, gibt Einblick in die Werkstätten und ermöglicht die Teilnahme am Probeunterricht, sondern stellt vor allem das Konzept für den Gesamtschulbetrieb vor. Dessen Entwurf steht, ist aber noch längst nicht in Stein gemeißelt, wie die stellvertretende Schulleiterin Susanne Schumacher bestätigt.

"Im Anschluss an das Anmeldeverfahren möchten wir die Eltern in die Konzeptarbeit mit einbeziehen. Das bietet eine große Chance, sich dort einzubringen," sagt sie. Im Sommer müsse die Schulkonferenz dem Planentwurf dann zustimmen, bevor die Gesamtschule an den Start gehen könne.

Kern des Schulkonzepts ist ein Haus-Modell, das bereits an anderen Gesamtschulen erfolgreich umgesetzt worden ist. "Aufgrund der beiden Standorte in Jüchen und Hochneukirch ist sogar eine räumliche Trennung möglich", sagt Schulleiter Georg Broens. So sollen die Klassen fünf bis sieben im sogenannten "Haus der Kinder" im Schulgebäude an der Mühlenstraße in Hochneukirch untergebracht werden. Dort soll es vor allem darum gehen, die Mädchen und Jungen ans selbstständige Lernen heranzuführen und ein soziales Miteinander einzuüben. Bei der Wissensvermittlung setzen die Lehrer auf die sogenannte innere Differenzierung: "Die Kinder bearbeiten nicht alle zur gleichen Zeit die gleichen Aufgaben. Vielmehr wird in Basiswissen und Expertenwissen unterschieden, um sie dort abzuholen, wo sie stehen. Zwischendurch gibt es einen gemeinsamen Halt, wenn etwa in ein Thema eingeführt wird," erklärt die Schulleiterin. Das wirke sich auch auf die Rolle des Lehrers aus, der mehr zum Lern-Begleiter werde.

"In Klasse acht sollten die Jugendlichen die Arbeitsweise verstanden haben. Dann wird beim fachbezogenen Lernstoff deutlich angezogen", sagt Schumacher zur Zielsetzung im "Haus der Jugend" mit den Jahrgängen acht bis zehn. Dieses Haus soll im Schulgebäude an der Stadionstraße in Jüchen ebenso wie das "Haus der jungen Erwachsenen" eingerichtet werden. Dort wird von den Schülern der Jahrgänge elf bis 13 erwartet, dass sie eigenständig lernen und Verantwortung übernehmen. Bislang konzentriert sich das Konzept noch weitgehend auf die Unter- und die Mittelstufe, da ja "noch etwas Zeit vergeht, bis wir eine Oberstufe bilden", meint Schumacher. Eine Arbeitsgruppe, die sich aus Lehrkräften mit Gymnasial- beziehungsweise Gesamtschule-Erfahrung zusammensetzt, favorisiert die Profil-Bildung in der Oberstufe: Dabei werden beispielsweise ein Leistungs- und ein Grundkursus kombiniert, etwa Physik und Erdkunde zum Profil "Welt und All", oder ein Mathematik-Leistungskursus mit Grundkursen in Sport und Sozialwissenschaften zum Profil "Zahlen in Bewegung".

Schumacher erläutert dies so: "Das hat den Vorteil, dass die Schüler viel Zeit in einer Gruppe verbringen, also Kontinuität gegeben ist, um eigenständig zu arbeiten und viele Projekte zu verwirklichen." Diese geplante Art von Profil-Bildung werde auch an Gesamtschulen selten angeboten, "da es schwierig zu organisieren ist", gibt Schumacher zu, die jedoch von den Vorzügen überzeugt ist.

Georg Broens kann sich auch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal einer zukünftigen Gesamtschule vorstellen: Sport als Abiturfach. "Das bietet sich durch die räumliche Nähe zu den Sportstätten geradezu an", sagt er. Und dazu könne er sich auch eine Kooperation mit dem benachbarten Gymnasium gut vorstellen.

Quelle: NGZ
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