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Jüchen
Erste Frau mit Lizenz für die Drehleiter

Jüchen: Erste Frau mit Lizenz für die Drehleiter
Simone Schmidt ist die erste Frau der Freiwilligen Feuerwehr Jüchen, die den Führer- und Maschinistenschein für das große Drehleiterfahrzeug hat. Mit der Drehleiter werden immer mehr Menschen aus alten Häusern gerettet. FOTO: Georg Salzburg
Jüchen. Die Freiwillige Feuerwehr Jüchen hat zehn Frauen unter ihren Aktiven und macht beste Erfahrungen mit den Kameradinnen. Simone Schmidt ist jetzt die erste Frau, die den Maschinistenschein für die Drehleiter geschafft hat. Von Gundhild Tillmanns

Frauen sind bei der Freiwilligen Feuerwehr Jüchen willkommen - das ist nicht überall so, wie auch Simone Schmidt weiß. Sie ist jetzt die erste von zehn Frauen in der Jüchener Wehr, die den Maschinisten-Lehrgang für das große Drehleiterfahrzeug bestanden hat. Die 32-Jährige ist seit 21 Jahren bei der Feuerwehr, zuvor in Troisdorf, wo sie aufgewachsen ist, und seit März 2014 nun in Jüchen. Sprüche, wie "Frauen haben in der Feuerwehr nichts zu suchen", hat sie zwar nicht in Jüchen, aber an anderer Stelle schon gehört. Vor allem in ihrem Einsatzeifer entzieht sie diesen allerdings die Grundlage.

Und auch Feuerwehrleiter Heinz-Dieter Abels stellt fest: "Als wir Mitte der 1990er Jahre im Löschzug Gierath die erste Frau aufnahmen, gab es anfangs bei den Männern noch sehr viele, die reserviert reagierten." In den vergangenen fünf bis zehn Jahren habe aber ein großes Umdenken stattgefunden. Seit Anfang dieses Jahres gebe es sogar die rechtliche Grundlage für weibliche Feuerwehraktive, sich die Betreuung ihrer Kinder beispielsweise für die Teilnahme an Feuerwehrlehrgängen von der Kommune bezahlen zu lassen, informiert Abels.

Er stellt auch fest, dass sich Frauen in der Männerdomäne Feuerwehr manchmal sogar leistungsorientierter zeigen: "Unsere Frauen beweisen einen besonderen Ehrgeiz. Eine hat sogar bei einem Lehrgang als einzige Frau mit 21 Männern als Beste abgeschnitten", berichtet Abels. Auch Simone Schmidt gehört zu den weiblichen Leistungsträgern der Jüchener Feuerwehr, wobei sie zusätzlich "erblich vorbelastet" ist: "Mein Opa und mein Vater waren auch schon bei der Feuerwehr", sagt sie. Und ihr Ehemann Peter Schmidt ist Freiwilliger in Jüchen und hauptamtlicher Feuerwehrmann im Rettungsdienst außerhalb der Gemeinde. Passend dazu steht Simone Schmidt kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Rettungsassistentin bei der Stadt Nettetal. Zuvor hatte sie als Schwimmmeisterin gearbeitet.

Einen Interessenskonflikt wird es für die junge Frau aber nicht zwischen ihrer Einsatzbereitschaft im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr geben: "Der Beruf geht vor. Für die Feuerwehr bin ich nur in meiner Freizeit einsatzbereit", sagt sie und fügt hinzu: "Ich betrachte die Feuerwehr auch als ein Hobby. Und dafür halte ich mich fit beim Laufen, Schwimmen und Radfahren."

Nicht nur körperliche Fitness, auch ein gutes räumliches Denken und technisches Verständnis benötigt Simone Schmidt für ihre Einsätze mit der Drehleiter. Dies sei eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, betont Abels. Und die 32-Jährige verrät mit einem Lächeln: "Ich wollte immer schon die ganz großen Autos bei der Feuerwehr fahren." Die Drehleiter wird übrigens immer seltener für das klassische Feuer eines Dachstuhles oder aus höheren Etagen eines Gebäudes benötigt, wie Abels erklärt. Solche Fälle machten nur noch 40 Prozent aller Einsätze aus.

"Die Drehleiter wird immer öfter zur Personenrettung eingesetzt. Wir haben dafür ein spezielles Tragegestell, das dann von der Drehleiter aus dem Rettungsdienst als Krankentrage dienen kann. Wir können damit bis ins achte Obergeschoss gelangen", sagt der Feuerwehrchef. Und mit der künftigen Rettungsassistentin Simone Schmidt hat er dann gleich doppelt den "richtigen Griff" getan. Sie weiß berufsbedingt auch, wie man Kranke oder Verletzte am besten "anfasst". Und für das technische Gerät hat sie ohnehin "ein Händchen".

Quelle: NGZ
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