| 00.00 Uhr

Jüchen
Feuerwehr weckt mit Flugblatt Verständnis

Jüchen: Feuerwehr weckt mit Flugblatt Verständnis
Das ist knapp: Im Einsatz verlieren die Wehrleute wertvolle Zeit, wenn sie die großen Fahrzeuge durch zugestellte Straßen rangieren müssen. FOTO: Feuerwehr Jüchen
Jüchen. Im Kampf gegen Falschparker setzt Jüchens Ober-Florianer Heinz Dieter Abels auf Kommunikation und Einsicht statt "Knöllchen". Von Susanne Niemöhlmann

Diesmal war es kein Einsatz. Kein Haus stand in Flammen. Kein Menschenleben war in Gefahr. Glücklicherweise. Andernfalls hätte die Sache böse enden können. Denn die Feuerwehr konnte die Steinstraße nicht passieren. Nicht ordnungsgemäß geparkte Wagen machten ein Durchkommen für das zehn Meter lange Drehleiterfahrzeug unmöglich.

Wieder einmal. "Wir kennen natürlich die Stellen im Gemeindegebiet, an denen ordnungswidrig geparkt wird", versichert Heinz Dieter Abels, Chef der Jüchener Feuerwehr. Er und seine Florianer fahren deswegen in unregelmäßigen Abständen in den Abendstunden bestimmte Straßenzüge ab, um sich die Situation vor Ort anzusehen - und um Verständnis für die Lage der Feuerwehr zu werben.

"Wir könnten es uns leicht machen und einen Kollegen vom Ordnungsamt mitnehmen, der dann ein ,Knöllchen' ausschreibt", sagt Abels. Satte 25 Euro würden dann fällig. Aber Abels will nicht die Konfrontation, "das würde die Bürger nur gegen die Feuerwehr aufbringen". Statt dessen setzt die Wehr verstärkt auf Aufklärung und Kommunikation - mittels eines feuerwehrroten Flyers, der daran erinnert, für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge eine Durchfahrtsbreite von mindestens drei Metern zu lassen. So schreibt es auch Paragraf 12 der Straßenverkehrsordnung vor.

"Wir kommen zu Ihnen, wenn Sie uns lassen!", steht auf dem DinA5-großen Zettel, den Abels und Co. seit Jahresbeginn schon gut 400 Verkehrsteilnehmern hinter die Frontscheibenwischer geklemmt haben. Immer, wenn ein Auto die Fahrbahn so verengte, dass die teils 2,55 Meter breiten Fahrzeuge kaum durchkamen. "Immerhin haben wir bei manchem Bürger einen Aha-Effekt erzielt", sagt Abels hocherfreut. "Es kommt auch vor, dass die Leute uns direkt ansprechen", erzählt er, "gelegentlich reagiert jemand zunächst aufbrausend, aber wenn wir ins Gespräch kommen, sind die meisten einsichtig - spätestens wenn ich auf den Rettungsdienst hinweise."

"Der Trend geht zu immer längeren Löschfahrzeugen", erklärt Heinz Dieter Abels. Manchen Löschfahrzeugen sei noch eine fahrbare Schlauchhaspel angehängt. Damit würde auch ein Slalom durch versetzt abgestellte Fahrzeuge zum Problem: "Spätestens beim dritten Wagen haben wir uns festgefahren", schildert Abels die Schwierigkeit. In anderen Fällen ist zentimetergenaues Rangieren erforderlich. "Dann steigt natürlich ein Kamerad zum Einweisen aus", beruhigt Abels, "aber das kostet wertvolle Zeit. Und bei Einsätzen kommt es auf jede Minute an."

Doch was geschieht, wenn überhaupt kein Durchkommen mehr ist, die Fahrzeug-Halter in der Nachbarschaft nicht aufzutreiben sind? "Dann müssen wir vom Standort unseres Löschfahrzeuges aus den Einsatz organisieren, oder die nächsten Fahrzeuge müssen einen anderen Anfahrtsweg wählen - sofern das möglich ist", sagt der 37-Jährige. Von einem Halteverbot will er dennoch nichts wissen: "Das würde das Problem nur auf andere Straßen verlagern", ist er überzeugt.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Jüchen: Feuerwehr weckt mit Flugblatt Verständnis


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.