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Jüchen
Firmlinge mit Willkommens-Botschaft

Jüchen: Firmlinge mit Willkommens-Botschaft
Verständigung und Spaß ohne viele Worte: Zauberkünstler Donatus Weinand, hier mit Leart (9) und Mara (4), war Teil des Unterhaltungsprogramms, das 16 Jüchener Firmlinge jetzt für ein Familienfest auf die Beine gestellt hatten. FOTO: Salz
Jüchen. Mindestens so wichtig wie Unterkunft und Verpflegung sei die Betreuung der Flüchtlinge vor Ort, heißt es aus dem Bistum Aachen. Jüchener Jugendliche organisierten jetzt ein "Welcome Fest" für Familien, das viel Resonanz fand. Von Karin Verhoeven-Meurer und Susanne Niemöhlmann

Wie wirkt sich der Glaube konkret aufs Leben aus? Mit dieser Frage hatten sich 16 Jugendliche mit Pädagogin Karin Witting während ihrer Vorbereitung auf die Firmung beschäftigt. Das Resultat: ein "Welcome Fest für Jüchener Familien", zu dem jetzt gut 150 Menschen, darunter etwa 70 Flüchtlinge, ins Pfarrheim von St. Pankratius kamen. Sie genossen neben einem internationalen Kuchenbuffet und der Show von Zauberer Donatus Weinand ein tolles Unterhaltungsprogramm. Unter den Gästen war auch der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens, der nicht nur anerkennende Grußworte sprach, sondern mit anpackte und Stühle schleppte. Mit Blick auf die Pariser Attentate sagte er: "Jeder Versuch, aufeinander zuzugehen, ist gut, und es wäre das schlechteste Zeichen, solche Feste jetzt ausfallen zu lassen. Jetzt erst recht!"

Das Bistum Aachen macht sich seit langem für eine Flüchtlingsarbeit stark, die dem christlichen Willkommensgedanken entspricht. Bereits im Advent 2014 hatte Bischof Mussinghoff zu konkreter Hilfe aufgerufen und Initiativen in den einzelnen Regionen gelobt. Zahlreiche Pfarreien und Ordensgemeinschaften engagieren sich für die Unterbringung von Flüchtlingen. "Mindestens ebenso wichtig aber ist die Betreuung der Menschen", ergänzt Bistumssprecher Stefan Wieland. Da summierten sich viele kleine Dinge, berichtet der Jüchener Pfarrer Ulrich Clancett. So würden sich etwa aus dem Café Welcome im Marienheim weitere Angebote wie ein Sprachkursus für Frauen ergeben, deren Kinder zeitgleich qualifiziert betreut werden. Erfreut stellt er zudem fest, dass sich in der Flüchtlingsarbeit auch viele Christen engagierten, die auf diese Art den Weg zurück in ihre Kirche fänden. Das Familienfest der Flüchtlinge findet Clancett einen "absoluten Knaller": "Die Jugendlichen haben sich über die Lebensqualität dieser Menschen Gedanken gemacht."

So kam es zu dem Konzept, Jüchener Familien gemeinsam mit Flüchtlingsfamilien ein schönes Fest zu bieten, bei dem sie sich näher kennenlernen konnten. Wie Christian Winter (16), Lea Robert (17) und Julia Köster (16) berichten, war ihnen dabei die Begegnung der verschiedenen Kulturen wichtig. Die Idee fand schnell Freunde und Sponsoren, darunter die Abiturienten 2015 des Gymnasiums Jüchen, die den Restbestand ihrer Abikasse zur Verfügung stellten.

Bürgermeister Harald Zillikens freute sich über den Einsatz so vieler junger Leute. Das Ziel, den Menschen ein wenig Abwechslung zu bieten, wurde jedenfalls erreicht. Viel Freude hatten etwa die drei kleinen Kinder von Kovan Selman (25, aus dem Irak), die mit ihrer Familie seit vier Monaten in Jüchen lebt, oder auch Timur Khani mit seiner Frau Ozmani und Baby Alex (8 Monate), die vor einem Jahr aus Russland kamen. Sprachschwierigkeiten gab es kaum - die Flüchtlinge lernen emsig. Und: Es wurden erste Kontakte geknüpft - ein gelungener Schritt in Richtung Integration.

Quelle: NGZ
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