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Jüchen
Flüchtling aus Ghana nun Bäcker in Bedburdyck

Jüchen: Flüchtling aus Ghana nun Bäcker in Bedburdyck
Osman Safian aus Ghana hat Bäcker Lenders als Praktikant überzeugt. Im Sommer beginnt er eine Ausbildung in der Dorfbäckerei. FOTO: Lothar Berns
Jüchen. Osman Safian ist Moslem. Bäckermeister Johannes Lenders rheinischer Katholik. Das ist aber Nebensache. Gemeinsam backen sie Brötchen. Von Lisa Kreuzmann

Osman ist ein Schweinehund. Das sagt zumindest Bäckermeister Johannes Lenders über ihn und ergibt sich dem Schalk in seinem Nacken. Rau aber herzlich. Osman Safian schalkt zurück. Was ein Schweinehund ist, hat er inzwischen gelernt. Und wie Bäckermeister Lenders das meint, auch. Osman Safian, der seine Croissants mit einer solchen Wertschätzung für das Produkt verfrühstückt, dass sein Meister mit einer ebenso großen Achtung darüber spricht, sorgt in der Traditionsbackstube in Bedburdyck seit einigen Wochen für ein neues Bild.

Zwischen Schwarzbrot, Roggenmehl und Rheinischer Riemchentorte, die schmeckt dem 22-Jährigen nämlich besonders gut. Er mag auch überbackene Käsebrötchen und Kirschtorte. In Ghana hat er als Kfz-Elektroniker gearbeitet. In der Rheinischen Backkultur fühlt er sich viel mehr zu Hause. Bei Bäckermeister Lenders huscht der 22-jährige Ghanaer auch regelmäßig ins Hinterzimmer zum Beten. Osman Safian ist Moslem, Bäckermeister Lenders ist rheinischer Katholik. Das ist aber Nebenschauplatz.

Denn der 22-Jährige, der über das Mittelmeer nach Deutschland floh, hat Bäckermeister Lenders eines Besseren belehrt. Dass der Bäckermeister noch einmal einen Lehrling finden würde, der sich für das Handwerk auch wirklich begeistern kann, hätte Johannes Lenders nicht gedacht. Seit acht Jahren hat der 63-Jährige nun schon keinen Auszubildenden in der Backstube mehr gehabt. Die Bewerber hätten den Anforderungen einfach nicht entsprochen, wären lustlos und lethargisch gewesen.

Nun ist Osman Safian da. Und bei ihm ist das ganz anders. Von Januar bis März hat der 22-Jährige zunächst ein Praktikum in der Bäckerei Lenders gemacht. "Erzähle mir nicht, dass du noch nie mit Teig gearbeitet hast...", habe Johannes Lenders zu Safian am Anfang gesagt, "...du Schweinehund", habe er gesagt. Denn von Safians Geschick und Talent war der Traditionsbäcker so begeistert, dass er dem jungen Ghanaer eine Ausbildungsstelle anbot. Wäre da nicht der Flüchtlingsstatus.

Das Asylverfahren des Ghanaers zieht sich hin. Eine Aufenthaltsgenehmigung hat er zwar, lebt aber noch in einer Flüchtlingsunterkunft in Hochneukirch. Als Bäckerlehrling muss er früh aufstehen und braucht mittags Zeit, sich auszuruhen. Momentan schläft er mit vielen anderen Männern in einem Raum, der so groß ist, wie die Verkaufsfläche der Bäckerei Lenders selbst.

Doch das größte Problem war ein ganz anderes. Denn ginge es nach Bäcker Lenders, würde Osman Safian die Ausbildung sofort beginnen. "Ich kann ihn wirklich sehr gut gebrauchen", sagt er. Doch der junge Ghanaer muss zuerst noch besser deutsch lernen. Das kann er zwar bereits ganz gut, er steht kurz vor A2-Niveau. Doch mit dem Lehrplan der vorgeschriebenen Sprachkurse vom Bundesamt für Migration gibt es für seinen Fall ein Problem: Sie sind viel zu langsam. "Er muss in der Berufsschule schließlich Klausuren auf deutsch bestehen können", sagt Johannes Lenders. Und im Backhandwerk gebe es viele Fachbegriffe.

Dafür hat der Kreistagsabgeordneter Simon Kell, der Osman Safian vom Kicken kennt, nun eine Lösung gefunden. Privatunterricht bei einer Bekannten. Freiwillig, effektiv und unkompliziert. Die Ausbildungsstelle hat der 22-Jährige dadurch sicher. Aber nicht alle jungen Männer und Frauen haben einen Simon Kell und Bäcker Lenders an ihrer Seite. "Es müsste alles viel leichter gehen, damit die Menschen hier Fuß fassen können", sagt Simon Kell. Das Praktikum habe Osman Safian nur drei Monate lang machen dürfen, und zu viel verdienen dürfe er in seiner Situation in der Zwischenzeit nicht.

Für die neue Männerfreundschaft am Niederrhein ist das alles gleichgültig. Osman Safian spielt die neue Hauptrolle im Team. Wenn er den Raum betrete, sei gute Stimmung, sagen die Lenders. "Im Grunde ist das mit den Flüchtlingen doch nicht schlimm. Wir werden es ja wohl schaffen, diese Menschen zu integrieren. Bei uns klappt das prima", betont Lenders. Auf die Ausbildung freuen sich Lehrling und Meister.

Quelle: NGZ
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