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Jüchen
Flüchtlinge und Betreuer sind eine große Familie

Jüchen: Flüchtlinge und Betreuer sind eine große Familie
Sie verstehen sich als eine Gemeinschaft: Die Flüchtlinge im Bedburdycker Lindenhof mit vier der sechs ehrenamtlichen Betreuer. FOTO: georg salzburg
Jüchen. Die Asylbewerber im Lindenhof sind den Bedburdycker Ehrenamtlern ans Herz gewachsen. Jeden Tag kümmern sie sich um die 22 Bewohner. Von Christian Kandzorra

Als im vergangenen Jahr bekannt geworden war, dass Flüchtlinge in die ehemalige Gaststätte Lindenhof an der Gierather Straße ziehen sollten, gab es Probleme: Es hatte Proteste aus der Nachbarschaft gegen die geplante Unterkunft gegeben. Inzwischen ist es ruhig geworden. Die Flüchtlinge wollen zwar noch nicht wirklich von einer neuen Heimat sprechen, aber sie fühlen sich gut im Dorf aufgehoben. Das ist auch dem Einsatz einiger Ehrenamtler zu verdanken, die die derzeit 22 Asylbewerber täglich besuchen und ihnen bei vielen Dingen des alltäglichen Lebens helfen und zur Seite stehen - etwa bei Behördengängen oder beim Abholen von Möbelspenden.

Inzwischen verstehen sich Flüchtlinge und Betreuer als eine Gemeinschaft, gar als eine große Familie. "Angefangen hat alles mit einem Begrüßungscafé im Dezember. Da haben wir die ersten Bewohner kennengelernt", erinnert sich Ehrenamtlerin Monika Maßen. Sie ist eine von sechs Bedburdyckern, die sich regelmäßig für die Flüchtlinge in ihrem Dorf engagieren. Dabei haben sie einiges auf die Beine gestellt, etwa mehrere Zimmer mit gespendeten Möbeln so hergerichtet, dass sie deutlich wohnlicher wirken als die standardmäßig für Flüchtlinge von der Gemeinde eingerichteten Räume. "Wir haben nichts neu gekauft, alles ist von Mitbürgern gespendet worden", betont Maßen, als der 26-jährige Sami aus Afghanistan sein Zimmer zeigt. Er ist ein politischer Flüchtling und freut sich auf den Besuch. Er sagt: "Die Betreuer sind immer da. Manchmal kommen sie mehrmals am Tag." Das sei eine große Unterstützung. Schließlich sind für die Asylbewerber immer noch einige Dinge in Deutschland fremd. Wenn es in der Unterkunft einmal Probleme gibt, werden sie schnell gemeinschaftlich gelöst. "Wir haben am Anfang unter anderem dafür gesorgt, dass die Bewohner Haushaltsgeräte bekommen, mit denen sie kochen können", erzählt Ehrenamtlerin Gabi Vocke. Doch es sind nicht nur alltägliche Dinge, um die sich die Bedburdycker kümmern. "Wir begleiten sie auch zum Jobcenter oder etwa bei Arztbesuchen", erzählt Monika Maßen, die erst kürzlich mit der Familie von Hatanbaatar aus der Mongolei einen Kreißsaal besichtigt und einen Entbindungstermin für dessen Frau vereinbart hat, die im achten Monat schwanger ist.

Der 37 Jahre alte Familienvater, der erstaunlich gut Deutsch spricht, weil er in der Mongolei eine deutsch-mongolische Grundschule besucht hat, sagt: "Wir sind seit gut einem Jahr in Bedburdyck. Uns geht es soweit gut, allerdings machen wir uns ein bisschen Sorgen, weil wir für unser Baby eigentlich ein separates Zimmer bräuchten. Ob wir das bekommen, ist aber noch offen."

Für solche Sorgen haben die freiwilligen Betreuer ein offenes Ohr. Sie wollen sich den Problemen annehmen, um sie zu lösen - wenn es auch schwierig ist, weil es sich im ehemaligen Lindenhof fast ausschließlich um Asylbewerber handelt - also Menschen, deren Bleiberecht in Deutschland noch nicht endgültig geklärt ist.

Quelle: NGZ
 
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