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Jüchen
Große Verantwortung für kleine Leute

Jüchen: Große Verantwortung für kleine Leute
Der zwölfjährige Timo von Blumenthal ist schon seit zwei Jahren mit vollem Eifer bei der Jugendfeuerwehr aktiv. FOTO: Lothar Berns
Jüchen. Der zwölfjährige Timo von Blumenthal gehört zur Jugendfeuerwehr. Er möchte mit 18 Jahren in die aktive Wehr. Von Gundhild Tillmanns

Zwölf Jahre jung ist Timo von Blumenthal und schon seit zwei Jahren bei der Jugendfeuerwehr Jüchen aktiv. Er ist zwar klein, zierlich und blond gelockt unter seinem Feuerwehr-Helm. Doch er hat eine große Klappe: "Gruppensprecher", steht in großen Lettern hinten auf seiner Einsatzjacke. Denn als Gruppensprecher oder -führer müssen auch die bis zu 14-Jährigen in seiner 21 "Mann" starken Jugendwehr-Gruppe auf den Zwölfjährigen hören. "Und die gehorchen auch, sie müssen", sagt Timo selbstbewusst.

Seine "große Klappe" wird dem angehenden TV-Reporter oder ersatzweise späterem Berufsfeuerwehrmann - diese Berufswünsche hat der Zwölfjährige - auch außerhalb der Jugendfeuerwehr nützen: "Ich habe einen Vertrag mit dem ZDF als Jugendreporter für die Logo-Sendung", sagt er. Auf seinen ersten Einsatz als investigativer Interviewer wartet er indes noch.

Für die Feuerwehr ist Tim familiär vorbelastet. Er sagt: "Ich wollte schon immer zur Feuerwehr und werde, wenn ich 18 bin, auf jeden Fall auch in den aktiven Dienst wechseln." Denn sein Onkel und sein Bruder sind auch bei der Feuerwehr: "Mein Onkel ist sogar Feuerwehrchef in Hochneukirch", berichtet Timo. Und sein Bruder Miko hat es in der Gruppe der älteren Jugendfeuerwehrmitglieder schon zum "Feuerwehrmann des Jahres" geschafft. Für den Leiter der Jugendfeuerwehr, Julian Jungheim, ist es wichtig, dass Jungen wie Timo und genauso die Mädchen in der Jugendwehr möglichst früh lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Auch richtige Übungs- und Ausgehuniformen haben die 33 Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Die immerhin bis zu etwa 200 Euro teure Ausrüstung werde gratis von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Der Feuerwehrnachwuchs zahlt lediglich einen Mitgliedsbeitrag von 48 Euro pro Jahr. "Mit diesem Geld versuchen wir die Ausflüge, die wir mit den Kindern machen, möglichst gratis oder nur mit geringen Kosten anzubieten", sagt Jungheim. Denn 51 Prozent seien Jugendarbeit, 49 Prozent Feuerwehrausbildung in der Jugendwehr.

Doch Letztere findet wahrscheinlich nicht nur Timo spannend. Mit strahlenden Augen und ausholenden Gesten erzählt er von den "Abenteuern" bei der jüngsten Übung in einem dunklen Keller: "Da mussten wir uns im Dunklen zurechtfinden, so wie bei einem echten Angriff mit Atemschutz. Und dann hat auch noch andauernd der Totmannmelder auf meinem Rücken gepiepst." Dieses Meldegerät gebe immer ein Signal, wenn sich der Träger nicht bewege, um möglicherweise verunglückte Einsatzkräfte aufspüren zu können, verdeutlicht der Leiter der Jugendfeuerwehr, der übrigens auch Gruppenführer im Löschzug Jüchen und beruflich am Oberverwaltungsgericht in Düsseldorf tätig ist.

Alle zwei Wochen dienstags trifft sich der Feuerwehrnachwuchs zum Training. Dazu kommen spezielle Übungen, wie beim alljährlichen Berufsfeuerwehrtag. Da wird dann auch schon mal ein schrottreifes Auto mit hydraulischem Heber und Spreitzer aufgeschnitten, um im Ernstfall ein Unfallopfer zu befreien. Oder es wird ein Chemieunfall mit Explosion mit Trockeneis simuliert: "Meine Leute waren auch dabei", berichtet Gruppensprecher Timo stolz.

Quelle: NGZ
 
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