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Jüchen
Heckhausen: AfD profitiert vom "Linkskurs" der CDU

Jüchen: Heckhausen: AfD profitiert vom "Linkskurs" der CDU
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Jüchen. Die AfD hat bei der Bundestagswahl vor allem in Hochneukirch gut abgeschnitten. Dort leben die meisten Mitbürger mit Migrationshintergrund. Der Trend der Landtagswahl hat sich mit einer Zunahme der Rechtspopulisten am Sonntag weiter fortgesetzt. Von Vo Gundhild Tillmanns

Wäre am Sonntag Kommunalwahl und nicht Bundestagswahl gewesen, dann hätte Jüchen womöglich zum ersten Mal etliche AfD-Mitglieder im Rat. Was sich bei der Landtagswahl im Mai schon abgezeichnet hat, setzte sich am Sonntag vor allem bei den Wählern in Hochneukirch fort: Bis zu 13,4 Prozent der Erst- und Zweitstimmen räumten die Rechtspopulisten dort ab. Erklärungsversuche dazu gab es schon nach der Landtagswahl. Da wurde der vergleichsweise hohe Anteil von Russlanddeutschen in diesem Ortsteil ins Feld geführt. Doch das alleine kann es nicht sein. Denn auch in Jüchen-Mitte schnellte das Wahlergebnis der AfD in Teilen bis auf 11,6 Prozent hoch.

Die perfide Art der AfD, mit Rassismus den Sozialneid zu provozieren, hat auf besorgniserregende Weise auch bei Teilen der Jüchener Bevölkerung funktioniert. Die "Hol' dir dein Land zurück"-Kampagne der AfD, die zwar die dreiste Lüge zu verstehen gab, Deutschland sei in fremder Hand, muss auch Emotionen in Jüchen angesprochen haben, die die etablierten Parteien nicht auffangen konnten. Die CDU hat zwar traditionell gut abgeschnitten. Doch auch aus ihrem Lager sind Wähler an die AfD verlorengegangen. Gesteigert hat sich die Wahlbeteiligung in Jüchen von 67,3 Prozent bei der Landtagswahl im Mai auf nun 77,7 Prozent am Sonntag. Damit folgt Jüchen dem bundesweiten Trend, was offensichtlich die zunehmende Mobilisierung von Enttäuschten oder Protestlern angeht, die der AfD gelungen ist.

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In Hochneukirch gibt es genau da einen sozialen Brennpunkt, wo zum zweiten Mal in diesem Jahr der gemeindeweit höchste AfD-Anteil gewählt wurde. "Wir müssen da näher hinschauen", sagt jetzt der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Sebastian Heckhausen. Er geht davon aus, dass der CDU vor allem Stimmen an die AfD verloren gegangen seien durch den "Linkskurs" seiner Partei auf Bundesebene, der Konservative möglicherweise abgeschreckt habe. Bürgermeister Harald Zillikens geht, wie Heckhausen, von einer Protestwahl aus, von einem "Denkzettel", den viele Wähler mit ihrem Abschwenken zur AfD den etablierten Parteien vor allem in Berlin hätten erteilen wollen. Zillikens meint auch, die AfD werde sich wahrscheinlich selbst zerfleischen und 2020 zur Kommunwahl keine Rolle mehr spielen. Es wird ein hartes Stück Arbeit, das sich die CDU Jüchen jetzt vornimmt, bis 2020 möglichst viele an die AfD verlorene Wähler zurück zu gewinnen. Das gilt ebenso für die SPD, die das Thema soziale Gerechtigkeit nicht so besetzen konnte wie die Rechtspopulisten mit ihren perfiden Halbwahrheiten und Lügen.

Quelle: NGZ
 
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