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Jüchen
Immer mehr Jüchener verschulden sich

Jüchen. Die Zahl der Menschen, die bei der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas Rat suchen, steigt seit 2008 enorm an. Von Christian Kandzorra

Statistiken belegen, dass jeder zehnte Bundesbürger verschuldet ist, seine Schulden nicht mehr begleichen kann. Diese Entwicklung macht sich auch in der Gemeinde Jüchen deutlich bemerkbar: Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritas-Sozialdienstes verzeichnet seit 2008 einen Anstieg des Beratungsbedarfs.

Während 2008 noch 62 Jüchener die Beratung der Caritas in Anspruch nahmen, waren es im vergangenen Jahr bereits 114. Das ist eine Steigerung um 84 Prozent. "Und die Zahlen werden sicher weiter steigen", sagt die Schuldner- und Insolvenzberaterin Pamela Joeres-Pomp. Jeden zweiten Mittwoch im Monat berät die Caritas-Mitarbeiterin Jüchener im Rathaus, die einen Ausweg aus ihrer Schuldenkrise suchen. Wie das statistische Bundesamt mitteilt, ist der plötzliche Verlust der Arbeitsstelle mit einem Anteil von 19 Prozent eine der Hauptursachen für Verschuldung. Das kann Pamela Joeres-Pomp bestätigen: "Durch das geringere Einkommen wird das Geld bei vielen Schuldnern zum Ende des Monats extrem knapp oder reicht gar nicht mehr aus."

Bei der 44-Jährigen suchen Bürger aus allen Gesellschaftsschichten Hilfe - vom Geschäftsführer bis hin zum Azubi. "Darunter sind auch Rentnerinnen, die beispielsweise laufende Kosten wie Strom, Gas und Wasser mit ihrer kleinen Witwenrente nicht mehr decken können", erzählt die Schuldner- und Insolvenzberaterin.

Auch junge Menschen würden vermehrt die Beratung nutzen, weil sie vermeidlich günstige Raten nicht mehr zahlen oder Handy-Rechnungen nicht mehr begleichen könnten. Das Durchschnittsalter der Jüchener, die die Caritas-Beratung nutzen, liegt bei etwa 40 Jahren. "Es sind ungefähr gleich viele Frauen wie Männer, die zu uns kommen", berichtet Schuldner- und Insolvenzberater Peter Cremer, der ebenfalls zum Team der Caritas-Berater zählt. Mit seinen Kollegen habe er übrigens häufig mit Vorurteilen und Verunsicherungen zu kämpfen: "Viele Menschen, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen, haben durch Fernseh-Sendungen ein ganz falsches Bild und oft große Angst - vor allem vor der Privat-Insolvenz."

Die Arbeit des Sozialdienstes wird am Donnerstag auch den Rechts- und Sozialausschuss beschäftigen. Der Grund: Die Caritas erhält für ihre Beratungen und Präventionsmaßnahmen an Schulen Fördergelder von Kreis und Kommunen. Weil der Rhein-Kreis Neuss seinen Zuschuss für das Jahr 2015 unter den einzelnen Sozialverbänden anders verteilt, erhalten die Caritas-Sozialdienste für ihre Beratung einen geringeren Beitrag. "Aus diesem Grund haben wir in den Kommunen Grevenbroich, Jüchen und Rommerskirchen neue Zuschüsse beantragt, damit wir weiterhin unsere Personal- und Sachkosten decken können", erklärt der Caritas-Abteilungsleiter Dirk Jünger.

Bürgermeister Harald Zillikens hat die Erhöhung des Zuschusses von 5000 auf 6270 Euro bereits zugesagt. "Wir unterstützen die Caritas gerne - gerade mit Blick auf die steigenden Schuldnerzahlen", sagt der Bürgermeister.

Quelle: NGZ
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