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Jüchen
In 20 Jahren zum Pflegeheim geworden

Jüchen: In 20 Jahren zum Pflegeheim geworden
Das Ehepaar Mehl lebt seit drei Jahren im Seniorenzentrum Maria Frieden. Pflegedienstleiterin Beate Schmitz macht Werbung für ihren Beruf, und Heimleiter John Esser ist froh, genügend Fachkräfte zu haben. FOTO: Georg Salzburg
Jüchen. Seitdem die Pflegeversicherung gilt, ist aus dem Altenheim Maria Frieden ein Pflegeheim geworden. Neue Bewohner kommen oft mit frischen OP-Wunden aus der Klinik ins Heim. Und auch die Palliativpflege musste ausgebaut werden. Von Lisa Kreuzmann

Der Friseur kommt am Mittwoch: Wasserwelle 19 Euro. Christine Mehl freut sich schon. Waschen, Schneiden, Föhnen - wie immer. Die 81-Jährige lebt mit ihrem Mann seit drei Jahren im Seniorenzentrum Maria Frieden. Das ist verhältnismäßig lange. Seit 1996 gibt es das Seniorenzentrum nun am Jakobusweg. Seitdem habe sich viel verändert. Aus einem Wohnheim für Senioren sei ein Pflegeheim geworden. "Die Verweildauer ist nicht mehr so lange", sagt der Heimleiter John Esser. "Die Menschen kommen heute viel kränker zu uns." Das sei aber von der Politik auch so gewollt. "Ältere Menschen sollen so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben, und wenn sie krank sind, so schnell wie möglich auch wieder aus den Krankenhäusern raus."

Christine und ihr Mann Friedrich Mehl wohnen in einem Doppelzimmer. Eigenes Badezimmer, Fernsehecke, ein kleiner Tisch. Alles, was sie brauchen. Zu den Mahlzeiten fahren sie mit dem Fahrstuhl ins Untergeschoss. Mit dem Speiseplan sei man gemeinhin zufrieden. Auch da habe sich etwas getan, sagt Pflegedienstleiterin Beate Schmitz. Die Bewohner hätten mehr Mitspracherecht bei der Auswahl bekommen.

Friedrich Mehl hat früher als Dreher gearbeitet, allerdings nur bis zu seinem 56. Lebensjahr. Heute ist er 87. Das Ehepaar Mehl ist zufrieden mit seinem Leben im Seniorenzentrum Maria Frieden, wie es sagt. Beim Bingospiel, das im Haus angeboten wird, gewinnen sie oft, manchmal eine Tafel Schokolade, manchmal Sonnencreme. Die beiden haben eine Tochter und einen Enkelsohn, auf den sie sehr stolz sind.

Kurz bevor das Haus Maria Frieden 1996 seine neuen Räumlichkeiten bezog, war in Deutschland gerade die erste Pflegeversicherung beschlossen worden: die noch fehlende Säule im Sozialversicherungssystem. Dadurch habe sich auch in Jüchen einiges verändert, sagt der Heimleiter. Etwa 80 Krankenpfleger und Gesundheitspflegerinnen arbeiten dort. "Wir haben genügend Personal", sagt Esser. "Den Fachkräftemangel spüren wir hier noch nicht." Das liege sicherlich auch daran, dass nach Tariflohn bezahlt werde, sagt Pflegedienstleiterin Beate Schmitz. "Außerdem ist die Arbeit zeitlich sehr flexibel", fügt Schmitz hinzu, um für ihren Berufsstand ein wenig zu werben. Es gibt 119 Wohnplätze im Haus. Ein Zimmer koste je nach Pflegestufe zwischen 2000 und 2500 Euro, sagt Esser. Einen Großteil davon bezahle die Pflegeversicherung.

Aber natürlich habe die Pflegversicherung auch mehr Verwaltungsaufwand mit sich gebracht. Erstmals gab es Pflegestufen, die ab 2017 Pflegegrade heißen sollen. Dem Vorstoß der Bundesregierung, künftig die Kranken-, Alten- und Kinderpflegerausbildung zusammenzuführen, und allumfassende Pflegefachkräfte auszubilden, sieht man in Jüchen positiv entgegen. "Ich komme selbst eigentlich aus der Krankenpflege und das hat mir hier schon sehr geholfen", sagt Beate Schmitz. Dadurch, dass Patienten schon viel früher aus den Kliniken entlassen würden, wäre bei den Pflegekräften auch mehr Fachwissen gefragt. "Manche kommen mit frischen Operationswunden zu uns", sagt die Pflegeleiterin. "Das gab es früher nicht," fügt sie hinzu. Auch die Palliativpflege sei hinzugekommen - und es gebe mehr Demenzkranke, die man besonders betreuen müsse, betont sie.

Quelle: NGZ
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