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Jüchen
In Hochneukirch sorgt ein Tuareg für Aufsehen

Jüchen: In Hochneukirch sorgt ein Tuareg für Aufsehen
Tuareg Abdou auf dem Adenauerplatz in Hochneukirch. FOTO: G. Tillmanns
Jüchen. Nach einem überraschenden Besuch eines Wüstensohnes soll Rolf Heimann alias Professor Bottleneck ein Konzert in der Sahara geben. Von Gundhild Tillmanns

Ihren Augen trauten viele Hochneukircher kaum, als ihnen beim Feiertagsspaziergang am Dienstag ein echter Wüstensohn entgegenkam. Tuareg Abdou Mouhmoud aus Agadez im Niger schritt nicht nur stolz in seiner Tracht mit blauem Gewand und weißem Schal (Schech) durch das Wohngebiet von Gastgeber Rolf Heimann. Er begrüßte jeden Hochneukircher mit einem freundlichen "Bonjour". Begleitet von Heimann und dessen Hund, musste zwar der ein oder andere Hochneukircher angesichts des ungewöhnlichen Trios stutzen: "Es haben aber alle freundlich zurückgegrüßt", freuten sich der Tuarge und sein Gastgeber.

Traditionell lebende und sich noch in ihrer Tracht kleidende Tuaregs sind auch in ihrer Heimat, in den Ländern der Sahara, fast zu einer Seltenheit geworden. Umso ungewöhnlicher wirkte der Besuch des 42-jährigen Tuaregs aus dem Niger im beschaulichen Hochneukirch. Gastgeber Rolf Heimann, der aktiv im Asylkreis Hochneukirch mitarbeitet, hatte Abdou zufällig bei einem Urlaub in Frankreich kennengelernt, wo der Afrikaner seinen echten Tuaregeschmuck verkaufte. Heimanns Ehefrau lud Abdou ein, "mal in Hochneukirch vorbei zu schauen". Das war allerdings 13 Jahre her. Umso überraschter waren Heimanns, als der Tuareg am Dienstag tatsächlich vor ihrer Haustüre stand, allerdings nur für eine Stippvisite von einem knappen Tag. Der wurde genutzt, um den ungewöhnlichen Gast in Hochneukirch herumzuführen. Einen Schützenbaum, wie er in Hochneukirch auf dem Adenauerplatz steht, hatte der Mann aus der Sahara noch nirgendwo zu Gesicht bekommen. Doch Heimann konnte ihm in bestem Französisch erklären, was "das merkwürdige Ding" für eine Bewandtnis hat.

Über Facebook verbreitete Heimann die Nachricht, dass der Tuareg mitsamt seiner selbst gefertigten Schmuckkollektion bei ihm zu Gast ist, was ihm schnell ein volles Haus bescherte. Weltoffene Menschen schauten vorbei, auch auf einen echten Tuareg-Tee, den Abdou zubereitete und servierte.

Und für die Heimanns gibt es schon eine Gegeneinladung: Rolf Heimann soll jetzt möglichst bald als "Professor Bottleneck" ein Konzert in der Sahara, will heißen in Agadez, geben. Heimann war noch nie in der Sahara, das Abenteuer würde ihn aber reizen. Denn Abdou gehört zu einer der in Agadez bekannten Traditionsfamilien, die das Silberschmiedehandwerk über viele Generationen weitergeben und pflegen.

"Ich habe schon mit zwei Jahren angefangen, bei meinem Onkel das Handwerk zu erlernen", berichtet Abdou, der sechs Kinder im Alter zwischen 14 Jahren und sechs Monaten hat. Doch seitdem wegen der islamistischen Terroristen in Niger der Tourismus brach liegt, reist er regelmäßig mit seinem Schmuck durch die Welt. Denn sein Ziel ist es: "Ich wollte eigentlich Arzt werden, aber es war nicht genug Geld für die Schule da. Nun möchte ich alle meine Kinder in die Schule schicken und hoffe, dass wenigstens eines von ihnen Arzt werden kann," sagte Abdou.

Quelle: NGZ
 
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