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Jüchen
Josef Esser - Heimatfilmer in Uniform

Jüchen. Der 76-Jährige ist mit seiner Kamera seit 25 Jahren in Jüchen unterwegs und dreht weiter. Von Karin Verhoeven

Josef Esser (76) ist in Jüchen als der "Mann mit der Kamera" bekannt. Begonnen hat die Leidenschaft für bewegte Bilder im Jahr 1968, als Essers Tochter Jutta geboren und der stolze Vater ihre Kindheit dokumentieren wollte. "Ich legte mir eine preisgünstige Acht-Millimeter-Kamera zu. Das war damals noch nicht Super 8", erzählt der Jüchener. Ans Aufhören denkt er noch nicht - auch wenn er nach 60 Jahren zum letzten Mal beim Jüchener Schützenfest mitmarschiert ist.

Erst die Tochter, dann die Begebenheiten in seinem Umfeld - etwa 1968 das Schützenkönigsjahr seiner Schwiegereltern Johann und Käthe Thishen: Josef Esser fasste seinen Blickwinkel immer weiter, filme mit Herzblut und feiner Beobachtungsgabe. Diese Ergebnisse gefielen nicht nur der Familie.

Und so begann Josef Esser in den 1990er Jahren, unter dem fortlaufenden Titel "Jüchen meine Heimat" Alltag und Feste in seiner Gemeinde zu dokumentieren. Er filmte Schützenfeste, Heimatgeschichte, den Lauf des Jüchener Bachs und Traditionsveranstaltungen wie die Fronleichnamsprozessionen. Aber die Menschen fesselten ihn am meisten - ob sie ausgelassen beim Schützenzelt feierten, in der Gaststätte kegelten oder beim Zahnarzt warteten. "Mir gefielen die Filme aus den 1930er Jahren unter dem Titel ,Was damals geschah' des ehemaligen Jüchener Drogisten Hermann Jöres", erzählt er. Sie seien früher im Kino gelaufen und hätten die Menschen begeistert.

Esser wurde immer bekannter - im Jahr 1980 fragte ihn Hubert Klinkhammer, der damalige Präsident des Bürgerschützen- und Heimatvereins (BSHV), ob er das hundertjährige Bestehen des Heimatvereins filmen würde. Esser wollte und kaufte sich die erste Tonkamera." Die notwendigen 54 Kassetten stellte der Verein zur Verfügung: "Ich bin zu allen Terminen des Königspaares Hubert und Marianne Prisack gegangen, meine Frau hat mich begleitet - immer den Rucksack mit neuen Kassetten griffbereit." Seine Gage sei damals ein Rundflug über Jüchen gewesen. Vor 25 Jahren begann der Hobbyfilmer, alle Ereignisse in Jüchen festzuhalten, längst digitalisierte er seine Streifen selbst. In diesem Jahr filmte er etwa den beeindruckenden Ostergottesdienst in St. Jakobus, den der "Deutschlandfunk" übertrug. Auch der kleine Ort Bödingheim, ein Stadtteil von Buchen im Odenwald, weiß Josef Esser zu schätzen - schließlich lieferte er zu dessen Tausend-Jahr-Feier einen Film, der in der dortigen Gemeindehalle gezeigt wurde. Bis heute ist Esser in Bödingheim ein gerngesehener Gast.

Über die Zukunft seines Archivs hat sich der Senior bereits Gedanken gemacht: "Alles, was den Schützenverein angeht, bekommt der Verein. Alles, was über die Kirche gedreht habe, erhält die Kirche - und alles andere das Gemeindearchiv." Für BSHV-Präsident Hubert Krall "ein unermesslicher Schatz".

Auch wenn Esser beim Schützenfest kürzer tritt ("Die Knie machen nicht mehr mit"): Die Kamera bleibt griffbereit - Tag und Nacht.

Quelle: NGZ
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