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Naturschutz in Jüchen
Hausbesitzer gegen Flüchtlingsheim

Jüchen: Hausbesitzer gegen Flüchtlingsheim
Auf diesem Grundstück der Gemeinde in Bedburdyck soll eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden. Eigenheimbesitzer aus der Nachbarschaft sind gegen eine Umwandlung der Wiese in Bauland. FOTO: Lothar Berns
Jüchen. Etwa 100 Mieter und Eigenheimbesitzer wollen sich laut deren Sprecher Sven Hagen  im Gemeinderat gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft in Bedburdyck auf einer Obstwiese wehren. Sie führen den Naturschutz ins Feld. Von Gundhild Tillmanns

Voll dürfte es an diesem Donnerstagabend im Zuschauerraum in Haus Katz werden. Denn aus Bedburdyck werden Anwohnerabordnungen in der Sitzung des Gemeinderates erwartet, die sich aus unterschiedlichen Gründen gegen die geplante Unterbringung von Flüchtlingen in "ihrem" Dorf wehren wollen.

Unter den Kritikern wird auch Sven Hagen aus Bedburdyck sein als Sprecher von Mietern und Eigentümern aus dem Wohngebiet Lindenhof II. Das seien alleine schon mehr als 100 Wohneinheiten. " Allerdings betrifft diese Angelegenheit auch Bewohner und Eigentümer in Bedburdyck außerhalb vom Lindenhof II", meint Hagen. Die Bürger wehrten sich gegen eine plötzliche Änderung des Bebauungsplans durch die Gemeinde, sagt er. Wie berichtet, will die Kommune ihr Grundstück Auf dem Acker/Ecke Grevenbroicher Straße wegen der steigenden Flüchtlingszahlen auch in Jüchen in Bauland umwandeln lassen. Der Rat soll deshalb heute den Aufstellungsbeschluss für eine frühzeitige Bürgerbeteiligung fassen.

Hagen meint nun aber: "Unter dem Vorwand der aktuellen Flüchtlingssituation sollen im Wohngebiet Lindenhof II vertraglich festgelegte ökologische Ausgleichsflächen in Bauland umgewandelt werden, ohne die Anwohner über diese massive Änderung offiziell und aktiv zu informieren." Darüber seien die Anwohner "sehr besorgt". Er sagt: "Naturschutz, nachhaltige und werterhaltende Bau- und Lebensweise sowie notariell beurkundete Verträge werden in der Gemeinde Jüchen scheinbar nicht ernst genommen. Versprechen, die uns mit dem Grundstückskauf gegeben wurden, werden jetzt gebrochen."

Fotos: #ZufluchtNRW: So leben Flüchtlinge in unserer Region FOTO: RPO, Laura Sandgathe

Die geplante Flüchtlingsunterkunft werde nicht "in die gehobene Struktur der überwiegenden Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften" passen, argumentiert er weiter und fordert eine Lärmschutzwand. Die werde seiner Ansicht nach nötig, weil das vorhandene Gehölz entfernt werden müsse. Allerdings werde eine solche Lärmschutzwand das kleine Bedburdyck in zwei Hälften trennen. Und Hagen fürchtet gar, das historische Dorfbild werde sogar nachhaltig gestört.

"Die Vernichtung der ökologischen Ausgleichsflächen hat erhebliche Nachteile für die Lebensräume der einheimischen Tier- und Pflanzenarten", meint er. Außerdem würden zehn Jahre alte Obstbäume "vernichtet". Schließlich erinnert der Bedburdycker an Versprechungen aus dem Verkaufsprospekt von 2005. Die Grünfläche sei als Teil des Kaufvertrages definiert worden, mit den Worten: "Hier können Ihre Träume wahr werden." Und schließlich argumentiert der Anwohner aus Bedburdyck: Asylsuchende hätten es verdient, gut aufgenommen zu werden. Sie hätten schweres Leid hinter sich. "Und auch wir profitieren von einer erfolgreichen Integration aufgrund des demografischen Wandels. Aber Integration kann nur bei guter Organisation, Koordination sowie transparenter Information und offener Kommunikation gelingen." Bedburdyck habe bereits erfolgreich Flüchtlinge integriert, zusätzlich kämen voraussichtlich 30 Flüchtlinge in die alte Gaststätte Lindenhof.

Quelle: NGZ
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