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Jüchen
Kirche schließt Vertrag für Flüchtlingshilfe

Jüchen: Kirche schließt Vertrag für Flüchtlingshilfe
Lehrerin Angelika von Gehlen gehört zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Evangelischen Kirchengemeinde Kelzenberg und hilft Teweide (l.) und Abdella aus Eritrea dabei, die deutsche Sprache zu lernen. FOTO: F. Wiedemeier
Jüchen. Die Evangelische Kirchengemeinde Kelzenberg hat die Fortsetzung ihres Engagements bei der Flüchtlings-Betreuung bis mindestens Ende November zugesagt. Sie ist ehrenamtlicher Vertragspartner der Gemeinde Jüchen. Von Susanne Niemöhlmann

Für einen weiteren Monat hat das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Kelzenberg bereits grünes Licht gegeben: Auf jeden Fall bis Ende November werden die protestantischen Christen als Vertragspartner der Gemeinde ihr Engagement für die in Jüchen untergebrachten Flüchtlinge fortsetzen. "Wir möchten gern noch weiter zusagen, wollen aber zuvor unsere Mitarbeiter dazu befragen", berichtet Pfarrerin Gabi Beuscher. Bei einer Versammlung Anfang November wird darum die Bereitschaft der ehrenamtlichen Unterstützer für eine Fortsetzung der Hilfen abgefragt.

Seit September sind die etwa 55 freiwilligen Helfer in Teams als Erstansprechpartner in der Jüchener Flüchtlingsunterkunft im Einsatz. Die Stimmung unter den Helfern sei gut, versichert Gabi Beuscher. Und Pfarrer Bodo Beuscher ergänzt: "In den ersten Wochen war die Euphorie groß. Jetzt gilt es, daraus eine Überzeugung zu machen, die trägt." Denn täglich sind drei Schichten zu besetzen - auch an den Wochenenden und Feiertagen. Von morgens 9 bis abends 21 Uhr - ausgenommen sind die Essenszeiten - unterstützen die Helfer aus Kelzenberg die hauptamtlichen Mitarbeiter der Caritas. Sie stehen den Flüchtlingen zur Seite, sind Gesprächspartner, beantworten Fragen des Alltags und begleiten sie, wo nötig, bei Gängen zu Behörden und Ärzten. Die anfänglichen Berührungsängste sind auf beiden Seiten schnell verschwunden. Über Brettspiele oder gemeinsames Puzzeln wurden erste Kontakte aufgebaut, sprachliche Barrieren werden zeitgemäß mit Hilfe von Smartphone-Apps überwunden. Doch auch das große Interesse der Flüchtlinge an der deutschen Sprache helfe bei der Verständigung, versichern einige Helfer.

"Wichtigstes Ziel ist, die Selbstständigkeit der Menschen zu erhalten und zu fördern", erklärt Gabi Beuscher, "darum ist ein Teil unserer Aufgabe, die Flüchtlinge zu aktivieren, etwa den Putzdienst zu übernehmen. Außerdem werden Ortspläne verteilt, damit sie sich zurechtfinden."

Längst kennen - sehr zur Freude des Pfarrer-Ehepaares - zahlreiche Flüchtlinge auch den Weg nach Kelzenberg und zur dortigen evangelischen Kirche. Rund 20 von ihnen - nicht nur Christen aus Syrien, Ghana oder Nigeria, sondern auch interessierte Muslime - nahmen an den Sonntags-Gottesdiensten teil. Dabei gestaltet sich auch hier die Integration schrittweise. "Lieder werden möglichst in deutscher und englischer Sprache an die Wand projiziert", sagt Pfarrer Bodo Beuscher, der außerdem Bibeln in verschiedenen Sprachen angeschafft hat, um sie den Gästen zur Verfügung zu stellen. Beim Kirchenkaffee im Saal knüpften die Gemeindemitglieder auch nach dem Gottesdienst schnell Kontakt zu ihren Besuchern.

Parallel zum Engagement in der Notunterkunft setzt die Evangelische Kirchengemeinde auch die seit der Jahreswende bestehende Arbeit für die dauerhaft zugewiesenen Asylbewerber in Jüchen fort. Jeden Mittwoch finden in der Grundschule Jüchen Deutschkurse für verschiedene Leistungsniveaus statt. Das Interesse daran habe keineswegs nachgelassen - "im Gegenteil", versichert Jörg Matzigkeit, der die Arbeit gemeinsam mit seiner Frau Wiebke koordiniert. Um auch den jungen Müttern die Teilnahme zu ermöglichen, wird eine Kinderbetreuung sichergestellt. Und da im Anschluss an den Unterricht oft zu wenig Raum war, um weitergehende Fragen zu beantworten oder Kontakte zu vermitteln, wird das Angebot für die Asylbewerber demnächst ausgeweitet: Künftig wird einmal im Monat zum Café KIT - Kaffee International - ins Kelzenberger Gemeindehaus eingeladen.

Quelle: NGZ
 
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