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Jüchen
Kirmestradition endet nach 66 Jahren

Jüchen: Kirmestradition endet nach 66 Jahren
Mit schwingenden Röcken zur Parade. Im Jahr 1959, zehn Jahre nach dem Beginn der Hahnenkönigstradition in Kelzenberg/Mürmeln, repräsentierte dort Richard Landers (3.v.r). An seiner Seite: Ehefrau Anneliese. FOTO: L. Berns
Jüchen. In Kelzenberg/Mürmeln ist nach 66 Jahren Schluss mit der Hahnenkirmes. Nach Abgabe der Königsinsignien flossen die Tränen. Ehrenvorsitzender Franz-Josef Wimmers blättert mit der NGZ in der Königschronik, die im Jahr 1949 begann. Von Karin Verhoeven

Zwischen Freude und Wehmut pendelte die Stimmung bei der Hahnenkirmes. Nach 66 Jahren endete dort die Kirmestradition: Zur Musik von "Klangstadt" wurde zunächst getanzt, gelacht und gefeiert. Doch als Toni und Gertrud Becker die silberne Königskette und das Diadem abgenommen wurden, schämten sich beide ihrer Tränen nicht. Dies waren Augenblicke, die niemanden im Zelt kalt ließen. Brudermeister Heinz-Dieter Königs aus Garzweiler sprach von "Wehmut". Hans-Hubert Krall, der Präsident des Jüchener Bürgerschützen- und Heimatvereins (BSHV), meinte: "Wir sind immer gern hierher gekommen. Aber es war die richtige Entscheidung." Und Inge Cremer aus Priesterath erinnerte sich: "Das ist uns ja auch vor drei Jahren passiert." Neben Anwohnern aus dem Doppeldorf waren rund 130 Gäste aus Politik, Verwaltung und von benachbarten Vereinen zu dem für beide Orte historischen Anlass gekommen.

Ehrenvorsitzender Franz-Josef Wimmers blickte zurück auf die 1948 begründete Tradition: Der erste Hahnenkönig sei Ernst Meyer gewesen; er regierte 1949 mit Ehefrau Hanni. Gefeiert wurde von Samstag bis Dienstag in einem Zelt gegenüber dem jetzigen Standort am Feuerwehrhaus. Der damals 16-jährige Wimmers kann sich gut an das Hahnenköppen erinnern.

"Von den 1960er bis in die 1980er Jahre hinein gab es in Kelzenberg immer bis zu zehn Bewerber, die Hahnenkönig werden wollten", erzählt der pensionierte Ingenieur, frühere Löschzug-Chef und Hahnenkönig von 1969. Acht Jahre zuvor hatte es Meinungsverschiedenheiten über die Hahnenkirmes gegeben. Ohne Festlichkeiten wurde in der "Gaststätte Gebr. Coenen" gefeiert, denn die Dorfbewohner wollten die Kirmes erhalten. "Mehr als 400 Leute fanden Platz im Saal", erzählt Wimmers. Zunächst war die Kelzenberger Feuerwehr Ausrichter gewesen, später wechselten sich der "Brieftaubenverein" und der "Donnerstag-Kegelclub" damit ab. "Am Kirmesmontag gab es einen Umzug mit geschmückten, von Pferden gezogenen Wagen. Den Abschluss bildete eine Parade im Kelzenberger Unterdorf", so Wimmers. Immer mehr Menschen wollten das Dorfleben mitgestalten: Der 1985 gegründete "Heimatverein Kelzenberg-Mürmeln" löste die Dorfgemeinschaft ab. Neue Herausforderungen gab es 1995, als die Gaststätte "Gebrüder Coenen" verkauft wurde und der Nachfolger über Nacht aufgab. Nun wurde wieder im Zelt gefeiert. Doch die Königsbewerber fehlten. Auch die befreundeten Vereine wollen den Heimatverein unterstützen. "Ich bin sicher, dass das Vereinsleben weiter geht", sagte Bürgermeister Harald Zillikens.

Quelle: NGZ
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