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Jüchen
Kleines Dorf schreibt große Geschichte

Jüchen: Kleines Dorf schreibt große Geschichte
Im Jahr 1958 schritt das Königspaar Hans und Katharina Mockel würdevoll durch die Parkstraße in Wallrath. Gleichzeitig war dies auch der Erntezug durchs Dorf. FOTO: Bernd Mockel
Jüchen. Bernd Mockel blickt mit seiner Wallrather Dorfchronik über den Kirchturm hinaus. Fotos nehmen mit auf die Zeitreise. Von Gundhild Tillmanns

Wallrath ist eigentlich klein und beschaulich. Höchst selten passiert dort Außergewöhnliches - und doch füllt das kleine Wallrath mittlerweile dicke Geschichtsbände. Genau genommen ist es der 63-jährige Bernd Mockel, der die Bände füllt. Nach der Schulchronik ist es jetzt die Dorfchronik, die der Rentner in mühevoller Kleinarbeit als ein dickes Buch mit vielen Abbildungen hat drucken lassen. Darin wird zwar viel und detailliert über das rege Dorfleben erzählt, doch es wird auch über den Kirchturm geblickt. Denn Wallrath ist Teil einer Welt, die sich verändert, die Traditionen mit einer Betonung auf dem noch! pflegt.

Noch (!) ist fast jeder der stark 200 Dorfbewohner in mindestens einem Verein. Noch (!) ist die Klompenkirmes mit dem jeweiligen Königspaar das wichtigste Ereignis im Jahreswechsel. Doch Mockel präsentiert nicht nur die Königspaare mit Gefolge auf vielzähligen Fotografien jeweils in der Mode ihrer Zeit, er geht auch weit zurück bis in die mittelalterlichen Ursprünge von Wallrath. Sogar auf einer heute schon längst nicht mehr lesbaren Urkunde in gotischer Schrift findet Wallrath bereits Erwähnung. Die in der Chronik abgebildete Urkunde aus dem Jahr 1301 hat Mockel an der RWTH Aachen übersetzen lassen.

Besondere Mühe und detektivische Recherchearbeit hat Bernd Mockel auf seinen Chronikteil über das Ende des Zweiten Weltkrieges und die gefallenen Soldaten verwendet, die teils zunächst in Wallrath beerdigt worden waren und später auf den Soldatenfriedhof am Nikolauskloster umgebettet wurden. Bis hin zum Zentralarchiv von Washington D.C. hat der Wallrather Bernd Mockel seine Recherchen ausgedehnt und tatsächlich auch Antworten erhalten. In einem Fall ist er sogar noch auf die Tochter eines Soldaten bei seiner Recherche in Hamburg gestoßen. So ist es ihm gelungen, eine Vielzahl offener Fragen zu beantworten. Und aufgrund von Mockels Informationen konnten die Grabsteine auf dem Soldatenfriedhof am Nikolauskloster neu beschriftet werden. Dort haben 19 Soldaten ihre letzte Ruhe gefunden, die aus Polen, dem Hunsrück, aus Bayern, Berlin, Hamburg, dem Harz oder dem Ruhrgebiet stammten.

Den Blick über Wallrath und Rath hinaus erweitert der Chronist, der übrigens bereits sein drittes Werk über die einzelnen Häuser und Familiengeschichten in Wallrath plant, auch nach Jüchen und in die Nachbarkommunen. Bekannte Gebäude - wie die Dycker Windmühle bei Aldenhoven, die Bedburdycker Grabkreuze aus dem Mittelalter, das Dycker Weinhaus in Damm, natürlich Schloss Dyck, aber auch das ehemalige Krankenhaus in Glehn - werden in Text und Bild im Buch vorgestellt. Für Jüchen-Mitte dürfen natürlich Haus Katz, die Hofkirche und die St. Jakobus-Kirche nicht fehlen. Weiter geht dann die "Reise" des Chronisten in das historische Liedberg mit Haus Fürth aus dem 15. Jahrhunder , dem Sandbauernhof aus dem 17. Jahrhundert und mit dem Schloss, das über einer Burg aus dem 12. Jahrhundert erbaut wurde. Auf Jüchener Gebiet nimmt Mockel die Leser mit zum Gut Bontenbroich, wo sich in der Reformationszeit die Protestanten zu heimlichen Gottesdiensten trafen. Weiter geht es zum ehemaligen Rittersitz Haus Neuenhoven aus dem 13. Jahrhundert, zur Pfarrkirche St. Georg in Neuenhoven und über Schlich nach Steinforth zur Burg Stessen und zur Stessener Mühle, die als erste Dampfmühle 1835 in die Geschichte einging. Luftbilder aus den 50er Jahren mit der Marmeladenfabrik in Glehn und aus dem Jahr 2015 von Wallraths Südosten beschließen das lesens- und sehenswerte Buch.

Quelle: NGZ
 
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