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Neuenhoven
Knochensplitter erinnern an 14 Heilige

Neuenhoven: Knochensplitter erinnern an 14 Heilige
In St. Georg werden bis zu 2000 Gläubige erwartet. FOTO: ON
Neuenhoven. Kevelaer ist seit dem 17. Jahrhundert als Wallfahrtsort bekannt. Das kleine Neuenhoven ist dagegen bereits seit dem 14. Jahrhundert Ziel von Pilgern. In St. Georg sind Reliquien der 14 Nothelfer zu sehen - etwa in der goldenen Monstranz. Von Karin Verhoeven

Bis zu 2000 Pilger werden ab Samstag, 4. Juli, zur Wallfahrtsoktav in Neuenhoven erwartet. Laut Pastor Lothar Wingender (72) haben diese Wallfahrten sogar eine ältere Tradition als die nach Kevelaer: Dort gibt es den ursprünglichen Bilderstock mit dem Gnadenbild erst seit 1641 - zur Zeit des 30-jährigen Krieges. "Alles spricht dafür, dass es die Wallfahrten bereits in der schlimmen Zeit der Pestepidemien im 14. Jahrhundert gab", so Wingender. Wann das Pilgern begonnen hat, dazu fehlen Hinweise. Aber: Auf Schloss Dyck gibt es ein Dokument über den Tausch von drei Morgen Land "zwischen der Kapelle und dem Hofe Wilderode". Bei den Unterschriften der beiden Bauern steht das Datum: "Während der Wallfahrtsoktav 1382".

In der Pfarrkirche St. Georg stehen die sieben Nothelfer im Fokus - von jedem dieser Heiligen gibt es dort sogar Reliquien. "Knochenfragmente aller 14 Nothelfer befinden sich in einer goldenen Monstranz", erklärt der Seelsorger. Das Schaugerät für die Hostie stellt ein Kirchengebäude dar. "Während der Oktav wird es zur Verehrung ausgestellt", so Wingender. Über die Monstranz sind weitere Einzelheiten in der Kirchenchronik verzeichnet: "Es ist dokumentiert, dass das große Reliquiarium am 17. Mai des Jahres 1866 in Krefeld bei der Firma Dutzenberg angefertigt und vom Kirchenpräses Josef Müllenbroich geschenkt worden ist." Müllenbroich sei einer der großen Förderer der Neuenhovener Kirche gewesen.

In der goldenen Monstranz sind Knochensplitter zu sehen. FOTO: ON

Im großen Altar sind ebenfalls Reliquien zu finden. Diese werden dem Namenspatron der Kirche, dem heiligen Georg, zugeordnet. "Allerdings sind sie einbetoniert", sagt Wingender. In den Seitenaltären gibt es weitere Reliquien von einigen Nothelfern - und auch in dem schlichten Altar, an dem der Pfarrer meist die Heilige Messe liest. "Die damalige Kapelle St. Georg erhielt 1864 aus Rom Reliquien in Form von Knochenfragmenten der Heiligen Georg, Blasius, Eustachius und Cyriakus", weiß der Pastor aus der Chronik. Dreizehn Jahre später war es durch Vermittlung von Professor Dr. Schröder zu St. Troud gelungen, auch noch Reliquien der Heiligen Achatius, Aegidius, Barbara, Christophorus, Dionysius sowie Erasmus, Katharina, Margareta, Pantaleon und Vitus aus Rom zu bekommen. Mindestens seit dem 14. Jahrhundert werden in St. Georg Maria und die 14 Nothelfer verehrt. "Herausgebildet hatten sich die Nothelfer von Neuenhoven etwa während der großen Pestepidemien im Mittelalter", erzählt Wingender. "Die Menschen konnten sich mit diesen Heiligen identifizieren, fühlten sich verstanden und baten sie um Fürsprache in dieser schlimmen Zeit." Und an dieser Verehrung habe sich nichts geändert - bis heute.

Quelle: NGZ
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