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Jüchen
Kreuze weggeworfen: Denkmalschützer will Anzeige erstatten

Jüchen. Anzeige wegen "einer Kulturschande ersten Ranges" will Denkmalschützer Heinz-Walther Gerresheim erstatten: Hinter einem Müllcontainer am Friedhof in Bedburdyck hat er sechs uralte Grabkreuze gefunden - beschädigt und wild durcheinander zum Entsorgen aufgehäuft. Es handelt sich laut Gerresheim um einen Teil der insgesamt 186 Kreuze aus Liedberger Sandstein vom Friedhof in Bedburdyck, die in die Denkmalliste des Landschaftsverbandes aufgenommen wurden. Von Gundhild Tillmanns

"Hier werden bewegliche Denkmäler zerstört. Das ist strafbar", sagt Gerresheim. Er geht davon aus, dass die Kreuze beim Abraum von Grabstellen mit großem Gerät umgestoßen und dann auf den Müll mit weitere Grabsteinresten abgeräumt worden sind. Die zerstörten Sandsteinkreuze und die auf dem Friedhof noch erhaltenen stammen laut Gerresheim aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, das älteste datiere auf das Jahr 1526 zurück. "Da ist ein unglaublicher Frevel geschehen", sagt Gerresheim angesichts der groben Zerstörungsspuren an den Kreuzen. Er werde jetzt den Landschaftsverband mit der obersten Denkmalbehörde einschalten und auch beim Rhein-Kreis Neuss Anzeige erstatten, kündigt Gerresheim an, dem Friedhof und Kirche in Bedburdyck vor allem auch wegen ihrer nachgewiesen römischen und fränkischen Vergangenheit besonders am Herzen liegen.

Die wertvollen alten Sandsteinkreuze sind auch in der Literatur gewürdigt. Heimatforscher Jakob Bremer schrieb 1959 über den Friedhof in Bedburdyck: "Nirgendwo finden sich so viele alte Grabkreuze wie hier, etwa 60 Zentimeter hoch, aus Liedberger Sandstein, tragen sie neben dem Namen des Toten das Bild des Gekreuzigten, die Leidenswerkzeuge oder die Sinnbilder der Vergänglichkeit und des Todes, Sanduhr, Sense oder einen Totenkopf."

Aber auch der Kirchturm ist für den Denkmalschützer eine wahre Fundgrube, der sich Gerresheim bald sogar aus luftiger Höhe durch Abseilen nähern will. Von unten sei ein geformter Stein zu erkennen, der Teil einer Skulptur aus römischer Zeit sein könne. "Die ganze Kirchturmmauer ist wie ein Geschichtsbuch", sagt er und verweist ebenso auf Gestein, das aus dem Vorgänger der Kirche, der römischen Cella, stammt, wie auf Spolien aus der Frankenzeit. Runde Einbuchtungen zeigten, dass es sich um Schwellenständer für die Eingänge der fränkischen Fachwerkhäuser handelte, sagt Gerresheim. Und noch viel ältere Kapitel lassen sich im "Geschichtsbuch" der Kirchturmmauer aufschlagen: Liedberger Quarzitsteine, aus denen die ersten Faustkeil-Funde der Region stammen sollen.

Quelle: NGZ
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