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Jüchen
Mit Hund und Handkarre zu Fuß nach Jerusalem

Jüchen. Jörg Paulsen und Schäferhund Bragi sind auf dem Weg ins Heilige Land. Dabei machten sie auch Halt in Jüchen. Von Klaus Niehörster

In Kiel ging es im April mit Tageswanderungen los, die jeweils Kirchengemeinden ansteuerten und bei denen ein Stempel ins Pilgerbuch erhofft wurde. Jüchen war eine solche Station, und dort hat der gebürtige Hamburger Jörg Paulsen (50) sein Zelt Anfang Juni für fünf Tage aufgeschlagen. Hier haben sich Herr und Hund bei großer Hitze - was erwartet ihn erst unter der sengenden Sonne Südeuropas ? - einmal ausgeruht. Freilich nicht ohne sich am Tagebau Garzweiler und Hambach umzusehen, die entwidmete Kirche in Immerath voller innerer Bewegung zu besuchen und bei der Hochneukircher Pfarrkirche hereinzuschauen.

Pfarrer Franz-Karl Bohnen hat ihn und den vierbeinigen Begleiter für den weiteren Weg mit seinem Segen ausgestattet. Zwar liegt Jüchen-Hochneukirch nicht unbedingt auf dem direkten Wege zum Heiligen Land, der hochgesteckten nahöstlichen Destination, aber irgendwie dann doch. Überschlägig sind es noch mindestens 4500 Kilometer, die durch den Kontinent auf Schusters Rappen zurückgelegt sein wollen. Eine Herausforderung und ohne Zweifel eine große Prüfung. Er wird auf seinem schweren Weg viele Eindrücke haben, vielen Menschen begegnen und dringend auf die bei Katholiken so fest verankerte Caritas angewiesen sein. "Was ich bisher erlebt habe und was ich noch erhoffe", vertraut er seiner Gastgeberin Andrea Czypull an, "wird mich für die Strapazen voll entschädigen". Die Küsterin von St. Pantaleon ist eine langjährige Bekannte.

"Jerusalem soll es sein, weil es das weiteste und schwierigste Pilgerziel überhaupt ist." Sportlicher Ehrgeiz spielt dabei keine Rolle, dafür geht es Jörp Paulsen viel zu sehr um Geistiges und Geistliches. Der sehnlichste Wunsch des gelernten Elektronikers lautet, per pedes Apostolorum "zum Glauben zurück zu finden". Keine leichte Übung, und fast scheint es, so wie bei vielen solcher großen Vorhaben, dass der Weg das Ziel ist. Der ist quer durch Deutschland geplant, dann Österreich, Slowenien, Kroatien, Griechenland und letztlich über Zypern bis zum israelischen Hafen Haifa. Auch wenn er materiell alles andere als gut gestellt ist und sich über die zu erwartenden Strapazen völlig im Klaren ist, bleibt er fest entschlossen. In seiner Gegenrechnung spielt das faszinierende Jerusalem, wo die drei großen monotheistischen Religionen aufeinander treffen, die entscheidende Rolle. Jörg Paulsen ist sicher, dass er dort findet, was er sucht. Dabei braucht nicht eigens betont zu werden, dass Gott und er selbst das Fundgut sein werden.

Quelle: NGZ
 
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