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Jüchen
Möbelklinik liefert sogar bis nach Mallorca

Jüchen: Möbelklinik liefert sogar bis nach Mallorca
Restaurator Harald Beckers (l.) und sein Nachfolger, der Tischlermeister Christian Becker, in der Werkstatt. Christian Becker zeigt das Modell einer Küchentheke, die die Möbelklinik vor Kurzem maßgefertigt hat. FOTO: cka
Jüchen. Mit der Restaurierung historischer Möbel hat Harald Beckers angefangen. Inzwischen hat sich sein Betrieb in Hackhausen auch auf moderne Maßanfertigungen spezialisiert. Er bedient Kunden in ganz Europa. Von Christian Kandzorra

Wenn Harald Beckers einen neuen "Patienten" in seiner Möbelklinik aufnimmt, stellt er sich vor allem einer großen Herausforderung: dem Erhalt der Patina, also dem über Jahrzehnte ganz natürlich entstandenen Aussehen der meistens sehr alten Möbelstücke. "Das ist insbesondere dann eine Herausforderung, wenn bestimmte Stellen ausgebessert werden müssen", sagt der 64-Jährige, der in seiner Werkstatt extra für solche Fälle einen Fundus von Hölzern alter Möbel vorhält, mit denen er Schäden so ausbessern kann, dass sie später kaum auffallen.

Als Beckers seine Möbelklinik vor 25 Jahren in Hackhausen eröffnete, widmete er sich ausschließlich den alten Möbeln. Doch das Geschäft hat sich gewandelt: Inzwischen beschäftigt er fünf Tischler. "Wir restaurieren immer noch historische Möbel, allerdings macht das nur noch einen kleinen Teil unseres Arbeitsalltags aus. Heute sind wir vor allem auf Maßanfertigungen von neuen Möbeln spezialisiert." Das sind allerdings nicht irgendwelche: Die Möbel "made in Hackhausen" sind sogar im Ausland zu finden. Denn der Betrieb bedient unter anderem Kunden in der Schweiz und auf den Balearen-Inseln, die oft außergewöhnliche Wünsche haben.

So haben die Fachleute aus Hackhausen schon Küchen für Kunden auf Mallorca und Ibiza gefertigt; außerdem einen sechs Meter langen Fernsehtisch für ein Wohnzimmer in Zürich. "Wir haben sehr viel zu tun", sagt Christian Becker, der das Geschäft seines Chefs in einem Jahr übernehmen wird. Die beiden sind trotz des fast gleichen Nachnamens nicht miteinander verwandt, arbeiten aber seit einiger Zeit zusammen. Der 40 Jahre alte Tischlermeister aus Jüchen will die Restaurierung historischer Möbel als Geschäftszweig weiter verfolgen und damit das weiterführen, mit dem Restaurator Harald Beckers einst angefangen hatte. Kern des Unternehmens sollen jedoch moderne Möbel-Maßanfertigungen bleiben.

Restaurator Harald Beckers, der in Odenkirchen zuhause ist, ist sich sicher: "Alle Epochen kommen irgendwann wieder in den Trend." Ein Beispiel: der Nierentisch aus den 1960er Jahren. Die Tische zählen zwar nicht zu raren Antiquitäten. Allerdings beweisen die mittlerweile wieder stark gefragten Tische, dass kein Trend auf eine Zeit fixiert ist. Beckers ist jedoch realistisch: "Das Interesse an guten und vor allem hochwertigen Antiquitäten schwindet in Deutschland. Wer kennt heute zum Beispiel noch Aachen-Lütticher Schränke? Das sind massive Schränke, meist aus Eichenholz, die sich durch aufwendige Schnitzerein im Holz auszeichnen. International werden Antiquitäten immer einen hohen Stellenwert haben - wenn sie hochwertig sind", erzählt der Restaurator.

Sein Wissen und das seiner Kollegen sei allerdings trotzdem regelmäßig gefragt - vor allem da, wo es auf Authentizität ankommt. Beispiel: Schloss Dyck. "Wir haben einmal nach einem Sturm den Auftrag erhalten, drei durchgebrochene Türen zu restaurieren", erinnert sich Harald Beckers. Die drei Türen sind heute in der Orangerie verbaut.

Quelle: NGZ
 
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