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Jüchen
Nach 17 Jahren: Post trennt sich von Thelen

Jüchen: Nach 17 Jahren: Post trennt sich von Thelen
Konrad Thelen an einem von zwei Post-Schaltern in seinem Geschäft am Jüchener Markt. Die Post hat ihm zum 31. Mai gekündigt. FOTO: anja tinter
Jüchen. Zum 1. Juni soll eine neue Agentur übernehmen. Konrad Thelen kann demnächst zwei Drittel seiner Mitarbeiter nicht weiter beschäftigen. Von Christian Kandzorra

Nach 17 Jahren trennt sich die Deutsche Post von ihrem Agenturnehmer Konrad Thelen, der in seinem Schreibwarengeschäft am Markt zwei Post-Schalter betreibt und Anlaufstelle für Postbank-Kunden ist. Dem 63-Jährigen liegt eine Kündigung vor, die zum 31. Mai in Kraft tritt. Die Post bestätigt, das Vertragsverhältnis fristgerecht aufgekündigt zu haben - auch für Thelens Postfiliale in Glehn. Gründe nennt der Logistikkonzern nicht. Konrad Thelen vermutet, dass der Post mitunter die Provisionszahlungen zu teuer geworden sind, die er für bestimmte Leistungen erhält.

Postkunden müssen sich allerdings keine Sorgen machen, demnächst Briefe und Pakete nicht mehr abgeben zu können: Schräg gegenüber von Thelens Schreibwarengeschäft, das samt Lotto-Annahmestelle auch ohne Postschalter weiterlaufen wird, soll ein anderer Agenturnehmer seine Arbeit aufnehmen. Bei dem Geschäft "Nail Berat Tavsan", das zum 1. Juni am Markt 15 eröffnet werden soll, handelt es sich nach Auskunft der Post ebenfalls um einen Schreibwarenladen. Gleiches gilt für Glehn: Neue Adresse ist ab Juni das Schreibwarengeschäft "Bayaral" an der Hauptstraße 61. In einer Mitteilung weist die Post zudem darauf hin, dass auch in Gierath an der Pestalozzistraße 1 bereits zum 23. April wieder eine Postfiliale eröffnen soll.

Im Januar war am selben Standort in Gierath eine andere Filiale, die in ein Bastelwaren-Geschäft integriert war, geschlossen worden. Konrad Thelen kann das gut nachvollziehen: Aus seiner Sicht sind die Postagenturen ein "Ort für billigste Dienstleistungen" geworden. "Die Konditionen für die Partner der Post haben sich deutlich verschlechtert", sagt Thelen, der den Job dennoch immer gerne gemacht habe. Ihn ärgert, dass die Post ihm jetzt ohne Angabe von Gründen gekündigt hat. Das ist laut Vertrag legitim. In dem Schriftwerk ist auch aufgeführt, dass ein Ertrag aus dem Postgeschäft für den Post-Partner nicht primäres Ziel sein soll. Tatsächlich sei die Arbeit für die Post laut Thelen jedoch äußerst zeitintensiv; der Geschäftsmann hatte für den Betrieb seiner Postschalter Mitarbeiter eingestellt. "Zwei Drittel kann ich ohne Post nicht weiter beschäftigen." Betroffen ist auch eine Auszubildende.

Konrad Thelen könne nur vermuten, weshalb sich die Post von ihm trennt. "Ich bediene einige Großkunden", sagt er. Das bedeutet: Er holt für sie Post ab und frankiert diese. Allerdings: Nicht jede Briefmarke wird einzeln abgerechnet. Die Abrechnung erfolge laut Thelen erst später - was die Post stört, wie er glaubt. Weiter meint Thelen, dass die Post die Provisionszahlungen etwa für den Verkauf von Briefmarken umgehen will, in dem sie ihm kündigt und einen günstigeren Großkundenservice engagiert. Er vermutet zudem, dass seine Kündigung eine Symbolwirkung auch für andere Postagenturnehmer haben soll. Ohne Großkunden lasse sich eine Filiale kaum wirtschaftlich betreiben. "Wenn ich eine einzelne Briefmarke verkaufe, erhalte ich fünf Prozent des Verkaufspreises. Da kann sich jeder ausrechnen, wie viele Briefmarken verkauft werden müssen, um auf den Mindestlohn zu kommen", sagt Thelen. Die Post möchte sich dazu nicht äußern.

Quelle: NGZ
 
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