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Jüchen
Neues Buch zeigt 235 alte Ansichtskarten

Jüchen. Zwei Jahre lang hat er recherchiert: Der Heimatforscher Jürgen Kiltz veröffentlicht am Dienstag sein drittes Buch über historische Karten. Im Fokus stehen Ansichten aus den Alt-Gemeinden Bedburdyck, Garzweiler und Kelzenberg. Von Christian Kandzorra

Es wirkt so, als würde er unermüdlich schreiben: Der 69-jährige Jürgen Kiltz veröffentlicht jetzt sein viertes Buch innerhalb weniger Jahre, in dem er sich der Geschichte der Gemeinde Jüchen widmet. Konkret geht es in seinem aktuellen Werk auf 294 Seiten im DIN-A4-Format wieder um historische Ansichtskarten: diesmal aus den ehemaligen Gemeinden Bedburdyck, Garzweiler und Kelzenberg. Diesen Dienstag, 29. November, soll das neue Buch um 18 Uhr im Garzweiler Jugendheim (Am Markt 11) vorgestellt werden. "Ich habe etwa zwei Jahre lang recherchiert", sagt der Buchautor, der sich mit dem vom Förderverein des Gemeindearchivs Jüchen herausgegebenen Buch zum dritten Mal mit alten Ansichtskarten beschäftigt hat.

Für den Heimatforscher, der promovierter Romanist ist und bis zu seiner Pensionierung als Gymnasiallehrer gearbeitet hat, handelt es sich bei den Ansichtskarten - viele sind mehr als 100 Jahre alt - nicht bloß um Altpapier. Er sagt: "Hinter fast jeder Karte steckt auch eine interessante Geschichte." Akribisch hat er für sein neues Buch über Ansichten aus den drei Alt-Gemeinden, die mit der Kommunalen Neugliederung 1975 Teil der neuen Gemeinde Jüchen geworden sind, insgesamt 235 Karten zusammengetragen, analysiert und kommentiert. Die Leser erwartet also nicht ein Bilderbuch, sondern ein Werk, das im hohen Maße die Geschichte der Orte widerspiegelt. "Ich sehe die Karten als historische Dokumente. Sie geben Aufschluss über sehr viele Dinge", betont Jürgen Kiltz.

Eine Karte, über die der Jüchener viel zu erzählen hat, ist eine sogenannte Doppelbildkarte mit zwei Motiven aus Bedburdyck, die im Juni 1919 verschickt wurde. Das belegt ein entsprechender Poststempel. "Die Karte zeigt oben den Blick in die heutige Grevenbroicher Straße. Zu sehen ist das Manufakturwarengeschäft des jüdischen Geschäftsmanns Jakob Daniel. Er ist Verleger dieser Karte", sagt Kiltz. Das Besondere: Das zweite Kartenmotiv zeigt eine Innenansicht der katholischen Kirche - obwohl Jakob Daniel Synagogenvorsteher und dementsprechend jüdischen Glaubens war. "Diese Ansichtskarte ist für mich Ausdruck eines Zusammenlebens, das im Dritten Reich zerstört wurde", erzählt Kiltz. "Die Familie Daniel wurde später von den Nazis drangsaliert und ihr Geschäft bei der Reichspogromnacht 1938 zerstört. Jakob Daniel soll ein Jahr später nach Südamerika geflüchtet sein." Jürgen Kiltz hat viel Zeit investiert, um die Geschichten der Karten zu erforschen. Dabei habe er etliche Akten im Jüchener Gemeindearchiv gewälzt.

Wo er die Karten her hat? "Ein Großteil stammt aus meiner privaten Sammlung. Viele habe ich dazu gekauft", sagt der 69-Jährige, der sich sicher ist, mit seinen jetzt drei Büchern über Ansichtskarten aus Jüchen, Hochneukirch, Holz, Otzenrath, Spenrath sowie den Alt-Gemeinden Bedburdyck, Garzweiler und Kelzenberg (insgesamt sind es 690 Karten) einen "sehr hohen Prozentsatz" aller jemals veröffentlichten erfasst zu haben. Die älteste Karte, die in seinem neuen Buch abgedruckt ist, stammt aus dem Jahr 1895 und zeigt ein Motiv aus Aldenhoven (damals Gemeinde Bedburdyck). Weitere Karten zeigen mitunter Ansichten aus Gierath, Wallrath und sogar aus dem kleinen Ort Mürmeln bei Kelzenberg.

Der Buchautor setzt mit seinem von der Sparkasse und dem Kreisheimatbund mitfinanzierten Werk die Reihe "Geschichte der Gemeinde Jüchen" fort. Am Dienstag ist es für 20 Euro erhältlich, später gibt es das Buch im Archiv und im Rathaus.

Quelle: NGZ
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