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Jüchen
Neun Millionen für Polo

Jüchen: Neun Millionen für Polo
Der Lieferant von Motorrad-Zubehör Polo beantragte Anfang Dezember die Insolvenz. Nun gibt es Hoffnung für das Jüchener Unternehmen. FOTO: L. Berns
Jüchen. Der angeschlagene Jüchener Motorrad-Spezialist bekommt nun doch Unterstützung von Banken. Ein Massenkredit in Millionenhöhe stellt die Saisonfinanzierung sicher. Von Andreas Gruhn

Das Schreiben, das den Mitarbeitern Polos gestern Abend ausgehändigt wurde, ist ein erstes Lebenszeichen von Polo. Der in Zahlungsschwierigkeiten geratene Lieferant von Motorrad-Zubehör bekommt frisches Geld. Wie unsere Zeitung aus der Unternehmensspitze erfuhr, hat sich die Hausbank dazu bereiterklärt, Polo einen Massenkredit über neun Millionen Euro zu gewähren.

Dies sichere die Saisonfinanzierung und stabilisiere den Geschäftsbetrieb, hieß es. Offenbar sind Sicherheiten vorhanden. Einzelheiten dazu will der vorläufige Insolvenzverwalter Horst Piepenburg heute bekanntgeben. Klar ist aber: Der Deal ist ein erster Schritt zur Sanierung des angeschlagenen Motorrad-Spezialisten.

"Ein gutes Zeichen"

Damit gelang Piepenburg offenbar das, was Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter Klaus Esser im Dezember nicht mehr geglückt war. Banken hatten die Unterstützung verweigert, daraufhin hatte Esser am 6. Dezember beim Mönchengladbacher Amtsgericht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Betroffen sind 800 Mitarbeiter, 233 davon arbeiten am Standort Jüchen.

Derzeit geht man bei Polo davon aus, dass das Insolvenzverfahren voraussichtlich zum 1. Februar eröffnet werde. "Die Eröffnung ist ein gutes Zeichen", sagte ein Insider unserer Zeitung. Bisher läuft das vorläufige Insolvenzverfahren, in dem sich Insolvenzverwalter Piepenburg einen Überblick über die Rettungsmöglichkeiten verschafft und anschließend ein Gutachten über die Sanierungschancen beim Amtsgericht einreicht.

Dass der Geschäftsbetrieb fortgeführt wird, dürfte ein zentraler Baustein bei der Sanierung Polos sein. Dennoch ist noch nicht geklärt, ob und wie Polo zu retten ist. Derzeit prüft Piepenburg Optionen, einen Investor zu finden, der weiteres Kapital einbringt. Damit ließen sich Altlasten begleichen, die sich dem Vernehmen nach in deutlich zweistelliger Millionenhöhe belaufen sollen.

Polo betreibt deutschlandweit 95 Shops. Wie unsere Zeitung erfuhr, steht die Schließung oder der Verkauf einzelner Läden nicht zur Diskussion. Der Hauptkonkurrent Polos, der Zubehör-Lieferer Detlev Louis, erklärte, es hätte noch keinerlei Kontakt zu Polo gegeben. "Wenn man sich an uns wendet, werden wir die Tür sicher nicht schließen", sagte ein Sprecher des Hamburger Unternehmens. Der Geschäftsführer von Louis, Joachim Grube-Nagel, hatte der "Welt" erklärt: "Wir haben dabei noch keine festen Ziele. Aber wir würden mit dem Insolvenzverwalter sprechen."

(RP/rl)
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