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Jüchen
Nikolausmarkt lockt mit so vielen Ständen wie noch nie

Jüchen. Lucia Olderdissen dreht einen kleinen weißen Stoff-Hasen in ihren Händen. Zusammen mit Eltern und Großeltern erkundet sie noch etwas schüchtern den Nikolausmarkt. "Hier ist eine tolle Atmosphäre", sagt Lucias Opa Dirk Olderdissen. Die Familie kommt jedes Jahr an beiden Tagen aus Büttgen zum Jüchener Nikolauskloster. Schließlich hat Lucias Vater hier im Chor gesungen. Von Jascha Huschauer

So wie Familie Olderdissen machen es viele. Zusammen mit Kindern und Großeltern besuchen sie den Nikolaus-Markt. Den richten die sieben Missionare vom Oblaten-Orden im Nikolauskloster zusammen mit 80 Ehrenamtlern aus. Mit über 80 Buden ist das Angebot in diesem Jahr größer denn je. Es gibt Vogelhäuschen, Marmeladen, Liköre, Krippenfiguren, Helium-Luftballons und Adventskränze - fast alles ist in Handarbeit entstanden. Und der Erlös fließt an das Nikolauskloster. Schließlich erhält das weder Kirchensteuer noch staatliche Zuschüsse. "Wir müssen uns komplett selbst finanzieren", sagt Kloster-Rektor Pater Felix Rehbock.

Das Angebot des Klosters ist groß und richtet sich vor allem an Familien: Kinderbibeltreff, Kinderchor, Kindergottesdienst. Rund 130 Besucher kommen an einem gewöhnlichen Sonntag zum Familiengottesdienst, sagt Rehbock. Aber nicht nur Familien sind willkommen. "Wir kümmern uns auch um Menschen, die durch alle Netze fallen, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Eheprobleme", sagt der Pater. Jeder könne Hilfe finden. Das mache das Kloster zu einem besonderen Ort für die Menschen.

Bestes Beispiel dafür ist Susanne Krüll. Die 36-Jährige steht an einem der Stände. Mit sechs Freundinnen hat sie gebastelt, gestrickt und gehäkelt. Entstanden sind Beton-Nikoläuse, Turnbeutel und Weihnachtskarten. Besonders gut geht "15 Minuten Weihnachten in der Tüte". Das kleine Paket mit Teelicht und Geschichte soll eine kurze Auszeit im Vorweihnachtsstress ermöglichen. Krüll steht hier, um das Kloster zu unterstützen: "Ich habe hier selber mal Trost gefunden", sagt sie. "Das Kloster ist offen für Leute, die nicht wissen wohin. Das finde ich gut." Auch das Engagement für Kinder gefällt ihr. Tatsächlich wuseln auffällig viele junge Gäste um die Stände im und um das Kloster.

Erst im Mai hatte der Orden eine Kirche nur für Kinder und Familien gebaut, da der Platz bei Gottesdiensten nicht mehr ausreicht. Was ansonsten eine Seltenheit in Kirchen ist, ist im Nikolauskloster Alltag. Pater Felix Rehbock führt das auch darauf zurück, dass im Kloster mehr Zeit sei, auf die Menschen einzugehen. Und so wird der Nikolausmarkt zu einem großen Familientreffen. Hunde spielen, eine Drehorgel erklingt und Familie Olderdissen überlegt, wohin der Weg gehen soll. Also muss Lucia sagen, wo sie hin mag. Verlegen lässt sie ihr Kuscheltier kreisen. "Willst Du Karussell fahren", fragt die Oma. Die Kleine nickt und lächelt. "Und wollen wir was essen", fragt ihr Vater. Jetzt kommt Lucias Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Pommfritt!"

Quelle: NGZ
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