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Jüchen
Pater Ziffels bot in Paraguay dem Militärdiktator die Stirn

Jüchen: Pater Ziffels bot in Paraguay dem Militärdiktator die Stirn
Der 81-jährige Pater Hans Ziffels in der Bibliothek des Nikolausklosters: Er liest und denkt viel nach über Kirche und Theologie. FOTO: Lothar Berns
Jüchen. Der 81-jährige Senior des Nikolausklosters ist Seelsorger und Glaubenskämpfer geblieben. Von Gundhild Tillmanns

Wenn der 81-jährige Pater Hans Ziffels aus dem Nikolauskloster nachts träumt, dann befindet er sich wieder in "seinem" Paraguay. "Inzwischen überwiegen die schönen Erinnerungen an die Menschen dort. Ich wäre gerne wieder zurückgegangen, wenn ich es gesundheitlich gekonnt hätte", sagt der Pater wehmütig. Dabei gab es lange Jahre, in denen ihn nur Alpträume an Mittelamerika erinnerten: In Nicaragua wurde er am Flughafen festgenommen. Er hatte wichtige Dokumente für die Kirche dabei: "Die habe ich nachts in ganz kleine Fetzen zerrissen und aufgegessen", erzählt er. Nach seiner Festnahme wurde er ausgewiesen: "Wir können hier nicht mehr für deine Sicherheit garantieren", habe ihm der für Nicaragua zuständige Kardinal gesagt.

Da war Pater Hans Referatsleiter für Mittelamerika und bereiste diese Länder, um die Kirchenprojekte und Missionen zu beaufsichtigen. Seine wahre Lebensaufgabe, die ihm bis heute fehlt, habe er aber zuvor während seiner zehn Jahre in Paraguay empfunden. Das war Kirche an der Basis, die der Pater bis heute so schätzt. Gegen Armut durch Ungerechtigkeit revoltiert sein jung gebliebener Geist auch heute noch, ebenso wie gegen eine starre und rein wörtliche Glaubensauslegung: "Wenn in einem Psalm steht, zerschlagt die Feinde, dann bete ich das nicht mit. Das ist nicht mein Gottesbild", sagt Pater Hans, der übrigens auch in seiner benachbarten Heimat in Schiefbahn im Gemeindedienst für Wirbel gesorgt hatte: Gegen den Widerstand der Konservativen hatte er Frauen und Mädchen als Messdienerinnen und Lektorinnen an den Altar geholt.

Pater Hans predigt bei einer Hochzeit mit einer Rose in der Hand. FOTO: OMI

Sich zu widersetzen, das hatte der Geistliche in seiner Zeit in Paraguay mehr als einmal nötig gehabt. Stets von der Militärdiktatur unter Beobachtung, setzte er sich für die Rechte der Armen ein. Das war die Zeit, als sich dort die Kirchen füllten und Staatspräsident Alfredo Stroessner, der gefürchtete Militärdiktator, Hunderte von Menschen verschwinden, foltern und Tausende umbringen ließ - auch Priester. Und eines Tages sollte sich Pater Hans ausgerechnet mit diesem Mann fotografieren lassen, weil Stroessner mit der Einweihung eines kirchlichen Gebäudes sein öffentliches Image aufpolieren wollte. Aber nicht mit Hans Ziffels! "Ich hatte zwar Fürsprecher, doch die Gefahr war ständig vorhanden", sagt er. Und wenn er nach zehn Jahren in der Paraguay-Mission nicht körperlich vollständig zusammengebrochen wäre, "dann hätten sie mich sehr bald des Landes verwiesen", sagt er.

Nach Deutschland zurückgekehrt, konnte er monatelang das Bett nicht verlassen, war vollständig am Ende. Doch schwere Krankheit und scheinbar ausweglose Situationen hatte Ziffels seit seinen jungen Jahren schon durchlebt. Da war die einschneidende Zeit als Novize. Eine üble Hautkrankheit an den Händen - "ich sah aus, als hätte ich Lepra" - und ein für ihn unmöglicher Einsatz bei Bauarbeiten brachten ihn fast dazu aufzugeben: "Ich hatte um 12 Uhr einen Termin beim Superior und wollte ihm sagen, dass ich so nicht Priester werden kann. Um 11.30 Uhr wurde ich plötzlich zu ihm bestellt, und er teilte mir mit, dass ich in Rom studieren sollte", erinnert sich der 81-Jährige. Das war Fügung für ihn, wenn auch die sieben Jahre in Rom nicht leicht waren: "Es herrschte damals eine große Spannung zwischen der alten Theologie und einer Aufbruchstimmung. Ich habe das Konzil live miterlebt und war froh, dass ich nach dem Studium die Chance bekam, in die Mission zu gehen", blickt er zurück.

Hans Ziffels wurde 1965 in Rom zum Priester geweiht. FOTO: Ziffels

Nicht nur in seinem Studium an der päpstlichen Universität in Rom, wo die Vorlesungen in lateinischer Sprache gehalten wurden, auch in seinen Gemeinde- und Klosterjahren in Deutschland hat Pater Hans neben der Seelsorge, dem Dasein für die Menschen, immer auch die intellektuelle theologische Auseinandersetzung gesucht. Und er ist kämpferisch geblieben: In Deutschland sei die Kirche zu stark von Normen geleitet und die Theologie teilweise noch am Mittelalter orientiert, sagt der Oblaten-Pater.

Quelle: NGZ
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