| 00.00 Uhr

Jüchen
Rheinlandtaler geht an Dieter Ohlmann

Jüchen: Rheinlandtaler geht an Dieter Ohlmann
Fand in Bedburdyck eine Heimat: Dieter Ohlmann. FOTO: L. berns
Jüchen. Der Landschaftsverband Rheinland hat die Preisträger benannt. Eine Auszeichnung geht in den Rhein-Kreis Neuss. Von Susanne Niemöhlmann

Die Nachricht kam per Post: Dieter Ohlmann, Heimatforscher aus Bedburdyck, wird vom Landschaftsverband Rheinland mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet. Als einziger Kandidat aus dem Rhein-Kreis Neuss. Seit der Brief eingetroffen ist, fragt sich der 75-Jährige, ob er diesen Preis überhaupt verdient hat. "Ich habe schon überlegt, was ich denn eigentlich getan habe und ob das so viel wert ist", gibt der pensionierte Gymnasiallehrer zu, "aber es ist schon eine schöne Bestätigung."

Die Mitglieder des Kulturausschusses der Landschaftsversammlung werden gewusst haben, warum sie dem Heimatforscher diese Auszeichnung zuerkannt haben. Obwohl er 37 Jahre Mathematik und Physik unterrichtete, interessiert sich Dieter Ohlmann seit langem für Geschichte und Heimatkunde. Vielleicht erklärt sich das aus seiner Biographie: Während des Krieges im Pfälzer Wald geboren, wuchs er nach Verlust der Eltern und Geschwister bei Verwandten in Duisburg auf. Eine Heimat fand er in Bedburdyck, woher seine Frau Ellen stammt. "Bedburdyck ist ein interessantes Dorf", sagt Ohlmann, der immer gern den Berichten älterer Einwohner lauschte.

Bereits am Mönchengladbacher Hugo-Junkers-Gymnasium, dessen stellvertretender Direktor er war, machte er (Zeit-)Geschichte zum Thema, lud ehemalige jüdische Schüler ein. "Nach der Pensionierung dachte ich: Mathematik und Physik sind ja ganz nett, aber das ist jetzt vorbei." Nachdem er elf Jahre dem Geschichtsarbeitskreis des Jüchener Gemeindearchivs angehört hatte, übernahm er 2004 als Nachfolger von Michael Paschke den Vorsitz des Fördervereins. Dieser feierte 2015 sein 20-jähriges Bestehen.

Furore machte Ohlmann mit einem Aufsatz über den von den Nazis ermordeten Stessener Heinrich Schlösser im "Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2009". Es ist eine von mehreren Veröffentlichungen zur Jüchener Geschichte. Auch der Einsatz für das Gedenken an jüdische Mitbürger begleitet ihn bis heute - von der Gedenkstunde zum 9. November, die er mit der verstorbenen Marianne Stern organisierte, bis zu den Stolpersteinen. Zusammen mit seiner Frau engagiert er sich zudem bereits seit den 1980er Jahren in der Flüchtlingshilfe.

Bis er die Auszeichnung, ein handtellergroßes Medusen-Haupt, entgegennehmen kann, gehen wohl noch Monate ins Land. Während andere Preisträger die Übergabe kaum erwarten können, sich die Termine zu Jahresbeginn regelrecht knubbeln, hat Ohlmann es nicht eilig. "Das wird sicher Sommer werden", meint er. Ihm soll es recht sein, hat er so doch Zeit, sich zu überlegen, was er bei diesem Anlass sagen will. In der Regel überreicht der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland oder dessen Vertreter die Auszeichnung im Beisein örtlicher Repräsentanten am Wohnort des Ausgezeichneten. So auch hier: "Ich habe mir das Haus Katz gewünscht", sagt Ohlmann, "das ist ein schöner Platz."

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Jüchen: Rheinlandtaler geht an Dieter Ohlmann


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.