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Jüchen
Schlicher pflegen altes Gefallenen-Denkmal

Jüchen: Schlicher pflegen altes Gefallenen-Denkmal
Irmgard Bertrams (l.) und Martina Haas treten in die Fußstapfen von Margarete Stübben (r.) und pflegen das Dorfkreuz. Sie hoffen auf weitere Helfer. FOTO: l. berns
Jüchen. Zwei Nachbarinnen führen das Werk von Margarete Stübben weiter. Über 20 Jahre hat sie das Dorfkreuz mit Denkmal in Schuss gehalten. Von Christian Kandzorra

Zum Schützenfest rot-weiß? "Nein, rote Alpenveilchen. Aber das Rot darf sich nicht mit dem Rotton der Fahnen beißen", sagt Margarete Stübben. Klingt ein bisschen pingelig, ist aber gerechtfertigt. Schließlich soll das alte Dorfkreuz an der Hauptstraße bei der Parade zum Schützenfest auch samt Bepflanzung schick aussehen.

Und wer kennt sich schon besser mit dem 1911 aufgestellten Kreuz aus als Margarete Stübben? Die 74-Jährige hat die Pflege des aus Liedberger Sandstein gefertigten Denkmals vor 20 Jahren übernommen. "Jetzt ist Schluss", sagt die gebürtige Schlicherin, die in den vergangenen Jahren auch die Gedenktafeln für die Gefallenen und Vermissten aus den beiden Weltkriegen einmal wöchentlich pflegte.

Weil sie im Alter etwas kürzer treten möchte, hat sie für die Pflege des Kreuzes jetzt Nachfolger gesucht - und gefunden: Irmgard Bertrams (57) und Martina Haas (53) aus der Nachbarschaft wollen sich der Sache annehmen. Und zwar aus Liebe zu ihrem Heimatort.

Das alte Kreuz, das eine betende Heiligenfigur mit zusammengefalteten Händen zeigt, soll nicht verwildern. "Es ist uns ein Anliegen, das Denkmal in diesem Zustand zu erhalten. Und somit eine Selbstverständlichkeit", sagen Bertrams und Haas unisono.

"Ich glaube, dass das Kreuz jetzt in guten Händen ist", sagt Margarete Stübben und lacht. Ob sie in Zukunft wirklich komplett die Finger davon lassen kann? "Das werden wir ja sehen", sagt Stübben - denn eigentlich liegt ihr das Denkmal nach wie vor sehr am Herzen. Keine Überraschung bei so viel Elan, mit dem sie mindestens einmal die Woche mit Harke, Schere und Co. einen grünen Daumen bewies.

"Eigentlich hat es nie länger als eine halbe Stunde gedauert. Es sei denn, ich habe neue Blumen eingepflanzt", sagt die 74-Jährige, die im Jahr 1995 "so reingerutscht ist" in die Pflege des Kreuzes.

Eben weil es nur so wenig Zeit in Anspruch nimmt, habe sie kaum Verständnis dafür, dass sich nicht mehr Menschen gemeldet haben, die das Kreuz weiterhin pflegen wollen. Das Problem: Das Denkmal steht auf privatem Grund direkt vor einem Mehrfamilienhaus, die Eigentümer wollen sich nicht kümmern. Die Stadt Korschenbroich hat dort keine Handlungsmöglichkeit. "Aber sie hat angedeutet, die Blumen demnächst zu stellen", sagt Irmgard Bertrams. Bisher wurden die Pflanzen auf dem kleinen Areal von Kassen-Restbeständen aus der 2013 aufgelösten Dorfgemeinschaft finanziert.

"Doch auch diese Mittel gehen langsam zuneige", sagt Bertrams. Genau wie Martina Haas und Margarete Stübben hofft sie darauf, dass sich weitere Schlicher finden, die helfen wollen, den guten Zustand des Dorfkreuzes zu erhalten.

Quelle: NGZ
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