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Jüchen
"Schöpfer" für neues Ackerland

Jüchen: "Schöpfer" für neues Ackerland
Am Rande des Tagebaus entsteht Neuland mit Luzerne als Erstanbaupflanze. Manuel Endenich kontrolliert die Bodenbeschaffenheit. FOTO: Gundhild Tillmanns
Jüchen. Agraringenieur Manuel Endenich hat als Bodenschutzbeauftragter bei RWE Power seinen Traumjob gefunden. Er entwickelt aus dem Tagebau neue, fruchtbare Böden, wofür sich auch die Wissenschaft interessiert. Von Gundhild Tillm Anns

Für einen Schöpfungsprozess der besonderen Art ist der 30-jährige Manuel Endenich zuständig. Der neue Bodenschutzbeauftragte von RWE Power begleitet den Aufbau von Neuland im Zuge der Rekultivierung der aufgegebenen Tagebaugebiete sozusagen von der Stunde null an. In Jüchen sind dies zum Beispiel die Flächen am unmittelbaren Grubenrand, die jetzt mit Luzerne als Erstanpflanzung, dann mit Weizen für die spätere Nutzung der heimischen Landwirtschaft vorbereitet werden. Nach sieben Jahren ist solches Neuland sozusagen "reif" für die Übergabe an einen Bauern, erläutert Endenich, der aus Viersen stammt und schon in seiner Kindheit viel Zeit auf den Bauernhöfen der Region verbracht hat.

Nach seinem Studium in Bonn und seinem Abschluss als Agraringenieur hatte er noch zwei Jahre in der landwirtschaftlichen Abteilung eines anderen Konzerns gearbeitet, bis er sich bei RWE Power als Bodenschutzbeauftragter und damit als Nachfolger von Dr. Gerhard Dumbeck bewarb. Manuel Endenich betreut jetzt ein Gebiet von 12.500 Hektar Ackerland, vorwiegend aus den Tagebaugebieten Garzweiler und Inden, das sich in den unterschiedlichsten Phasen der Rekultivierung befindet. So spannend und schöpferisch sei für ihn die Aufgabe, "weil wir hier, wie sonst wohl nirgendwo auf der Welt, die Bodenneuentwicklung von der Stunde null an nachvollziehen können", sagt der 30-Jährige und erläutert: "Das Altland war schließlich 12.000 bis 13.000 Jahre alt.

Um in den Rekultivierungsgebieten ein zumindest annähernd gutes und fruchtbares Ackerland wie vor dem Tagebau wiederherzustellen, hat der Bodenschutzbeauftragte seinen Wirkungskreis keinesfalls nur auf den künftigen Feldern. Einen großen Teil seiner Aufgaben nimmt er im Tagebau selbst wahr.

Denn er überwacht den fachkundigen Abbau des Löß', der als wichtigster Bestandteil für das Neuland gesichert werden muss. Eine zwei Meter dicke Schicht Löß wird zunächst auf jedes Neuland aufgebracht. "Doch Löß ist nicht gleich Löß", weiß der Agraringenieur, der auch regelmäßig die Mitarbeiter im Tagebau in Bodenkunde schult. So sei ein allzu sehr zu durchfeuchteter Löß für den Aufbau von Neuland völlig ungeeignet, weiß Endenich.

Überhaupt werde das Thema Feuchtigkeit in der Rekultivierung gerade auch durch den bemerkbaren Klimawandel immer brisanter: "Wir bekommen den Klimawandel hier in der Region nicht durch eine Zunahme von Trockenheit zu spüren. Hier sind es die Extremwetterlagen mit den Starkregenfällen, die wir vor allem auch in den vergangenen Sommern hatten", sagt Endenich. Und zu viel Regen spüle die wichtigen Nährstoffe aus den Böden aus, erläutert er.

70 Prozent seiner Berufstätigkeit verbringt der Bodenschutzbeauftragte nach eigenen Angaben auf dem freien Feld. Dabei begleitet er auch eine Feldforschung im wahrsten Sinne des Wortes. Denn es finden sich immer wieder Studentengruppen ein, die anhand der unterschiedlichen Rekultivierungsstadien der landwirtschaftlichen Flächen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Bodenentwicklung verfassen.

Und der tatsächlichen Entwicklung der Böden geht Endenich nicht nur mit dem Spaten und einer Sonde regelrecht auf den Grund. Regelmäßig werden auch alle rekultivierten Flächen überflogen, um das Abtrocknen anhand der Bodenfärbungen zu kontrollieren.

Quelle: NGZ
 
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